Arno Strobel | Das Dorf

Panik, Todesangst, das ist es, was Bastian Thanner in der Stimme seiner Exfreundin hört, als sie ihn völlig unerwartet anruft. Über zwei Monate ist es her, dass Bastian Anna zuletzt gesehen hat, als sie Hals über Kopf und ohne Erklärung einfach verschwunden ist. Jetzt braucht sie dringend seine Hilfe, sie bangt um ihr Leben. Bastian macht sich sofort auf die Suche nach Anna und gelangt in ein Dorf an der Müritz, das ihm von Anfang an unheimlich ist. Überall deuten Spuren auf Anna, doch niemand kann oder will ihm weiterhelfen. Bis zu dem Abend, als Bastian Zeuge einer schrecklichen Zusammenkunft wird. Und auf den Mann trifft, der genau weiß, was mit Anna geschehen ist …

Bastian Thanner, Journalist, wird von einem Anruf aus dem Schlaf gerissen, der sein ganzes Leben auf den Kopf stellt: der Anruf kommt von Anna, seiner Freundin, die ihn vor kurzer Zeit ohne richtige Begründung auf eine Art und Weise verlassen hatte, die ihn an einer Tat aus freien Stücken zweifeln ließ. Ihre Stimme, flüsternd und gehetzt, bittet ihn um Hilfe; aus der nur bruchstückhaft zu verstehenden Mitteilung kann er nur entnehmen, dass sie irgendwo festgehalten wird, als Ortsangabe versteht er „Frundorf“ und „Müritz“, dann bricht das Gespräch ab.

Er versuchte, über die Liste der letzten Anrufe die Telefonnummer herauszubekommen, diese war jedoch unterdrückt worden. Kurz danach klingelt erneut das Telefon, sekundenlang war nur ein Rauschen zu hören, dann eine andere Stimme mit den Worten: „Vergessen Sie sie“. Bastian ruft die Polizei an, diese reagiert auf seine Erzählung allerdings skeptisch. Die Beamtin fragt nach seinem Eindruck bezüglich der Glaubwürdigkeit des Anrufs, insbesondere, weil er angibt, mit Anna nur vier Wochen zusammen gewesen zu sein und das er seit zwei Monaten nichts mehr von ihr gehört hatte. Auf die Frage nach dem Wohnort der Eltern von Anna kann er nur Berlin angeben, eine genauere Anschrift kennt er nicht. Fraglich erscheint der Beamtin auch, dass Anna anstelle der Polizei ihn angerufen hat. Sie erklärt sich jedoch bereit, die Kollegen in der Dienststelle in Frundorf zu informieren, will sich weitere Schritte allerdings für die Zeit nach Ablauf der nächsten 12 Stunden vorbehalten.

Diese Zeit erscheint Bastian jedoch als zu lang, er will selbst etwas unternehmen, ruft aber zunächst seinen Freund Safi Hammoud an. Dieser erklärt sich bereit, sich ihm anzuschließen und so starten die beiden Richtung Frundow (mittlerweile hat Bastian den richtigen Ortsnamen im Internet ermittelt), ein Ort mit knapp 1.300 Einwohnern. Nach Ihrer Ankunft versuchen sie, in einer Kneipe eine Spur von Anna aufzunehmen, was ihnen jedoch nicht gelingt. Kurz darauf erhält er einen Anruf eines Kommissars, der ihm mitteilt, dass die Überprüfung seines Festnetzanschlusses keinen eingegangenen Anruf in der fraglichen Zeit ergeben hat. Zusätzlich erklärt ihm der Kommissar, dass die Suche nach den Eltern in Berlin unter dem von ihm genannten Familiennamen seiner Freundin ergebnislos verlaufen ist und lässt erkennen, dass er den Anruf seiner Freundin für fingiert hält.

Bastian fühlt sich nun total hilflos und weiß zunächst nicht weiter, doch dann kommt ein Mann auf ihn zu, der sich als Taxifahrer vorstellt. Wie er berichtet, ist er zu einer Adresse gerufen worden von einer Frau, die den Namen „Anna“ nannte, um von dort ein Fahrt vorzunehmen. Als er dort ankam, öffnete jedoch ein Mann, der angab, keine Frau mit diesem Namen zu kennen. Bevor er wieder in sein Taxi stieg, drehte er sich nochmals zu dem Haus um und sah an einem Fenster eine Frau. Das Gesicht war das von Anna, wie er aufgrund eines Fotos, das Bastian ihm zeigte, einwandfrei aussagen konnte. Bastian bittet den Taxifahrer, ihn zu dem Haus zu führen, wozu sich dieser auch bereit erklärt.

