Viktor Arnar Ingólfsson | Haus ohne Spuren

Reykjavík, Anfang der 70er-Jahre: Jacob Kieler junior wird tot in seiner Villa gefunden. Erschossen. Auf der Suche nach Mordwaffe, Täter und Motiv erfährt die Kripo Reykjavík, dass einige Jahrzehnte zuvor der Vater des Toten, der Ingenieur Jacob Kieler senior, auf exakt die gleiche Weise umgebracht wurde. Es war der größte Wunsch des Vaters, auf Island ein Eisenbahnnetz verlegen zu lassen, doch sein vorzeitiger Tod setzte damals diesem Traum ein jähes Ende …

Ganz anders als den von mir zuvor gelesenen Roman Späte Sühne von Viktor Arnar Ingólfsson ist sein erster ins Deutsche übersetzte Roman Haus ohne Spuren ausschließlich in der Vergangenheit angelegt, wobei die jüngste die 1970-er Jahre sind, in welcher die Ermittlungen zum Tod des Sohnes von Jacob Kieler senior beginnen. Im Zuge dessen wird die gesamte Lebensgeschichte des Toten und auch seiner Anverwandten untersucht. Denn es ist ein unglaubwürdiger Zufall, dass sowohl der Vater als auch sein Sohn auf die selbe Art und Weise in der Villa der Familie ums Leben kamen.

Am Beginn des Buches finden wir einen Stammbaum der Familie Kieler, den ich auch zwei-, dreimal zu Rate ziehen musste, da sich der Name Jacob Kieler in der Familiengeschichte mehrfach wiederholt, was einen leicht aus dem Tritt bringen könnte. Diese Familiengeschichte führt in weiten Teilen zurück bis 1910, das Jahr, in dem Jacob Kieler senior sein Abitur besteht und von seinem Vater sein erstes Tagebuch geschenkt bekommt, welches er an diesem Tag beginnt und bis kurz vor seinen Tod fortsetzt. So erlebt der Leser anhand von Tagebuchausschnitten im Rückblick das Leben und die Kämpfe des Vaters, welcher unzerbrüchlich an die Erbauung eines Eisenbahnnetzes in Island glaubte und sein Leben im Grunde darauf ausrichtete, diesen seinen Traum wahr werden zu lassen.

Jacob Kieler junior hingegen verwendete seine Kräfte bis zum Schluss auf den Erhalt der Familienvilla, welche er sukzessive rückbauen ließ, wo sie Jahrzehnte zuvor umgebaut wurde. Zudem verschrieb er sich der antiken Einrichtung von der Bratpfanne bis zur kompletten Möblierung, wodurch das Betreten der Villa Besuchern das Gefühl vermittelte, man schreitet durch ein Tor in eine vergangene Zeit. Doch Jacob junior hat – ebenso wie sein Vater – zu kämpfen, denn das Vermächtnis seiner Ahnen scheint ihm zu entgleiten, da ihm die finanziellen Mittel schon länger fehlen.

Das Ermittlerteam, dass sich an diesem wunderbaren Mordrätsel die Zähne auszubeißen scheint, ist ein anderes als in dem eingangs genannten Krimi des Autors. Ob es in späteren Romanen erneut auftritt, weiß ich (noch) nicht. Die geschilderten Lebensentwürfe der beiden Kieler-Männer mögen nun vielleicht nicht spannend klingen, doch der Einblick in Islands Wirtschaft und Politik der 1970-er Jahre und früher sowie das damalige Leben auf der Insel aus Feuer und Eis haben mich sehr gut unterhalten. Viktor Arnar Ingólfsson hat mit Haus ohne Spuren einen tollen ersten Islandkrimi veröffentlicht, den ich gerne weiterempfehle. Leider ist er derzeit nur noch antiquarisch erhältlich.

 

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Haus ohne Spuren | Erschienen am 15. Mai 2007 bei Bastei Lübbe
Die gelesene Ausgabe erschien am 12. Mai 2009 eben dort
ISBN 978-3-404-26961-7
366 Seiten

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