Heidi Gebhardt | Kein Mord ohne Tante Frieda

Tante Frieda ist empört. Auf dem nahegelegenen Golfplatz wurde eine junge Frau ermordet. Sind in dem wunderschönen Hanauer Viertel Hohe Tanne plötzlich Mord und Totschlag an der Tagesordnung? Eigentlich wollte die gewiefte alte Dame gerade ein Festmahl für ihre ausgehungerte Nichte Lena kochen, aber nun muss sie erst einmal herausfinden, was los ist. Sie setzt sich ihren Hut auf, schnappt sich ihren Dackel und trifft gleichzeitig mit der Polizei am Tatort ein. Und sofort spitzt die rüstige Dame ihre Ohren und findet einige Unstimmigkeiten, die dem Polizeiteam verborgen bleiben.

Die Hauptfigur der Handlung, Tante Frieda, wird von der Autorin als eine Art Miss Marple geschildert. Als ein Mord an einer Nachbarin auf dem naheliegenden Golfplatz bekannt wird, hält sie nichts mehr zu Hause – da muss sie doch ermitteln. Ihre Nichte Lena muss entgegen ihrer Überzeugung notgedrungen Hilfestellung leisten, da sie die Tante nicht allein in eventuelle Gefahren laufen lassen will.

Denn diese, selbst Besitzerin eines Dackels, möchte den Ehemann des Opfers, Bauunternehmer und Besitzer eines Terriers, mittels Hilfeleistung beim Hundeausführen ausspähen. Obwohl sie nicht wirklich mit dem Ehepaar bekannt war, schafft sie es tatsächlich, von ihm zwecks Abholung des Terriers den Schlüssel für sein Haus zu bekommen (für einen Geschäftsmann sehr vertrauensselig). Die nächste Abwesenheit des Hausherrn nutzt sie prompt aus, um sein Haus nach eventuellen Hinweisen für einen Gattenmord zu durchsuchen.

Im zweiten Handlungsstrang ermitteln die Kommissare Bärbel König und Peter Bruchfeld, deren Untersuchungen in eine andere Richtung gehen und die zum guten Schluss durch eine waghalsige Tat von Tante Frieda auf einen – wenn auch nicht auf den von ihr vermuteten – Täter kommen.

Das Buch ist von der Autorin Heidi Gebhardtt einmal im Ich-Erzählerstil (Handlungen mit Tante Frieda und Familie) sowie im Blick von außerhalb (Ermittlungen von Bärbel und Peter) geschrieben. Eine vollkommene Trennung ist allerdings gegen Ende etwas schwierig, was in dem schönen Text „Peter Bruchfeld hörte sich an, was ihm die Nichte von Frieda Engel, also ich… berichtete“ mündet.

Der Handlungsstrang mit den Kommissaren ist teilweise zäh, weil immer wieder über deren Gefühle – die sie versuchen, nicht aufkommen zu lassen – berichtet wird. Das macht die gesamte Handlung zwar länger, aber nicht spannender. Bei der Ich-Erzählung hat die Autorin augenscheinlich Erfahrungen aus ihrem früheren Beruf als Kundenberaterin in Werbeagenturen eingebaut. Diese haben eigentlich nichts mit der Mordermittlung zu tun, da sie in keiner Beziehung zum Tatort oder den sich dort ergebenden Ereignissen stehen. Wenn schon die Privatsphäre einer der Hauptfiguren geschildert werden soll, gäbe es schönere Möglichkeiten, die gewählte finde ich etwas trocken.

Die Handlungen von Tante Frieda sind nicht unbedingt realitätsnah geschildert, hier liegt der Hauptaugenmerk der Autorin Heidi Gebhardtaugenscheinlich auf „Humor“. Im Prinzip durchaus nicht verkehrt, aber teilweise etwas sehr konstruiert.

Fazit: Mir fehlt der richtige Spannungsaufbau, der auch bei einem mit Humor geschriebenen Krimi durchaus möglich ist. »Kein Mord ohne Tante Frieda« wirkt durch die beiden Handlungsstränge teilweise unübersichtlich und die Ermittlungsarbeit von Tante Frieda ist insgesamt als eher unwahrscheinlich anzusehen.

 

Rezensent: Monika Röhrig.

 

Kein Mord ohne Tante Frieda

Kein Mord ohne Tante Frieda | Erschienen am 5. Dezember 2014 bei List
256 Seiten | 9,99 Euro
Leseprobe

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