Die Fahrt führt über zunehmend unwirtliches Gelände, schließlich kommen sie in einer kleinen Siedlung, die einen ziemlich verlassenen und baufälligen Eindruck macht, an. Hier weist der Taxifahrer sie zu dem Haus hin, in dem er Anna gesehen haben will und verabschiedet sich dann wieder. Bastian und Safi überlegen zunächst, vielleicht doch die Polizei zu informieren, müssen aber feststellen, dass ihre Handys keinen Netzempfang haben. Sie beschließen also, ihr Glück bei dem Haus, dass einen insgesamt sehr desolaten Eindruck macht, zu versuchen. Auf ihr Klingeln öffnet jedoch niemand, durch die Fenster ist nichts zu erkennen und sie versuchen daher, sich an der Rückseite einen Überblick zu verschaffen.

Der Garten in total verwildert, nach einiger Zeit entdeckt Bastian dann ein Kellerfenster, durch das er einen Blick ins Innere werfen kann. Zu seinem Entsetzen sieht er dort ein verrostetes Stahlrohrbett mit einer nackten Matratze und Handschellen am Kopfende, neben dem Bett liegt die Handtasche von Anna, die er ihr selbst noch gekauft hatte. Sein Freund Safi ist mittlerweile auch hinzu gekommen, er schlägt vor, mit dem Auto zurück zu fahren und die Polizei zu alarmieren. Auf dem Weg begegnen ihnen ein Mann und eine Frau, die jedoch auf ihren Gruß keinerlei Reaktion zeigen und ohne ihnen einen Blick zu gönnen an ihnen vorbei gehen. Langsam wird es den beiden unheimlich und sie beeilen sich, zum Wagen zurück zu kommen, wobei Safi auf dem glatten Kopfsteinpflaster ausrutscht und sich den Fuß verstaucht. Am Wagen angekommen, müssen sie feststellen, dass alle Reifen aufgeschlitzt wurden.

Bastian will versuchen, in einem der Häuser die Möglichkeit zum telefonieren zu bekommen, wegen seines verstauchten Fußes bleibt Safi im Auto. Allerdings muss Bastian feststellen, dass die meisten Häuser entweder verlassen sind oder sich niemand auf sein Klingeln und Klopfen meldet. An zwei Häusern wird zwar die Tür geöffnet, jedoch sind die Bewohner alles andere als freundlich und behaupten, dass die Leitungen gestört sind. Er beschließt, notfalls zu Fuß zurück nach Frundow zu gehen und will seinen Freund informieren, muss jedoch feststellen, dass Safi verschwunden ist. Seine Suche nach ihm ist erfolglos, und langsam überkommt ihn Verzweiflung.

An diesem Abend trifft er doch noch auf Einwohner, allerdings wird er zunächst von einer Frau mit den Worten „Sie dürfen hier nicht bleiben“ angesprochen. Nachdem er seine Lage geschildert hat, schickt sie ihn zu einem Haus, dessen Bewohnerin Mia, eine alleinstehende Frau, ihm angeblich helfen kann. Tatsächlich nimmt Mia ihn auf, bietet ihm sogar ein Zimmer zum Übernachten an. Als Bastian sie um Hilfe wegen seiner Freundin und seines nun auch verschwundenen Freundes bittet, reagiert sie allerdings etwas merkwürdig. Sie behauptet, dass zwei Männer seinen Freund mitgenommen haben und berichtet ihm von Begebenheiten, die sich vor fünfundzwanzig Jahren im Dorf ereignet hatten; von Treffen in einer Scheune, bei denen es sich anscheinend um schwarze Messen gehandelt hatte und in deren Verlauf immer Menschen verschwunden waren. Sie erzählt auch davon, dass damals auch ein Fremder ins Dorf kam, der anscheinend versucht hatte, die Begebenheiten zu recherchieren und Notizen hinterlassen hat; er selbst war nach einiger Zeit auch verschwunden.

Die gesamte Handlung wird immer mysteriöser. Bastian trifft im Laufe seiner Suche nach der Wahrheit Einwohner in Häusern, die sich später als unbewohnt herausstellen und begegnet Leuten, von denen Mia Fotos besitzt, die jedoch schon seit über zwanzig Jahren tot sind. Bastian zweifelt mehr und mehr an seinem Verstand – und auch als Leser weiß man nicht mehr so genau, wo das Ganze enden könnte.

Fazit zu Arno Strobels Psychothriller »Das Dorf«: Die Auflösung erinnert stark an einen Horrorfilm; Leser, die auf ein Happy-End hoffen, sollten diese Hoffnung schleunigst begraben. Nervenkitzel ist angesagt. Wer so etwas mag, ist mit diesem Buch gut bedient. Alle anderen: Finger weg.

Rezension von Monika Röhrig.

Das Dorf

Das Dorf | Erschienen am 16. Dezember 2014 im Fischer Taschenbuch Verlag
368 Seiten | 9,99 Euro
Leseprobe

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