Marco Malvaldi | Die Einsamkeit des Barista

Hauptsache reden – das ist die Maxime der vier nicht mehr ganz taufrischen Senioren, die in Massimos Bar einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Und damit nicht nur dem jungen Barista gehörig auf die Nerven fallen. Nicht einmal vor dem Kommissar ihres toskanischen Städtchens machen sie halt, wenn sie sich mal wieder über irgendetwas mächtig aufregen. Kaum haben sie das Gerücht verbreitet, ein gerade in Pineta zur Wahl stehender Lokalpolitiker habe öffentlich gelogen, stirbt eine seiner engsten Mitarbeiterinnen. Angeblich an einem Autounfall. Natürlich wissen es die mehr oder weniger rüstigen Rentner besser, oder glauben es zumindest. Wer wird am Ende Recht behalten? Die Gerüchteküche? Oder Massimos messerscharfer Verstand? 

Massimos Bar ist in einer Kleinstadt nähe Pisa angesiedelt und wird täglich von den sogenannten vier Vieljährigen Belagert, einer davon sein Großvater. Er ist geschieden, lebt alleine bzw. bewältigt mehr oder weniger seinen Alltagstrott. Dieser wird mit ausgesprochen ausgefeiltem Esprit beschrieben, was zu sehr vielen Schmunzelmomenten führt.

Es gibt Zweifel und später Mordgerüchte im Hinblick auf einen Unfall. Nicht ganz zu Unrecht. Vielmehr geht es in der Geschichte aber um die Raffinesse des Quartetts, das sich mithilfe der lokalen Tageszeitung und der Fernsehberichterstattungen ihre ganz eigene Wahrheit zusammenbastelt. Dies ganz zum Unmut der örtlichen Polizei, die bereits aus der Vergangenheit die Verbissenheit der Herren kennt.

Ein windiger Notar gerät ebenso ins Fadenkreuz wie Pater Adriano, der – nur dieser Schluss scheint den „Alten“ glaubhaft – sein Beichtgeheimnis verletzt hat. Bei Aperitivo und Espresso werden alle Geheimnisse aufgedröselt. Ein Lesespaß ohne Blut aber mit sehr viel dolce vita!

Ein Kriminalroman im klassischen Sinne ist »Die Einsamkeit des Barista« nicht. Marco Malvaldis dritter Roman um den sympathischen Barbesitzer Massimo ist eine herrlich leichte Lektüre, die wunderbar das italienische Lebensgefühl vermittelt. Wohlfeiner Sarkasmus und spritziger Zynismus greifen gekonnt ineinander.

 

fbcfa-baristaDie Einsamkeit des Barista | Erschienen am 14. Mai 2013 im Piper Verlag
240 Seiten | 8,99 Euro
Leseprobe

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