Carin Gerhardsen | Pfefferkuchenhaus

Stockholm, im November. Es ist vier Uhr nachmittags, nasser Schnee fällt vom Himmel und Dunkelheit senkt sich über Schwedens Metropole. Ein Mann steigt in die U-Bahn und lässt sich auf einen freien Platz nieder. Er betrachtet die grauen, erschöpften Gesichter um sich herum. Ist er hier der Einzige, der mit seinem Leben zufrieden ist? Ein angenehmer Arbeitstag liegt hinter ihm, und nun freut er sich auf zu Hause. Warum aber starrt ihn der Typ, der sich im Fenster spiegelt, unverwandt an? Stört es ihn, dass es ihm gut geht? Nicht mein Problem, denkt er, und vertieft sich in die Zeitung. 

Als er an der nächsten Station aussteigt, merkt er nicht, dass der Mann ihm folgt. In den folgenden Wochen erschüttert eine Reihe von Morden das Land. Kommissar Conny Sjöberg, glücklich verheirateter Familienvater, muss einen Serienmörder jagen …

Carin Gerhardsens Kriminalroman Pfefferkuchenhaus ist der erste Teil ihrer (bisher) vierteiligen Hammarby Serie mit den ermittelnden Kommissaren Conny Sjöberg, Petra Westman, Hamad Jamal und dem Staatsanwalt Hadar Rosén.

Die einführenden Ereignisse im Oktober 1968 in einer Vorschule in Katrineholm sind die Basis ihrer Erzählung um die sechsjährigen Kinder, die 38 Jahre später, im November 2006, den Kriminalfall ausmachen. Eine Serie von Morden an Vierundvierzigjährigen beschäftigen mehrere Polizeidistrike um Stockholm, welche erst im späteren Verlauf des Romans in einen offizieller Zusammenhang betrachtet werden.

Carin Gerhardsen bietet dem Leser eine vorausschauende und überlegende Sicht der Geschehnisse, da der Täter in Form von Tagebucheinträgen von sich und seinen Taten berichtet. So wähnt sich mancher Leser sicher, die Ereignisse zu begreifen, was dem Spannungsbogen jedoch keineswegs schmälert. Auch die ausführliche Einführung ihrer Ermittler nebst Schilderung privater Ereignisse fügt sich in die Geschichte und dienst dem Verständnis, nicht dem Lückenfüllen.

Pfefferkuchenhaus ist ein sehr raffiniert erzählter Kriminalroman, der sowohl in der Handlung die Ermittler mehrfach in die Irre führt als auch den Leser mit auf diese Abwege nimmt. Dabei bedient sich die Autorin eines Grundthemas, das schockierend und annähernd unglaubwürdig anmutet, ist man sehr behütet aufgewachsen. Die sadistische Gewalt unter Sechsjährigen und die Teilnahmslosigkeit der Erwachsenen sind kaum begreiflich, umso mehr die Vorgehensweise des Täters. Doch Carin Gerhardsen weiß den Leser zu täuschen!

Eine sehr kurzweiliger Roman, den man in einem Zug durchlesen möchte. Hervorragend in guter schwedischer Kriminalroman-Manier geschrieben mit schlüssigen Charakteren und einer Handlung, die keineswegs alltäglich ist.

 

a1edc-pfefferkuchenhausPfefferkuchenhaus | Erschienen am 28. November 2009 bei Bastei Lübbe
384 Seiten | 8,99 Euro
Leseprobe

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