Varg Gyllander | Keine Erde gleicht der anderen

Keine Erde gleicht der anderen. Der Titel bezieht sich auf einen Satz, den ein in dieser Geschichte agierender Archäologe gesagt hat; und mit Archäologie hat auch dieser Fall zu tun.

Auf einer Insel vor Stockholm, auf der früher Wikinger lebten, werden in der Sommerzeit Grabungen durchgeführt; unter den Assistenten des leitenden Professors befindet sich auch Linda Holtz, die Tochter des Kriminaltechnikers Ulf Holtz. Ausgerechnet sie entdeckt bei ihren Grabungen Skelettteile, die nicht aus der Zeit der Wikingerstammen, sondern höchstens aus den 60er Jahren. Erkennbar ist dies durch einen weiteren Fund an der Grabungsstelle. In der Nähe der Skelettteile liegt ein Kettenanhänger aus der Zeit der Friedensaktivisten, ein Peace-Symbol. Linda ruft ihren Vater an und bittet ihn, sich die Fundstelle anzusehen. Obwohl er aufgrund eines Burnout-Syndroms krankgeschrieben ist, macht er sich auf den Weg auf die Insel.

So gerät er in einen Fall, der ihn immer wieder vor ein Rätsel stellt. Trotz des Einsatzes von allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Kriminaltechnik zur Ermittlung der Person, zu der die Knochen gehören und die als weiblich erkennbar ist, gerät er zunächst auf eine falsche Spur. Unter den vermissten jungen Frauen auf der Liste der Kriminalpolizei, die im richtigen Alter wären, glaubt er, die Tote identifiziert zu haben und muss, nachdem er bereits den Vater kontaktiert hat, erkennen, dass er sich geirrt und damit ein fürchterliches Ereignis heraufbeschworen hat.

In seinem Roman Keine Erde ist wie die andere (Thriller ist für mich die falsche Bezeichnung) verbindet der Autor mehrere Handlungsstränge aus verschiedenen Jahrzehnten, die letztendlich die Lösung ergeben, jedoch während des Lesens zunächst für Verwirrung sorgen. Zusätzlich ist eine private Katastrophe im Leben von Ulf Holtz in die Handlung eingebaut, die zwar den Erschöpfungszustand erklärt, jedoch mit der eigentlichen Handlung nicht allzu viel zu tun hat und den Leser auch am Ende des Buches nochmals verunsichert. Wird hier eine weitere Story angekündigt?

Allerdings muss man sagen, dass der Vag Gyllander in seinem Buch auch – und das nicht zu knapp – Gesellschaftskritik eingebaut hat. Er verweist auf die Schwierigkeiten, die durch die Bausünden der Vergangenheit, die es ja nicht nur in Stockholm gibt, entstanden sind und die Ausgrenzung von ganzen Bevölkerungsschichten, die sich als Pulverfass erweisen kann. Hier kann man ihm nur zustimmen und hoffen, dass die Politiker mittlerweile selbst bemerken, was durch solche Bauprojekte und die Isolierung von Menschen angerichtet worden ist und dass so nicht weiterhin geplant werden sollte.

Auch die Folgen von Vernachlässigung von Kindern zeigt er auf, allerdings nicht ohne gleichzeitig auch auf Probleme, die Eltern dazu bringen können, hinzuweisen.

Fazit: Als Roman durchaus eindrucksvoll, für einen Thriller fehlt für mich jedoch die prickelnde Spannung. Alles in allem durchaus lesenswert, da einfühlsam auf die Situation der handelnden Personen eingegangen wird.

 

Rezension von Monika Röhrig.

 

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Keine Erde gleicht der anderen | Erschienen am 8. September 2014 bei btb
ISBN 978-3-442-74745-0
352 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographisch Angaben & Leseprobe

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