Marco Malvaldi | Schlechte Karten für den Barista

Wenn Toskana, dann mit Barista Massimo und seinen vier Senioren!

Das Leben könnte so schön sein. Gerade hat Massimo seine Bar renoviert, es ist Sommer, und vom Meer weht eine leichte Brise. Wenn nur nicht Tiziana, seine Kellnerin, gekündigt hätte und kein Ersatz für sie in Sicht wäre. Und wenn nicht sein Großvater und seine drei alten Freunde den schönsten Platz unter der Ulme okkupiert hätten, um den ganzen Tag Karten zu spielen. Und es kommt noch schlimmer: Massimo stürzt über eine Wurzel und liegt im Krankenhaus, während die Alten mal wieder einen Mörder ins Visier nehmen – und nebenbei die Bar für ihn schmeißen.

Marco Malvaldis Rezept: Man nehme einen vierzigjährigen Barista mit eigener Bar, ein Rentnerquartett, ein Gerücht und jede Menge Sprachwitz.

Auch in seinem aktuellen Krimi »Schlechte Karten für den Barista« geht dieses Rezept voll auf! In gewohnt lakonischem Stil geschrieben, treffen wir erneut auf die üblichen Verdächtigen: Massimo, den Barbesitzer, Tiziana, seine Hilfskraft und Augenschmaus sowie auf das Unverzichtbare Quartett der Vieljährigen, bestehend aus seinem Großvater Ampelio und seinen drei Kumpanen Aldo, Cesare und Pilade.

Nach einem Brand musste Massimo seine geliebte Bar sanieren. Doch schon kurz nach der Wiedereröffnung ist alles wie zuvor: Die vier Alten haben sich den besten Platz unter der Ulme gesichert, um dort den ganzen Tag beim Kartenspiel zu lamentieren. Wahlweise verwandeln sie den Billardraum in eine Räucherkammer, aber nie ohne sich zu zanken und zu debattieren. Einzig Pilade hat es neuerdings schwer, denn seine Frau hat ihn auf Diät gesetzt, worunter er sehr leidet und sich dem ständigen Spott seiner drei Freunde ausgesetzt sieht.

Aldo, der ehemalige Restaurantbesitzer, hat unterdessen ein Angebot für eine neue Restauration in dem herrschaftlichen Komplex, welcher einst dem Spekulanten Ranieri Carratori gehörte, erhalten. Obwohl auch schon 80, denkt Aldo gar nicht daran, aufzuhören zu arbeiten, geschweige denn den Löffel abzugeben. Im Gespräch mit den anderen Querulanten wird so manches Gerücht neu aufs Parkett gebracht, woraus sich aus Sicht des Quartetts im Handumdrehen ein 20 Jahre zurückliegender Mordfall ergibt, der als solcher nicht erkannt und damit natürlich auch nicht aufgeklärt wurde. Eindeutig ein Fall für Massimo und seine Stammgäste!

Doch noch bevor es so richtig losgeht mit den Recherchen, verletzt sich Massimo am Knie und muss ins nahegelegene Krankenhaus. Der Orthopäde Dr. Berton wartet mit wenig Erfreulichem auf: Massimo muss operiert werden und mindestens zwei Wochen stationär im Krankenhaus bleiben. Dabei hatte dieser gerade seine Bar wiedereröffnet. Doch es wäre kein Malvaldi, wenn nicht die vier Alten das Zepter in die Hand nähmen, um das Kind zu schaukeln. Aldo bietet Massimo an, in dessen Abwesenheit seine Bar zu führen. Gleichzeitig versorgt er ihn mit eingetupperten Köstlichkeiten aus der Küche seines Kochs und mit seinen 25 Lieblingsbüchern, Sparte Klassiker. Dabei hätte sich Massimo am liebsten mit leichter Krimikost zu den italienischen Menüs versorgt gewusst.

Während der Besuche der Alten, wird Massimos Orthopäde Dr. Berton hellhörig, woraus sich im Verlauf der Geschichte eine interessante Wendung ergibt. Denn der Arzt kennt den Kollegen Davide, der vor 20 Jahren seinen Schwiegervater Ranieri Carratori behandelte und für dessen Tod verantwortlich gemacht wurde, woran dieser zerbrach. Kurzerhand ist er also mit von der Partie und unterstützt die Ermittlungen mit seinem ärztlichen Fachwissen.

Alles in Marco Malvaldis Geschichte ergibt einen Sinn. Sogar, dass sich Massimo durch das „Buch Prediger“ ackert. Am Ende ergibt sich ein großes Ganzes, das herrlich leicht daherkommt und ein Lesespaß ist, wie ich ihn mir wünsche, ist mir nach einem humorvollen Kriminalroman. Malvaldi versteht dieses Subgenre von der ersten bis zur letzten Zeile großartig umzusetzen. Er ist kein auf den Zug der „humorvollen Krimis“ Aufgesprungener. Er kann es einfach! Wie schon in seinen bisherigen Romanen gilt: Wohlfeiner Sarkasmus und spritziger Zynismus greifen gekonnt ineinander.

 

Schlechte Karten für den BaristaSchlechte Karten für den Barista | Erschienen am 12. Mai 2014 bei Piper
208 Seiten | 9,99 Euro
Leseprobe

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