Uli T. Swidler | Der Poliziotto tappt im Dunkeln

Wenn ein Mörder in einer Winternacht … Als kleiner Poliziotto in Urbino hat sich Roberto Rossi eigentlich um Parksünder und dergleichen zu kümmern. Aber dann wird in einer neblig-kalten Nacht ein Mann erschlagen, und bei der Kriminalpolizei ist einfach niemand greifbar. Der Täter hat seltsame Spuren hinterlassen und ist in der Synagoge verschwunden. Plötzlich heißt es überall: Das war der Golem! Erneut schlägt der Mörder zu. Die Gerüchte um den Unhold aus dem alten Judenghetto wuchern heftig. Roberto – selbst sehr abergläubisch und ziemlich faul – muss einen Zahn zulegen. Was er herausfindet, hat jedoch mit Übersinnlichem wenig zu tun …

Der Poliziotto Roberto Rossi hat es mir vom ersten Moment angetan! Uli T. Swidler schreibt mit einer humorvollen Leichtigkeit, wie ich sie selten lesen durfte. Ohne den ersten Fall des Poliziottos gelesen zu haben, nahmen die Beteiligten klare Fasson an, die Charaktere sind absolut nachvollziehbar gezeichnet. Der Autor schreibt zudem auch sehr eloquent, was anspruchsvollere Leser ansprechen dürfte.

Roberto Rossi ist in meinen Augen ein durchweg sympathischer Charakter, dem man gerne folgt. Natürlich wird nicht an Geschimpfe in italienischer Manier gespart! Überhaupt schimpfen alle Personen und das sehr routiniert und gerne. Für mich macht es den Roman noch etwas besonderer; der Humor wirkte niemals platt oder dämlich, nicht schon mehrfach zuvor gelesen.

Ich würde »Der Poliziotto tappt im Dunkeln« als Kriminalroman bezeichnen, in dem – obwohl er 2012 spielt – fast ohne technische Hilfsmittel ermittelt wird. Roberto Rossi läuft im winterlichen Urbino bergauf, bergab und ermittelt unter Zuhilfenahme seiner Verwandten und Bekannten und deren speziellen Fähigkeiten. Totos Bar, wo er täglich verkehrt, ist gefühlt seine Einsatzzentrale. Dort trifft sich Urbino und Roberto kann gleichzeitig seinem Chef aus dem Weg gehen, den er nicht einzig wegen seiner Art verabscheut sondern im Besonderen auch, weil er Roberto vor zehn Jahren seine Frau Maria ausgespannt hat.

Der Leser wähnt sich eher in einem kleinen Dorf anstatt in einer 15.000 Einwohner zählenden Stadt. Die beschriebene Gemeinschaft der einzelnen Personen macht deutlich, dass die Uhren in Bella Italia noch ganz anders ticken als im Teutonenland.

Wenig Gewalt und Blut, sehr viel Humor und eine durchgehend spannende Geschichte, die sich zum Ende hin noch steigert, gesüßt mit einem Schuss Italienliebe: das ist für mich »Der Poliziotto tappt im Dunkeln«  Es war mir der reinste Genuss das Buch zur Hand zu nehmen! Lesen!

 

fde6d-poliziottoDer Poliziotto tappt im Dunkeln | Erschienen am 1. Dezember 2012 im Rowohlt Verlag
368 Seiten | 9,99 Euro
Leseprobe

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