Sophie Bonnet |Provenzalische Verwicklungen

Sainte-Valérie, ein idyllisches Dorf in der Provence inmitten von Weinbergen und Olivenhainen. Der ehemalige Pariser Kommissar Pierre Durand würde den Spätsommer in seiner Wahlheimat genießen, wenn ihn nicht gerade seine Freundin verlassen hätte. Doch auch mit der Ruhe ist es plötzlich vorbei: Der Dorfcasanova wird ermordet in einem Weintank aufgefunden – daran geheftet ein Rezept für Coq au vin. War es ein makabrer Racheakt eines gehörnten Ehemanns? Die Dorfbewohner halten fest zusammen. Und schon bald ahnt Pierre, dass sich hinter der schönen Fassade Sainte-Valéries ganze Abgründe auftun …

»Provenzalische Verwicklungen« ist der erste Fall für Pierre Durand, der als Kommissar in Paris nicht wirklich glücklich wurde und sich nach einem Streit mit seinem Vorgesetzten in das Dörfchen Sainte-Valérie versetzen ließ, wo er sich nun als einfacher policier um Verkehrsdelikte, Fälle von Ruhestörung oder verlorene Portemonnaies kümmert. Auch wenn er manchmal mit Wehmut an seine Zeit in der Hauptstadt zurückdenkt, ist Durand zufrieden damit, ohne berufliche Konfrontation ruhige Tage als einfacher Gemeindepolizist in seinem beschaulichen Dorf zu verbringen. Hier, im schönsten Teil Frankreichs, hatte er schon immer leben wollen, inmitten von Weinbergen, Olivenbäumen und Obsthainen, im Wechsel zwischen üppiger Vegetation und kargen, steinigen Hochflächen mit dem unvergleichbaren milchigen Licht, wo zur Zeit der Lavendelblüte das ganze Land in Malve, Blau und Violett erstrahlte und jeder Atemzug durchtränkt war mit den herrlichsten Gerüchen und das Summen der Bienen die Luft erfüllte.

Das sind die Worte unseres Dorfpolizisten, aber es sind auch die Empfindungen der Autorin. Heike Koschyk, die sich für ihre Romane um den Policier das Pseudonym Sophie Bonnet zugelegt hat, arbeitet zurzeit an weiteren Geschichten einer geplanten Reihe um Pierre Durand, und ich bin sicher, auch diese werden in erster Linie Geschichten aus der Provence sein und nicht vor allem Kriminalromane. Denn auch ihr Erstling liest sich über weite Strecken eher wie ein kulinarischer Reiseführer: Die Landschaft ist der Star, mit dem Mont Ventoux, dessen ausgeblichener Kalkstein wie eine Schneekuppe wirkt, mit der malerischen Gebirgskette des Luberon und seinem goldrot gefärbten Abendhimmel, der sich hinter den Zedern senkt.

Überhaupt Farben, die berühmten intensiven Farben der Provence, betörende Aromen, berauschende Düfte von Lavendel und wildem Rosmarin, das mediterrane Flair und die gelassene Atmosphäre in ländlicher Idylle, das alles ist Thema dieses Romans. Und in jeder Zeile ist die Schwärmerei der Autorin zum Land zu spüren, die Zuneigung zu den Menschen, die hier leben. Die Freude an der liebevollen Beschreibung jedes kleinen Details ist offensichtlich und gefällt sicher nicht nur Provence-Kennern und -Liebhabern. Dieses Vergnügen drückt sich auch darin aus, dass Sophie Bonnet ihrem Buch einen schön gestalteten Plan des erfundenen, aber so oder ähnlich sicher erlebten Dorfes voranstellt. Und in den Wunschvorstellungen Pierres illustriert sie sicherlich auch eigene Träume, zum Beispiel den von einem kleinen Bauernhaus.

Mit so einem Traumhaus liebäugelt also unser Polizist, aber er kann sich noch nicht entscheiden, weil er zunächst sein Leben neu ordnen muss. Es geht um eine um eine soeben gescheiterte und eine gerade aufflammende Liebe, und auch um die Überlegung, ob das beschauliche Leben als chef policier in seinem kleinen Dorf ihm auf Dauer genügt. Denn kaum, dass er bei einem wirklichen Kriminalfall gefordert ist, wird er in seine Schranken verwiesen: Die Ermittlungen übernimmt ein commissair der police national, der jede Hilfe des Gemeindegendarmen ablehnt. Pierre findet dennoch Möglichkeiten, im Mord an einem örtlichen Frauenschwarm auf eigene Faust Untersuchungen anzustellen.  Und auch, als es nicht bei diesem einen Mord bleibt, fahndet er heimlich weiter. Dabei wird der eigenwillige Polizist von seinem sehr bemühten, aber ziemlich unbedarften Assistenten unterstützt, während die Dorfbewohner sich als sehr verschlossen und gar nicht kooperativ erweisen.

Es sind eben Provencalen mit ihrer ganzen Starrköpfigkeit, ihren Ecken und Kanten, ihren Schrulligen Eigenarten und Besonderheiten. Liebevoll gezeichnete Figuren, die einem, obwohl sperrig und stur, doch ziemlich bald recht sympathisch sind.  Verdächtige gibt es unter ihnen genug, etliche der Dorfbewohner scheinen ein Motiv für die Morde zu haben, so dass sich die Ermittlungen als schwierig und zeitraubend erweisen. Aber Zeit haben alle Beteiligten offenbar genug, man lässt es gemächlich angehen, und auch Pierre hat neben seinem Kriminalfall genug Muße, die lauen Sommerabende vor seiner Lieblingsbar zu genießen und den Männern beim Pétanque zuzusehen oder die Ziege Cosima im Garten seines Wunsch-Bauernhauses stundenlang bei ihren neckischen Spielen zu beobachten.

Die Krimi-Handlung spielt eben nicht die Hauptrolle,  sondern bleibt angenehmes Hintergrundrauschen, plätschert diskret neben den eigentlichen Attraktionen des Buches, den außergewöhnlichen, vielschichtigen Figuren, den pittoresken Orten und Gebäuden mit Geschichte und Charakter. Erst gegen Ende, wenn der Leser bereits die Auflösung ahnt, und zum guten Schluss, wenn man sie schon kennt, kommt noch richtig Fahrt in die Geschichte. Aber dann klingt das Buch doch aus, wie es sich gehört: romantisch und versöhnlich.

Dieses Buch kann man genießen wie einen guten Magali, den wunderbaren Rosé aus dem Gebiet Côtes de Provence, eine leckere soupe au pistou, die typische Gemüsesuppe der Provence oder eine tarte aux truffes, den cremigen Schokoladenkuchen. Diese und andere Genüsse werden ausführlich beschrieben, und so beschert die Lektüre ein paar schöne Stunden, entspannte Augenblicke wie ein geselliger Spätsommerabend auf der Terrasse eines gemütlichen Restaurants, wundervolle Unterhaltung mit wohltuend lockerer und humorvoller Untermalung.

Ich bin gespannt auf   den weiteren Weg von Pierre Durand und bin mir nicht mehr sicher, ob ich von den Fortsetzungen der „Verwicklungen“ wirklich mehr Krimi erwarten soll, den ich zu Beginn des Romans vermisst habe. Aber zum Ende stelle ich fest, dass ich vier von fünf Sternen vergeben kann und die erwarteten Folgebände sozusagen abonniere.

 

Rezension von Kurt.

 

Provenzalische Verwicklungen von Sophie BonnetProvenzalische Verwicklungen | Erschienen am 17. März 2014 bei Blanvalet
320 Seiten | 14,99 Euro
Leseprobe

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