Mariusz Czubaj | 21:37

In der Nähe des Olympia-Zentrums in Warschau werden die Leichen zweier junger Männer gefunden. Die Opfer waren Schüler eines örtlichen Priesterseminars. Vor ihrem Tod wurden sie grausam gefoltert, der Mörder hat ihnen anschließend die Zahlen 21 und 37 ins Gesicht geschrieben. Beziehen sich diese auf den Todeszeitpunkt von Johannes Paul II.? In welchem Zusammenhang stehen diese Morde zum Tod des Papstes?

Der Autor Mariusz Czubaj hat seinen Plot im Bereich eines polnischen Priesterseminars angesiedelt; die ersten Opfer sind zwei Seminaristen, deren Leichen so hergerichtet sind, dass alles auf einen Racheakt gegen Schwule hindeutet.

Die in den Hinweisen enthaltene Zahl 21:37 ist die Todesstunde von Papst Johannes Paul II; es ergibt sich im Laufe der Handlung, dass hier eine falsche Fährte gelegt wurde. Das ist allerdings das Einzige, was der Leser relativ frühzeitig vermutet, alles andere kommt doch um einige Ecken herum ziemlich überraschend.

Ein Sonderkommando wird ins Leben gerufen, das sich auf die Fährte des Killers setzen soll. Darunter ist auch Rudolf Heinz, ein erfahrener Profiler.

Kommissar Rudolf Heinz, der als Kriminalpsychologe von der für den Fall zuständigen Mordkommission hinzugerufen wird, versucht, Näheres über die Toten im Priesterseminar zu erfahren, läuft aber zunächst durch Hinweise auf das Beichtgeheimnis ins Leere. Er macht bei dieser Befragung die Bekanntschaft mit einigen Priestern, unter anderem mit Pater Majda, dem Leiter , der allerdings auch als eine Art spiritueller Popstar bekannt ist, seine CDs haben jedenfalls im katholisch geprägten Polen gute Verkaufszahlen.

Welche Rolle Pater Majda – der auch dem Luxus nicht abgeneigt zu sein scheint – spielt und der unter anderem auch Kontakte zu einem einflussreichen Geschäftsmann pflegt, bleibt zunächst im Dunkeln, ebenso die des Pater Jurek (Beichtvater im Priesterseminar) und Pater Rutger, Professor im Seminar, dessen Schüler die beiden Toten waren.

Zum Kreis der Verdächtigen gehören bald einflussreiche und angesehene Leute, ein Skandal großen Ausmaßes bahnt sich an.
»21:37« ist eine Geschichte über die Scheinheiligkeit innerhalb der polnischen katholischen Kirche, es ist der erste Krimi der Serie um den Profiler Rudolf Heinz.

Kommissar Heinz’ Arbeitsweise ist teilweise unorthodox, allerdings auch sehr erfolgreich, unter anderem Mithilfe eines Karatemeisters, bei dem er in früheren Jahren trainiert hat und der ihm bei einer ziemlich brenzligen Situation aus der Patsche hilft. Den zum guten Schluss entlarvten Täter hat man als Leser allerdings – wenn überhaupt – erst spät auf seiner Liste.

Die Schreibweise von Marius Czubaj ist geprägt durch seine Fähigkeit, den Leser in die Welt des Kommissar Heinz einzubinden und trotz Spannung auch den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen.

Das Buch enthält auch für Nicht-Polen eine Menge Hinweise auf bekannte Tatsachen aus der polnischen Vergangenheit und Gegenwart, die in die Handlung eingebaut sind und dem Leser das Gefühl geben, mittendrin zu sein.

Fazit: Den Polnische Krimipreis, auf den auf dem Einband hingewiesen wird, hat der Autor meines Erachtens wohlverdient erhalten, denn seine Art, ein Handlung auf- und die in ihr vorkommenden Personen einzubauen, lässt den Leser bis zum Schluss des Buches nicht mehr los, Spannung pur ist angesagt. Auf den nächsten Einsatz von Kommissar Heinz kann man sich schon mal freuen!

 

Rezension von Monika Röhrig.

 

O-EU_Monika

21:37 | Erschienen am 12. März 2013 im Prospero Verlag
ISBN 978-3-941688-37-7
384 Seiten | 14,95 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Rahmen des .17specials Osteuropa.

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2 Gedanken zu “Mariusz Czubaj | 21:37

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