Escobar – Paradise Lost | Filmreview ►

Kolumbien in den 1980ern: Die kanadischen Brüder Nick und Dylan wollen ihren Traum verwirklichen: Eine Bar und Surfschule am Strand. Nick lernt schnell die hübsche Einheimische Maria kennen. Maria arbeitet für ihren Onkel Pablo, der vor Ort eine Krankenstation errichten lässt. Nick und Maria verlieben sich und eines Tages nimmt Maria ihn mit auf die Geburtstagsparty ihres Onkels auf dessen riesiger Hazienda. Ein rauschendes Fest mit einer riesigen Familie. Als Nick während der Feier Maria fragt, womit ihr Onkel denn so viel Geld verdient, raunt sie ihm fröhlich zu: „Kokain!“. Doch Nick ist so verknallt und wird so herzlich in die Familie aufgenommen, dass er alle Warnsignale ignoriert.

Die Geschichte beginnt mit einem Vorgriff auf das spannende Ende des Films. Im Juli 1991 will sich Escobar den Behörden stellen und freiwillig ins Gefängnis gehen. Am Vorabend ruft Escobar einige Vertraute zu sich, darunter auch Nick. Es gilt, das Familienvermögen (Diamanten) in Höhlen und Minen vor den Behörden in Sicherheit zu bringen. Doch zusätzlich verlangt Escobar von Nick den ortskundigen Führer nach den Verstecken zu eliminieren und stürzt diesen in extreme innere Konfikte. Bislang war er nur Teil der Famillie, wird er nun auch Teil des Kartells?

Benicio del Toro spielt den Pablo Escobar erwartungsgemäß großartig. Der Oscarpreisträger (für seine Nebenrolle des Polizisten Rodriguez in Steven Soderberghs Drogenthriller (!) Traffic – Macht des Kartells) verleiht dem Drogenboss eine unheimliche Präsenz. Selbst in den zahlreichen Szenen als Familienpatron oder in haarsträubenden 80er-Tennis-Outfits strahlt del Toros Escobar eine Aura der Macht und eine unterschwellige Bedrohlichkeit aus. Dagegen können die beiden Jungschauspieler Josh Hutcherson und Claudia Traisac als turtelndes Liebespaar Nick und Maria kaum anstinken. Und leider bleiben die beiden auch ziemlich blass, was nur teilweise an ihren extrem naiven Rollen liegt. Wenigstens Hutcherson erhält am Ende die Gelegenheit, ein wenig mehr seines Könnens zu zeigen.

Der Film wird am Ende zu einem wirklich spannenden Actionthriller. Er krankt insgesamt ein wenig daran, dass es ein Film über Pablo Escobar ist, der Plot jedoch auf Nick (und Maria) ausgerichtet ist. Die Liebeshandlung ist allerdings eher niedlich, oberflächlich gespielt und dramaturgisch auch etwas komprimiert. Auch wenn Regisseur und Autor Andrea di Stefano den fiktiven Plot rund um tatsächliche Ereignisse anlegt, liegt sein Hauptaugenmerk nicht auf den gesellschaftlichen Hintergründen wie der Korrumpierung der Strafverfolgung und der Destabilisierung des kolumbianischen Staates, sondern er verfolgt die Geschichte des naiven Nick, dem natürlich nach und nach aufgeht, in welche Familie er da geraten ist, aber den Fängen Escobars nicht mehr entkommt.

Insgesamt eine ordentliche Mischung aus Drama und Thriller, bei dem ich mich jedoch am Ende frage, ob eine realitätsnahe Verfilmung des Stoffes mit einem so herausragenden Schauspieler wie Benicio del Toro nicht packender gewesen wäre.

 

Filmreview und Foto von Gunnar Wolters.

 

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Escobar – Paradise Lost
Regisseur: Andrea di Stefano
Verleih: Alamode Film
Deutscher Kinostart: 9. Juli 2015
Filmtrailer

Weiterlesen: Beitrag von Sonja Hartl auf kino-zeit.de über Drogenthriller

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4 Gedanken zu “Escobar – Paradise Lost | Filmreview ►

  1. Der ist wirklich sehr gut! Habe ihn zweimal gesehen. Das Ende ist traurig, das hält mich vom dritten Mal ab. Und, dass wir keinen Videorecorder angeschlossen haben;-)

Gedanken dazu

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