Krischan Koch | Dreimal Tote Tante

»Dat is ne Riesensauerei. Ihr müsst euch Gummisachen mitbringen. Unbedingt.«

Große Aufregung in dem sonst so verschlafenen nordfriesischen Örtchen Fredenbüll: Im Jauchebecken des Schweinezüchters Schlotfeldt tauchen die Leichen zweier vermisster Frauen auf. Pensionswirtin Renate verschwindet – und findet sich angekettet in einem Kellerverlies wieder. Für Dorfpolizist Thies Detlefsen ist klar: Ein wahnsinniger Frauenmörder geht um! »Kein Wunder«, meint Piet Paulsen, »dat is wie in den Skandinavien-Krimis. Die dänische Grenze is ja nich weit weg. Da kann schon mal wat rüberschwappen… «

Die Handlung spielt im nordfriesischen Örtchen Fredenbüll. In dieser eigentlich beschaulichen Gegend tut sich Grausiges auf, in einer Jauchegrube entdeckt man eine Leiche. Da die Frau des Bauern seit einigen Jahren verschwunden ist – allerdings ist sie laut Aussage des Bauern abgehauen, wie sie durch eine Postkarte mit einer alten Hamburger Ansicht mitgeteilt hat – gerät dieser in Verdacht. Kurz danach stellt es sich aufgrund eines an dem Skelett festgestellten Beinbruchs heraus, dass dort tatsächlich die vermisste Ehefrau des Bauern gefunden wurde.

Im Laufe der Spurensuche tauchen allerdings aus der Jauchegrube, die zwecks genauerer Untersuchung der Todesumstände geleert wird (freut die Landbevölkerung sehr, da der Inhalt auf sämtliche Felder der Umgebung verteilt werden muss), weitere Skelette auf. Eines trägt ein Schmuckstück mit Anhänger, Gravur: Kevin – in Love forever. Jetzt wird es kompliziert: ein Kevin ist keinem der Dorfbewohner bekannt, wer also liegt denn nun dort in der Jauchegrube?

Zwischenzeitlich ist nun auch Renate verschwunden, Inhaberin einer Pension und unter anderem tätig in einem Friseursalon, in dem nicht nur Haare und Fingernägel modelliert werden (die weitere Tätigkeit ist sehr schön ausgedacht und beschrieben). Sie findet sich nach kurzer Bewusstlosigkeit in einem Keller mit einer Eisenbahnanlage wieder, angekettet mit einer eisernen Fußfessel. Die Eisenbahnanlage lebt ab und zu auf, eine Stimme teilt ihr per Lautsprecheranlage mit, welches Schicksal sie erwartet.

Wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, wurden alle Getöteten mit einer Krawatte in den nordfriesischen Farben erwürgt und hatten sich kurz vor der jeweiligen Tat am Bein verletzt, alle Hinterbliebenen erhielten eine Ansichtskarte mit Hamburg-Motiv. Ein Fall reicht sogar bis nach Dänemark. Somit sucht Dorfpolizist Thies Detlefsen, unterstützt von Nicole Stappenbek, Leiterin der Kieler „Mord 2“, nach einem Serienmörder.

Die handelnden Personen der Geschichte sind alle mit viel Witz charakterisiert, ob das nun der grantige Bauer samt Familie, in dessen Jauchegrube der Fall seinen Anfang nahm, oder die diversen männlichen Schlipsträger des Ortes, allesamt Liebhaber von Krawatten in den nordfriesischen Farben (= Mordwerkzeug) sind. Unter anderem spielt auch Mandy, eine aus Sachsen (mit entsprechendem Akzent) eingewanderte ehemalige Eiskunstläuferin, mittlerweile Freundin des Fredenbüller Postboten, eine Rolle. Nicht nur, dass sie das Getränk „Tote Tante“ (Rezept im Buch) in Mode gebracht hat, sie wird auch zum letzten Opfer des Serienmörders auserkoren.

Wie dieser Mörder schließlich enttarnt und zur Strecke gebracht wird, ist schon etwas Besonderes, einerseits hat man fast etwas Mitleid mit ihm, andererseits jedoch wurde es ja nun auch Zeit, ihn aus dem Verkehr zu ziehen, bei so viel „Toten Tanten“.

Krischan Koch ist mit Dreimal Tote Tante ein witziges, aber auch spannendes Buch gelungen, nicht nur im Hinblick auf die kriminellen Begebenheiten; schön sind auch die Passagen, in denen es um durchaus private Angelegenheiten der handelnden Personen geht. Wer witzige und doch spannende Krimis liebt, ist bei diesem Autor gut aufgehoben. Ich muss zugeben, dass ich seine bisherigen Bücher nicht gelesen habe, aber dieses hat meinen Appetit auf mehr davon geweckt. Sehr zu empfehlen, ob nun zur Entspannung zu Hause oder im Urlaub.

 

Rezension von Monika Röhrig.

 

dreimaltotetante

Dreimal Tote Tante | Erschienen am 18. März 2016 im Deutschen Taschenbuch Verlag dtv
ISBN 978-3-42321-633-3
288 Seiten | 9,95 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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