Joshua Corin | Herr, erbarme dich!

„Wenn es einen Gott gäbe, hätte er mich aufgehalten.“ Diese Nachricht steht über dem Portal einer Grundschule in Atlanta. Auf der Straße liegen die Leichen von vierzehn Männern und Frauen, alle schnell und präzise umgebracht. Zweifellos das Werk des Snipers Galileo. Er kann das Leben eines Menschen aus einer Entfernung von über hundert Metern mit einem einzigen Schuss beenden. Und das tut er auch.

Was Gott nicht schaffte, soll Esme Stuart jetzt richten. Sie war die beste Profilerin, die das FBI je hatte. Bis sie dem Job ihrer Familie zuliebe den Rücken gekehrt hat. Doch bei diesem Fall kribbelt es ihr wieder in den Fingern. Und als ihr ehemaliger Chef sie dann tatsächlich geradezu anfleht, ihm zu helfen, kann sie nicht Nein sagen. Denn noch ahnt sie nicht, wie gefährlich dieser Einsatz für alle Beteiligten werden wird. 

Joshua Corin, geboren in Island, wohnhaft in Atlanta/Georgia und dort als Englisch- und Schauspiellehrer an einem College tätig, schrieb mit »Herr, erbarme dich!« seinen ersten Roman, der sogleich als Auftakt zu einer neuen Serie um die FBI-Agentin Esmeralda Stuart (von allen nur Esme genannt) gilt.

Joshua Corin überschlägt sich in seinem Erstling auf mehreren Ebenen.

Immer wieder kratzt er große Themen an um sodann gleich zum nächsten überzugehen. Es geht um amerikanische Lokalpolitik, Feminismus, griechische Mythologie, Psychologie und Esoterik. Einige Themen streift er erneut, andere lässt er  im Raum stehen.

Zum Großteil bewegt sich der Leser auf verschiedenen Erzählebenen: Amerikanische Lokalpolitik, Esmes Privatleben und die darin bis zur Langeweile albern exerzierte Rivalität zwischen ihrem Ehemann Rafe und ihrem ehemaligen Ausbilder und jetzigen Boss der Task Force Tom Piper.  Mit einer Masse von Leichen. Bis Seite 42 sind es bereits 20 Tote.

Obwohl ein Hauptaugenmerk auf Esmes Privatleben liegt, bleibt der Charakter der sehr jungen(!) FBI-Agentin schwammig bis nicht greifbar, was sich auch besonders gut an ihrem immer wieder eingeflochtenen Musikgeschmack abzeichnet.

Bis zum Schluss bleibt es unklar, warum sie sich vor Jahren von ihrem Schwiegervater in die Rolle der Hausfrau und Mutter hat zwängen lassen. Überhaupt legt sie ein sehr ambivalentes Verhalten an den Tag, was den Roman insgesamt fahrig wirken lässt.

Fazit: Viele Tote, unklare Charakterrollen, zu viele Themen in einem Roman, langweilige Wiederholungen (sollten wohl „running gags“ werden) und das ganze gespickt mit abgedroschenen Phrasen.

Nichtsdestotrotz lässt sich der Roman gut lesen und bekommt von mir deshalb noch drei von fünf möglichen Sternen.

Ein Plus gibt es für das etwas größere Taschenbuchformat und die angenehm griffige Bindung. Die Kapiteleinteilung ist mit 30 auf 348 Seiten gut.

 

60ac3-erbarmedichHerr, erbarme dich! | Erschienen am 10. November 2011 im Mira Taschenbuch Verlag
348 Seiten | 8,99 Euro
Leseprobe

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