Gunnars Top 5 des Jahres 2015

Das Jahr 2015 konnte sich durchaus sehen lassen, was die Vielzahl an guten Kriminalromanen betrifft. Und dabei habe ich beim Blick auf die Jahresbestenliste anderer Blogger oder der Kritiker eine Menge guter Bücher noch gar nicht gelesen. Ein paar werde ich bestimmt noch nachholen. Aber selbst mit der beschränkten Auswahl war die Favoritenkür gar nicht so einfach, echte Flops hatte ich nämlich nur wenige gelesen. Ich habe mich jetzt nur auf Bücher beschränkt, die in diesem Jahr neu erschienen sind. Das Genre Krimi habe ich dabei etwas weiter gefasst.

 

Gila Lustiger | Die Schuld der anderen

Gila Lustiger ist Deutsche, doch sie lebt schon lange in Frankreich und daher hat sie auch einen sehr französischen Roman geschrieben, einen faszinierenden Zwitter aus Krimi, Thriller und Gesellschaftsroman. Es geht um Geld, Macht, Intrigen, politischen Seilschaften und Vertuschung. Quasi nebenbei werden außerdem zahlreiche gesellschaftliche und politische Themen Frankreichs eingeflochten.

Der Roman handelt vom linksliberalen Journalist Marc Rappaport, der im Zusammenhang mit einem alten Mordfall und einem Arbeitsschutzskandal recherchiert. Ohne es zu ahnen, verstrickt sich Rappaport aber selbst in dieser hochbrisanten Geschichte. Macht und Ohmacht auf französisch, sehr versiert erzählt.

Die Rezension wurde nicht auf krimirezensionen.de veröffentlicht.

 

Adrian McKinty | Die verlorenen Schwestern

Ich habe es ja inzwischen mehrfach gesagt: Die für mich aktuell beste Krimireihe. DI Sean Duffy ist ein toller Protogonist mit der optimalen Mischung aus Coolness und Melancholie, gefangen in einer irren Zeit: Die 80er in Nordirland. Terroristen, Sektierer, Polizei, Geheimdienst. Dazu viel schwarzer Humor und eine Menge Verweise an die Popkultur. Zum Glück geht die Reihe über die ursprünglich geplanten drei Bände hinaus.

Mein Lieblingsband ist bislang „Die verlorenen Schwestern“. Duffy wird auf die Spur eines alten Schulfreunds gesetzt, der inzwischen eine große Nummer bei der IRA ist. Aber um ihn zu finden, muss Duffy erst mal ein „locked-room-mystery“ lösen. Und um das Ganze zu toppen, rettet er am Ende auch noch ausgerechnet den Arsch von Margaret Thatcher. Grandios.

 

Steffen Kopetzky | Risiko

Die guten alten Abenteuerromane sind zum Glück immer noch nicht ausgestorben. Steffen Kopetzky hat dem Genre in diesem Jahr neues Leben eingehaucht und wandelt auf den Spuren des großen Meisters Karl May. Kopetzky verwendet die historischen Fakten einer deutsch-türkischen Expedition im Jahre 1916 und baut drumherum einen fiktiven Ablauf bis hin zu einem alternativen Ende. Das opulente Buch beinhaltet auch eine Liebesgeschichte, einen Spionagethriller und eine Menge Lektionen in Sachen Geopolitik und Orientalistik.

In „Risiko“ begleitet der Leser den jungen Marinefunker Sebastian Stichnote. Zunächst ist er in die ersten Scharmützel des ersten Weltkriegs auf der „SMS Breslau“ involviert. Als die „Breslau“ dann in Istanbul Schutz sucht, wird er kurzerhand als Funker für die Expedition Richtung Afghanistan abkommandiert. Eine lange und beschwerliche Reise durch den vorderen Orient beginnt und Stichnote wird der entscheidende Mann des Unternehmens werden. Faszinierend.

 

Antonio Ortuño | Die Verbrannten

Das eindrucksvollste Buch zum alles überstrahlenden Thema diesen Jahres kommt aus Mexiko. Dort hat die Flüchtlingsproblematik schon seit langem Ausmaße angenommen, die in Europa erst in diesem Jahr in Ansätzen zu beobachten sind. Was es heißt, wenn Gleichgültigkeit, Rassismus, Hass, Armut, Korruption und behördliches Versagen zusammentreffen, davon erzählt Autor Ortuño wütend und ungeschönt.

Ein Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in einer kleinen südmexikanischen Stadt fordert vierzig Opfer. Das lokale Büro der Nationalkommission für Migration soll für Beschwichtigung sorgen und es soll möglichst schnell zur Tagesordnung übergegangen werden. Eine Ermittlung der Täter will niemand ernsthaft vornehmen, dafür verlaufen die Grenzen zwischen den staatlichen Behörden und lokalen Bande zu fließend. Doch diesmal läuft etwas anders: Die Beamtin Negra versucht der Überlebenden Yein zu helfen und diese betätigt sich als Racheengel. Aufwühlend.

 

Die Verbrannten

 

Yasmina Khadra | Worauf die Affen warten

Der große algerische Autor Yasmina Khadra kehrt zu seinen Wurzel zurück. In den 1990ern begann sein Ruhm mit der Algier-Trilogie um Kommissar Llob, Krimis in bester französischer noir-Tradition. Nun etabliert er Kommissarin Nora Bilal als neue Kämpferin gegen das destruktive algerische Establishment. Denn Khadras Romane sind weiterhin vor allem eines: Literarische Gesellschaftskritik an den Verhältnissen eines von religiösen und säkularen Eliten heruntergewirtschafteten Landes.

Auf einer Waldlichtung in der Nahe von Algier wird die Leiche einer jungen Frau ermordet aufgefunden. Kommissarin Nora Bilal und ihr Team verfolgen eine Spur zu Hadsch Saad Hamerlaine, einem der unantastbaren „rboba“, der mächtigen Schattenherrscher, die im Verborgenen die Fäden ziehen und ein Netzwerk basierend auf Macht, Gewalt, Unterdrückung und Angst aufgebaut haben. Dennoch geben Bilal und Inspektor Zine nicht auf und lösen eine Kettenreaktion der Gewalt aus. Bitterböse und anklagend.

 

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Knapp die Top 5 verpasst haben unter anderem Ken Bruen Kaliber, James Lee Burke „Sturm über New Orleans“, Pete Dexter Unter Brüdern und Wallace Stroby Kalter Schuss ins Herz. Des Weiteren habe ich auch tolle Klassiker und großartige Bücher aus Vorjahren gelesen. Ich hoffe auf ein tolles Krimijahr 2016!

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