Dorothy L. Sayers | Lord Peter Wimsey-Reihe

… und das waren die nachfolgenden Fälle des Lord Peter Wimsey, allesamt empfehlenswert:

Diskrete Zeugen (1926)

In »Diskrete Zeugen« muss Lord Peter seinen Bruder, den Herzog von Denver, vom Mordverdacht befreien. Schwierig wird das Ganze, da der Tote, gefunden auf dem Landsitz des Herzogs, der Bräutigam seiner Schwester ist. Da diese ein Geheimnis hütet (einen weiteren, von der Familie garantiert nicht akzeptierten Bräutigam, mit dem sie in der Nacht des Mordes durchbrennen wollte), behindert sie zunächst die Ermittlungen, um sich dann auch noch als Täterin zu outen. Lord Peter hat also alle Hände voll zu tun, um den wahren Täter zu überführen (auf den man als Leser erst sehr spät sozusagen mit der Nase draufgestoßen wird). Hierzu muss er noch das Abenteuer eines Fluges – man bedenke die Entstehungszeit des Romans – auf sich nehmen, um während der bereits laufenden Gerichtsverhandlung in letzter Minute die Lösung zu präsentieren. Sehr schön ist auch die Beschreibung der Personen, die zu dieser Verhandlung gegen ein Mitglied des Oberhauses berufen werden.

Keines natürlichen Todes (1927)

Lord Peter kommt durch ein zufällig mitgehörtes Gespräch einem Mord auf die Spur, der zunächst als natürlicher Tod einer alten, kranken Dame deklariert wurde. Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass dies keineswegs der Fall war, als Täter bieten sich mehrere Personen an, einer davon ein um mehrere Ecken herum Verwandter der Verstorbenen, ein farbiger Missionar aus Afrika. Bevor Lord Peter den Täter überführen kann, gibt es weitere Tote, ein ehemaliges Hausmädchen und eine gute Bekannte der Nichte der Toten.

In »Keines natürlichen Todes« taucht auch erstmals Miss Climpson auf, eine ältere Dame, die Lord Peter als Undercover-Agentin bei einigen seiner weiteren Fälle einsetzt. Diese heftet sich an die Fersen der von Lord Peter verdächtigten Person und gerät zum Schluss noch in Lebensgefahr! Lord Peter kann jedoch im letzten Moment einen weiteren Mord verhindern und den Täter überführen.

Ärger im Bellona-Club (1928)

Im Club wird einer der alten Herren, die dort ihren Tag verbringen, tot in seinem Sessel aufgefunden. Was zunächst als Tod durch Herzinfarkt erscheint, stellt sich aufgrund des Zustandes der Leiche (Totenstarre – bis auf ein locker baumelndes Bein) für den zufällig anwesenden Lord Peter als Mord dar. Verdächtig erscheinen zunächst die Neffen des Toten aufgrund einer zu erwartenden Erbschaft – aber Lord Peter ist auf einer anderen (und natürlich richtigen) Spur.

Sehr schön ist die Beschreibung des Alltags in den Clubs und seiner Besucher, vielfach älteren Militärangehörigen mit diversen Macken. Und natürlich wiederum die Kombinationsgabe von Lord Peter.

Starkes Gift (1929)

Der Roman »Starkes Gift« beginnt mit dem Prozess gegen die Kriminalschriftstellerin Harriet Vane, die verdächtigt wird, ihren Geliebten, von dem sie mittlerweile getrennt lebte, mit Arsen vergiftet zu haben.

Lord Peter nimmt in Begleitung seiner Mutter an dem Prozess teil – und verliebt sich in die Angeklagte. Für ihn steht sofort fest: er muss sie von dem Verdacht befreien – und hat das Glück, dass seine Miss Climpson als Geschworene ein Urteil verhindert. Da diese aufgrund eines vagen Zweifels sich standhaft einem gemeinsamen Spruch verweigert, bleibt Lord Peter noch die verbleibende Zeit bis zum nächsten, mit neuen Geschworenen durchzuführenden Prozess, um den wahren Täter zu finden.

Bei den Ermittlungen wird auch Miss Climpson wieder eingesetzt, unter anderem betätigt sie sich als Medium – natürlich nur mit den besten Absichten. Sehr schön beschreibt die Autorin hier die gängigen Tricks, mit denen betrügerische „Geistseher“ arbeiten. Zum guten Schluss wird der tatsächliche Täter auf raffinier Weise entlarvt, allerdings wird Lord Peters Werben um die ehemalige Angeklagte nicht erhört. Dies wiederum bietet der Autorin in weiteren Fällen die Gelegenheit, die beiden zusammen zu führen – auch schön.

