Christian Buder | Die Eistoten

Eine Mädchenleiche, die aufrecht mitten im Wald steht. Ein Mörder, der seit Jahren unerkannt tötet. Ein elfjähriges Mädchen mit einem besonderen Helfer: Wittgenstein, einen toten Philosophen. 

Alice ist elf Jahre alt, sehr intelligent und das, was man in ihrer Allgäuer Heimat als besserwisserisch bezeichnet. Und sie hat eine besondere Gabe: Sie spricht mit dem Philosophen Wittgenstein, der 1951 gestorben ist. Er taucht auf, wo sie es am wenigsten erwartet, und verschwindet auch ebenso geheimnisvoll. 

Als Alice in ihrem Dorf die erfrorene Leiche eines Mädchens findet, ist sie überzeugt, dem Mörder auf der Spur zu sein, der vor Jahren auch ihre Mutter getötet hat. Gemeinsam mit Ludwig Wittgenstein beginnt sie zu ermitteln. Doch niemand schenkt den Vermutungen einer Elfjährigen Gehör, bis auf einen und der will sie zum Schweigen bringen. 

Christian Buders erster Roman »Die Eistoten« erzählt die Geschichte der elfjährigen Alice Pokel, die mit ihrer älteren Schwester Amalia, ihrem Vater und Großvater in einem fiktiven Dorf im Allgäu lebt. Ihre Mutter starb vor vier Jahren – unter mysteriösen Umständen.

Alice ist eine ganz besondere Elfjährige, denn sie liebt die Philosophie und orientiert sich an den großen Philosophen, die ihr – nachdem sie deren Werke gelesen hat – als fast reale Personen erscheinen. Besonders Ludwig Wittgenstein, der bereits 1951 starb, begleitet und leitet Alice.

Zu den Menschen in ihrem Umfeld hat sie keinen engen Bezug. Das Leben fast aller Dörfler kreist um den sonntäglichen Gottesdienst bei Pater Bez, den Stammtisch im „Schwarzen Bichl“ und den örtlichen Musikverein. Geschimpft wird auf die „großkopferten Saupreißen“. Eine Welt, in der sich Alice fremd vorkommt. Denn sie interessiert sich für die philosophischen Theorien der Logik, ist der Logisch-philosophischen Abhandlung Wittgensteins verhaftet. Außerdem interessiert sie sich für Kriminalistik, insbesondere für Serienmörder.

Am Morgen des 24. Dezembers stößt Alice bei einem Spaziergang im Wald mit ihrem Schulfreund Tom auf die gefrorene Leiche eines Mädchens. In einer seltsamen Pose steht diese mit geöffneten Augen vor ihnen. Kurz darauf wird die Mädchenleiche an der Dorfkirche aufgefunden, was für Alice nur den Schluss zulässt, dass es Mord war. Alices kriminalistischer Instinkt gewinnt die Überhand und kurzerhand verständigt sie sich mit Tom, in diesem Fall selbst zu ermitteln.

Natürlich wird Alice als Elfjährige nicht ernst genommen. Noch schlimmer: Niemand ist bereit ihr zuzuhören. Noch nicht einmal ihr Vater, der Polizist. Dabei erkennt Alice früh Zusammenhänge zwischen dem Mord an dem Mädchen und früheren „Eistoten“. An jedem 23. Dezember der letzten zehn Jahre wurde ein erfrorenes Mädchen gefunden, alle in der seltsamen Pose: offene Augen, verschränkte Arme.

Alice und Tom, welcher sehr versiert im Umgang mit Technik und EDV ist, ermitteln – und geraten dabei selbst ins Visier des Mörders. Doch niemand hört ihnen zu, nimmt sie ernst, bis es fast zu spät ist. Doch Ludwig Wittgenstein lässt Alice nicht im Stich und eröffnet ihr die Welt der Spektren, die Alice zu lesen lernt.

Fazit: »Die Eistoten« ist ein Thriller, der einen dazu einlädt, sich auf mehrere ungewöhnliche Besonderheiten einzulassen. Akzeptiert der Leser den außergewöhnlichen Charakter Alices, so hat er einen spannenden Roman vor sich. Für mich hat sich diese Einlassung gelohnt. Es war eine inspirierende Lesereise.

Die Geschichte war spannend und die Charaktere schlüssig aufgebaut. Zum Ende hin geht alles etwas rasch, so dass man den Eindruck gewinnen kann, dass noch alle offenen Fragen in einem Rutsch geklärt werden sollen. Leider gab es auch an einigen Stellen Ungereimtheiten im Bezug auf die Chronologie und das Alter verschiedener Personen.

 

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Die Eistoten | Erschienen am 19. August 2013 im Aufbau Verlag
384 Seiten | 12,99 Euro
Leseprobe | Buchtrailer

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