Sebastian Fitzek | Passagier 23

„177 Suizide?“ dachte sie laut, noch immer erstaunt über diese unglaublich hohe Zahl.
Daniel nickte. „Und das sind nur die, die wir nicht verheimlichen konnten. Glaub mir, die Dunkelziffer liegt höher. Viel höher.“
„Wie hoch?“
„Auf allen Kreuzfahrtschiffen, die derzeit die Weltmeere durchkreuzen, gehen nach unseren Schätzungen jedes Jahr im Schnitt dreiundzwanzig Personen über Bord.“
Passagier 23!
(Auszug Seite 71)

Martin Schwartz hat seine Frau und seinen 10-jährigen Sohn bei einer Kreuzfahrt auf der „Sultan oft the Sea“ verloren. Seine Frau hat den gemeinsamen Sohn mit einem Chloroform getränkten Waschlappen betäubt, ihn dann über Bord geworfen und ist ihm anschließend gefolgt. Erweiterter Suizid. Aber bei den Ermittlungen gab es Ungereimtheiten, die vertuscht wurden. Einige Jahre später erhält Martin Schwartz den Anruf von Gerlinde Debkowitz. Sie hat Beweise, dass es damals kein Selbstmord war. Also kehrt der 38-jährige auf das Schiff zurück und erhält von der Anruferin den Teddy seines Sohnes.

Auf der Fahrt der „Sultan“ ist eine Mutter mit ihrem Kind spurlos verschwunden. Drei Wochen später taucht das 11-jährige Mädchen plötzlich allein wieder auf und hält den Teddy in der Hand. Martin Schwartz, der ausgebildeter Psychologe ist, soll sich dem Trauma des Mädchens annehmen und herausfinden, was geschehen ist und ob die Mutter noch lebt. Zur gleichen Zeit ist auch Julia Stillen mit ihrer Tochter Lisa im Urlaub auf hoher See. In einer Nacht findet Julia den Abschiedsbrief von Lisa, unter der Kabinentür durchgeschoben; Lisa will sich anscheinend umbringen.

Mir hat der Psychothriller gut gefallen. Er ist sehr spannend und ich konnte ihn wirklich nicht aus der Hand legen. Allerdings finde ich die Beschreibungen teilweise sehr brutal. Martin Schwartz bricht sich am Anfang des Buches für Ermittlungen selbst einen Zahn ab und einem Zimmermädchen wird der Mund mit einer Glasscherbe gestopft, an der sie wegen dem Schluckreflex fast stirbt, um nur die Stellen zu nennen, die nicht zu viel verraten.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Frage eines Passagiers an seine Frau, warum Filme und Computerspiele mit Altersbeschränkungen versehen sind, Bücher aber nicht. Und das Empfinden von 2 Minuten: „Eine lange Zeit, wenn einem die Fingernägel rausgedreht werden. Noch länger, wenn man befürchtet, sein eigen Fleisch und Blut könnte sich das Leben nehmen. Jetzt. In dieser Sekunde.“ (Seite 221)

Die Geschichte ist im Großen und Ganzen glaubwürdig, nur an einigen Stellen etwas sehr dramatisch. Als Julia Stillen den Abschiedsbrief ihrer Tochter findet, will sie um jeden Preis in die Kabine ihrer Tochter, das ist aber nur über den Balkon möglich. Dabei rutscht sie ab und fällt fast ins Meer, wird aber in letzter Minute gerettet. So oder so ähnlich sind noch weitere Passagen.

Passagier 23 von Sebastian Fitzek ist in kurze Kapitel unterteilt (was es umso schwerer macht, das Buch aus der Hand zu legen, „nur noch die zwei Seiten“). Es wechseln sich die Erlebnisse von allen handelnden Personen ab und bei einigen Kapiteln beginnt es mit dem Ort des Geschehens, Koordinaten oder dem Namen der Person, um die es gerade geht, in Fettschrift . Dabei ist aber kein System festzustellen.

Beim Lesen des Thrillers dachte ich erst, ich überlege mir den Wunsch nach einer Reise auf der AIDA lieber nochmal. Aber am Ende kommt alles ganz anders, als man erwartet und meine Reiselust auf eine Reise mit einem Kreuzfahrtschiff bleibt erhalten. Für den Roman sollte man nicht zu zart besaitet sein. Ein weiteres Werk von Sebastian Fitzek steht aber ehrlich gesagt nicht ganz oben auf meiner Wunschliste.

Sebastian Fitzek hat bis jetzt 18 Thriller veröffentlicht. Er wurde 1971 in Berlin geboren und wohnt dort mit seiner Frau, den 3 Kindern und einer Hündin.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Passagier23

Passagier 23 | Erschienen am 29. Oktober 2015 bei Droemer Knaur
ISBN 978-3-426-51017-9
432 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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