Fünf falsche Fährten (1931)

Lord Peter macht Urlaub in Kirkcudbright/Schottland, ein Ort, in dem einige Kunstmaler wohnen. Einer davon, der sich bei allen anderen mehr als unbeliebt gemacht hat, wird eines Tages tot aufgefunden – und Lord Peter, der eigentlich nur fischen wollte, hat mal wieder Gelegenheit, seinem Hobby nachzugehen.

Die Schilderung, wie er sich auf die Spuren der sechs verdächtigen Maler begibt – die alle auf die eine oder andere Art zeitweise abhanden kommen (Reisen zu einer Kunstausstellung, Segeltörn etc.) ist ebenso humorvoll wie mit einer sehr effektiven Recherche des englischen Eisenbahnwesens und der -fahrpläne ausgezeichnet, der Weg zur Lösung ist ein Genuss für den Leser.

Zur fraglichen Stunde (1932)

In »Zur fraglichen Stunde« hat auch Harriet Vane wieder einen Auftritt, findet sie doch bei einer Wanderung entlang der Küste eine Leiche auf einem Felsblock. Bei ihrer Begutachtung des Toten stellt sich heraus, dass diesem der Hals mit einem noch neben der Leiche liegenden Rasiermesser durchgeschnitten wurde. In einer Vertiefung hat sich eine noch flüssige Blutlache angesammelt – für die erfahrene Kriminalschriftstellerin ein Indiz dafür, dass der Mord noch nicht allzu lange her sein kann.

Sie macht sich schleunigst nach Sicherung von einigen Beweisstücken auf den Weg in den nächstgelegenen Ort, um die Polizei zu informieren – und sieht sich kurz darauf als Verdächtige eingestuft, wenn auch noch nicht verhaftet. Die entsprechende Schlagzeile in der Presse ruft sofort Lord Peter auf den Plan. Er taucht kurz danach in dem Hotel auf, in dem Harriet Vane sich eingemietet hat. Der Tote wurde mittlerweile aufgrund Harriets Beschreibung als einer der Eintänzer in ebendiesem Hotel identifiziert – ist aber bei Eintreffen der Polizei am Tatort nicht mehr aufzufinden, da der Felsblock aufgrund der einsetzenden Flut mittlerweile vollkommen überschwemmt ist.

Lord Peters Kombinationsgabe ist mal wieder gefragt – und wunderbar geschildert in einer Handlung, in der sogar eine Geschichte über eine eventuelle Wiedereinsetzung eines Nachkommens des Zaren, die Zeiten von Ebbe und Flut und die Auswirkung von dem Gewicht von Goldmünzen eine Rolle spielen.

Die Schilderung, wie Lord Peter den Täter überführt, ist mal wieder einfach nur große Klasse.

Mord braucht Reklame (1933)

IN »Mord braucht Reklame« ist erkennbar, dass die Autorin selbst einmal in einer Werbeagentur gearbeitet hat. Lord Peter ist in einer solchen aufgrund einer Bitte des Leiters der Agentur, in der ein Mitarbeiter bei einem Sturz von einer Metalltreppe ums Leben gekommen ist, als Werbetexter und unerkannter Detektiv eingesetzt.

Wie er sich so nach und nach zum Zweck der Ermittlungen mit den Kollegen anfreundet, über einen Laufburschen auf den Tathergang aufmerksam wird und so ganz nebenbei eine Werbekampagne in Gang setzt, die ganz England in einen Kaufrausch stürzt, ist mal wieder meisterlich geschildert. Und ganz klar – die Lösung kommt mal wieder auf typische Wimsey-Art daher, einfach nur schön.

Der Glocken Schlag (1934, auch: Die neun Schneider)

Dieser Roman unterscheidet sich von den bisherigen Büchern durch seine etwas düstere Grundstimmung. Die Handlung spielt – zunächst an Silvester – in den Fen-Mooren, in dem kleinen Ort Fen-Church, wo Lord Peter aufgrund einer Autopanne strandet und im Pfarrhaus herzliche Gastfreundschaft erfährt. Für die Silvesternacht ist nach altem Brauch ein Wechselläuten der acht Kirchenglocken geplant. Als einer der Glöckner erkrankt, bittet der Pfarrer Lord Peter, für diesen einzuspringen. Nach einem Probeläuten, das Lord Peter – selbstverständlich, was könnte er nicht – erfolgreich absolviert, kann das nächtliche Wechselläuten wie geplant stattfinden – allerdings wird später in der Glockenstube eine Leiche gefunden. Die Todesart ist zunächst unklar.

