Torkil Damhaug | Feuermann

April 2003: In Oslo kommt es zu einer rätselhaften Serie von Brand­anschlägen, eine junge Frau verbrennt. Kommissar Horvath und sein Freund, der Journalist Dan-Levi, jagen den wahnsinnigen Pyromanen – den Feuermann, der an die reinigende Kraft der Flammen zu glauben scheint. Doch sie können ihn nicht fassen. Erst acht Jahre später werden die Gespenster der Vergangenheit plötzlich wieder lebendig.

Mit äußerster Präzision stellt Torkil Damhaug die Abgründe der norwegischen Gesellschaft dar und versteht es meisterhaft, den Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken.

Torkil Damhaugs »Feuermann« ist ein sehr gut erzählter Roman. Mir gefällt außerdem ausnehmend gut, dass man nicht versucht hat, ihn als Thriller zu vermarkten, wie es derzeit mit jedem Krimi üblich ist, der mehr als fünf zusammenhängende Sätze aufweist.

Die Ermittlungsarbeit oder „den wahnsinnigen Täter jagen“, wie im Klappentext angeführt, spielt im Feuermann eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr wird eine Geschichte erzählt, skandinavisch ausführlich und mit Blick in ungeahnte Abgründe in den Persönlichkeiten der Protagonisten. Man kann nicht einmal sagen, dass es DIE Hauptperson des Romans gibt, beinahe jede einzelne Figur bekommt eine wichtige Rolle in der komplexen Struktur des Beziehungsgeflechts.

Im ersten Teil bekommen wir einen Einblick in die Situation der Ausländer in der norwegischen Gesellschaft. Abiturient Karsten verliebt sich in seine pakistanische Mitschülerin Jasmeen und obwohl wir natürlich auf ein Happy-End warten und hoffen, wird diese Hoffnung nicht erfüllt. Am Ende verschwindet Karsten spurlos und uns ist klar, dass er Opfer eines Ehrenmordes geworden ist. Gleichzeitig suchen wir nach der Identität des Feuermanns, der irgendwie mit der pakistanischen Familie verbunden ist und werden am Ende im Glauben gelassen, ihn gefunden zu haben.

Der zweite Teil enthüllt uns die tatsächliche Identität des Feuermanns und handelt von Karstens Schwester Synne und der Suche nach der Wahrheit über das Verschwinden Karstens. Sehr schnell zeichnet sich ab, dass das, was wir im Teil eins schon als Fakt erachteten, sich mitnichten so abgespielt hat. Die Geschichte entwickelt sich sehr schnell zu Synnes Suche nach der eigenen Erinnerung und es erwartet uns ein ganz und gar unvorhersehbares Ende. Großartig gemacht!

Ich vergebe viereinhalb von fünf Punkten.

Es bleiben Fragen offen – zum Beispiel hätte ich gern mehr darüber erfahren, was mit Jasmeen im Nachgang zu ihrer Beziehung mit Karsten passiert ist – und einige Figuren bleiben schwammig, obwohl sie einen großen Raum in der Geschichte einnehmen. Auch erschließt sich mir die Logik der Handlungsweisen einiger Figuren nicht.

 

Rezension von Dani Nimz.

 

FeuermannFeuermann | Erschienen am 1. August 2014 bei Droemer Knaur
640 Seiten | 9,99 Euro
Leseprobe

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