Colin Cotterill | Der Tote im Eisfach

Der 73-jährige Dr. Siri Paiboun, einziger und querköpfiger Leichenbeschauer in Laos, ist im Norden des Landes unterwegs, als er plötzlich entführt wird. Doch man will nicht sein Leben, sondern seine Hilfe in einer äußerst mysteriösen Angelegenheit. Unterdessen hält Siris Assistentin Dtui in der Hauptstadt die Stellung. Dummerweise wurde im Leichenschauhaus versehentlich ein Toter tiefgefroren, der auch nach dem Auftauen für Probleme sorgt. In seinem Bauch findet sich nämlich eine Handgranate, die wohl für Dr. Siri gedacht war. Und natürlich macht sich Dtui daran, der Sache auf den Grund zu gehen …

»Der Tote im Eisfach« ist der fünfte Teil der Serie um den charmanten 73-jährigen Pathologen Dr. Siri Paiboun, welche in Laos angesiedelt ist. Damit hat sich Colin Cotterill einen – aus mitteleuropäischer Sicht – exotischen Handlungsort erwählt, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass er einst dort lebte. Ebenso wie in Australien, Japan und Thailand arbeitete Colin Cotterill in Laos als Sozialarbeiter und Englischlehrer.

Im Vorwort schreibt der Autor: „Dieses Buch ist den Hmong und allen anderen laotischen Bergvölkern gewidmet, die notgedrungen auf beiden Seiten des politischen Schlachtfelds gekämpft haben. Dass sie so oft verkauft und verraten wurden, tut mir im Herzen weh. Ich hoffe, ich habe sie nicht falsch dargestellt, (…). Ich bitte um Entschuldigung für die Freiheiten, die ich mir habe nehmen müssen, um mehr Heiterkeit und Hoffnung in mein Buch zu bringen, als es den Hmong im wahren Leben vergönnt gewesen ist.“

Für mich war dieses kurze Vorwort wichtig und es hat zudem zum Verständnis um die Situation der Hmong beigetragen. Die Übersetzung ihrer Situation in eine heitere Atmosphäre ist Colin Cotterill sehr gut gelungen.

In den 1970er Jahren treffen wir auf den „zwangsrekrutierten“ amtlichen Leichenbeschauer Laos’, Dr. Siri Paiboun, eigentlich Chirurg von Beruf.  Dr. Siri ist nicht nur Laos’ einziger Pathologe, er ist zudem auch hoch angesehen und ein geschätzter Kollege. Gemeinsam mit seinen beiden Kolleginnen, eine davon seine Lebensgefährtin, und einem Mitarbeiter mit Down-Syndrom, leitet er das kleine rechtsmedizinische Institut und wird dabei in kriminalistische Abenteuer verwickelt. Das schreckt Dr. Siri nicht, denn er ist ein glühender Verehrer Maigrets.

Der Roman ist zweiteilig angelegt. Einerseits erleben wir die Vorgänge im, Leichenschauhaus, wo Siris Assistentin Dtui eine versehentlich eingefrorene Leiche versucht aufzutauen und kurz darauf feststellt, dass mit eben dieser etwas anderes ganz und gar nicht stimmt. Gegen jede Ordnung besteht sie gegenüber Dr. Siris Vertretung auf eine vorsichtige Inaugenscheinnahme und rettet damit der kompletten Belegschaft das Leben. Doch damit beginnt Dtuis Abenteuer erst, denn Sie möchte unbedingt herausfinden, wer diesen Anschlag verübt hat, der- so ist sie sich sicher – Dr. Siri galt.

Dr. Siri selbst ist derweil mit Richter Haeng auf Weisung des Justizministeriums unterwegs nach Luang Prabang. Doch dort werden beide gar nicht erst ankommen, denn sie werden überfallen und Dr. Siri wird vom Stammesführer einer Hmong-Gruppe entführt; Richter Haeng rettet sich in den Wald. Lange ist unklar, warum diese Entführung stattfand. An diesem Punkt habe ich zuerst gemerkt, dass mir Grundlegendes Wissen fehlte, welches vermutlich in den Teilen eins bis vier der Krimireihe gestreut wurde. Doch es wird ohnehin schnell deutlich, dass die Hmong Dr. Siri nicht ans Leder wollen, denn sie benötigen seine Hilfe in einer mysteriösen Angelegenheit.  Derweil ist Richter Haeng verschollen und wird erst zwei Tage nach dem Überfall verwildert und verwirrt aufgefunden. Da das Verhältnis zwischen Richter Haeng und Dr. Siri ohnehin als angespannt betrachtet werden kann, kommt dies Dr. Siri sehr gelegen, der sich im Lager der Hmong fragt, weshalb er entführt wurde und sich gleichzeitig über die freizügigen Umstände wundert.

Colin Cotterillhat mit Dr. Siri einen außergewöhnlichen Charakter geschaffen, der die Gelassenheit seines Alters zu pflegen weiß. Dabei ist er intelligent genug, den Menschen ihre eigene Wahrheit zu bestätigen um wiederum ein Gleichgewicht nicht zu gefährden. Die offenen Fragen und losen Fäden der zwei Erzählebenen werden zusammengeführt, so dass sich am Ende ein fast stimmiges Bild ergibt. Für mich leider nur fast, da mir einige Umstände als zu selbstverständlich eingeflochten wurden und leider auch, weil die Geschichte hier und dort einige kleine Längen hat.

 

Der Tote im Eisfach von Colin CotterillDer Tote im Eisfach | Erschienen am 17. März 2014 bei Goldmann
288 Seiten | 8,99 Euro
Leseprobe

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