Wie sich im Laufe der Handlung verschiedene Schicksale überschneiden und die Lösung sich bei einer Überschwemmung des Ortes, verursacht durch ein Hochwasser in den Kanälen des Fen-Moores, herauskristallisiert, ist meisterhaft geschildert.

Aufruhr in Oxford (1935)

Harriet Vane reist nach einer Einladung zu einer Jahresfeier ihres ehemaligen Mädchen-Colleges in Oxford. Schon bald nach ihrer Ankunft ereignen sich allerdings rätselhafte Vorgänge – Drohbriefe werden in Talarärmeln und an anderen Stellen gefunden, eine Strohpuppe, durchbohrt von einem Messer, hängt an einem Dachbalken. Da die Rektorin ein öffentliches Aufsehen vermeiden möchte, wendet sich Harriet nach einigem Zögern an Lord Peter, der nur zu gerne zur Hilfe eilt.

Im Laufe der Ereignisse, in die auch sein in Oxford studierender Neffe verwickelt ist (der auch seine Vorliebe für Harriet entdeckt), werden die Handlungen gegen das Institut an sich, den Lehrkörper und auch eine Studentin immer heftiger! Harriet entgeht nur knapp einem Mordanschlag, weil Lord Peter sie vorgewarnt hatte. Der ist sich aufgrund der Vorgehensweise des Täters schnell klar, wo das Motiv angesiedelt ist; die Lösung des Falles ist dann aber auch mit daran schuld, dass Harriet sich endlich ihre Gefühle für Lord Peter eingesteht und seinen Antrag annimmt.

Also: nicht nur Krimi, sondern auch ein – ganz besonderter -Liebesroman.

Hochzeit kommt vor dem Fall (1937)

Endlich – es wird geheiratet! Lord Peters Mutter ist begeistert, seine Schwägerin weniger (Braut nicht standesgamäß). Die Autorin hat hier herrlich bissige Briefwechsel eingebaut, allein das schon ist ein Genuss.

Die Hochzeitsreise führt dann die beiden Neuvermählten, einschließlich Butler Bunter, in den Heimatort von Harriet; hier hat Lord Peter ein kleines, altes Haus erworben, speziell für seine Braut. Bei ihrer Ankunft ist jedoch alles verschlossen. Erst nachdem die Nachbarin, die Lord Peter zunächst für einen Betrüger hält, sich mit der Nichte des bisherigen Eigentümers in Verbindung setzt, können Sie das Haus in Besitz nehmen.

Die erste Nacht ist – dank Bunter – einigermaßen erträglich, wenn auch nicht sehr komfortabel. Im Laufe der weiteren Begebenheiten – unter anderem eine sehr skurrile, in der ein verstopfter Kamin auf höchst ungewöhnliche Weise wieder gangbar gemacht wird (und in der ein Teil der Lösung versteckt ist) – findet man jedoch im Keller die Leiche des ehemaligen Hausbesitzers. Zunächst wird ein Unfall vermutet, Lord Peter merkt jedoch schnell, dass mehr dahinter steckt. Sehr zum Unbehagen seiner jungen Frau werden die Flitterwochen nun von den unvermeidlichen Ermittlungen getrübt.

Wie der Mörder letztendlich überführt wird, ist wieder mal meisterhaft und absolut unvorhersehbar.

 

Diesen Überblick schrieb Monika Röhrig für das .17special Klassiker.

 

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Platzhalter. Quelle wikipedia.org

Schade, dass mit diesem Buch die Lord Peter Wimsey-Reihe endet. Erwähnt werden sollte noch, dass einige Bücher verfilmt und als Serie gesendet wurden sowie mittlerweile als DVD zur Verfügung stehen, auch das ein absolutes Vergnügen für alle Wimsey-Fans.

Anmerkung: Die Romane gibt es derzeit nur antiquarisch, die Hörbücher sind allerdings im Buchhandel erhältlich.

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2 Gedanken zu “Dorothy L. Sayers | Lord Peter Wimsey-Reihe

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