Christophe Carlier | Der Mörder mit dem grünen Apfel

Das Pariser Grandhotel Paradise ist eine Welt für sich. Craig, ein amerikanischer Literaturwissenschaftler, lernt dort an der Bar die schöne Italienerin Elena kennen – und einen protzenden Geschäftsmann aus Parma. Elena ist empört, wie sich ihr Landsmann mit seinen Liebschaften brüstet. Am nächsten Tag wird der Mann in seinem Zimmer tot aufgefunden. War es Mord? Im Hotel dreht sich nun alles um Wahrheit und Betrug, Liebe und Eifersucht. Jeder verdächtigt jeden.

Christophe Carliers erster veröffentlichter Roman »Der Mörder mit dem grünen Apfel« lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er – ebenso wie sein Protagonist Craig – Literaturprofessor ist.

Ein sehr wortgewaltiges Kriminalstück, welches Krimikenner Anspielungen verstehen lässt, ohne zu viel zu sagen. Denn überhaupt ist der Roman mit 160 Seiten sehr knapp gehalten. Aber es wird immerhin alles in sehr schön verpackten Worten gesagt. Dabei ist die Sprache nicht anmaßend, sondern erinnert an fast vergessene Wörter, präsentierte mir selten gebrauchte Wörter und ist dabei so ausdrucksstark, dass ich mich zwei Abende in einem wohlig bequemen Samtsessel in der Lobby des Grandhotels in Paris fand, wo ich das Geschehen beobachtete.

Der Handlungsrahmen ist im Klappentext wohlfein zusammengefasst, so dass ich – auch ob der Kürze des Romans – kaum etwas dazu schreiben möchte. Es sei jedoch gesagt, dass »Der Mörder mit dem grünen Apfel« kein gewöhnlicher Kriminalfall ist, der um die Tätersuche kreist. Vielmehr steht die Motivation des Mörders im absoluten Mittelpunkt. Diesen umgeben der Protagonist Craig, die feine Italienerin Elena, das ordinäre Mordopfer sowie der Portier des Grandhotels. An Letztgenanntem müssen sie alle vorbei – und er sieht dabei mehr, als sie denken.

Christophe Carlier schreibt intellektuelles, lebendiges Kopfkino mit starken Charakterstudien. Dabei bedient er sich unter anderem dem Mittel der Metakommunikation.

Während des Lesens hätte ich gewettet, auf dem Cover befände sich (tatsächlich) ein grüner Apfel, wie im Gemälde »Le fils d’homme« (“Der Sohn des Mannes”) von René Magritte, einem der wichtigsten Vertreter des Surrealismus (und Leser von Kriminal- und Horrorliteratur!). Verdeckt der Apfel im Bild das Gesicht des Mannes, wird so ein Konflikt zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen erzeugt, was sehr gut wiedergibt, wie Carlier schreibt. Chapeau für diese Wahl, Monsieur Carlier!

Der Mörder mit dem grünen Apfel

Der Mörder mit dem grünen Apfel | Erschienen bei dtv Premium im August 2014
160 Seiten | 14,90 Euro
Leseprobe

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