Derek Meister | Die Sandwitwe

„Ihr bleiches Gesicht wollte nicht weichen. Minutenlang schon starrte die Sandwitwe ihn von draußen an, glotzte zwischen den Aufklebern für Kreditkarten und Sonderzubehör auf ihn herab. Ihr Blick war die ganze Zeit merkwürdig entrückt.
Mit zitternden Armen streckte er die Pistole von sich. Noch nie in seinem Leben hatte er eine Waffe geführt. Er würde abdrücken. Bevor die Sandwitwe ihn bekam, würde er sie töten.
Er hoffte zumindest, dazu in der Lage zu sein.“ (Auszug Seite 325)

Knut Jansen, Revierleiter der Polizei Valandsiel, wird zu einem Ferienhaus gerufen, in dem sich ein Toter befindet. Der Tote ist Robert Jäger. Er liegt auf dem Bett. Sein Gesicht ist seltsam verzerrt. Und sein Mund ist randvoll mit Sand. Neben ihm hockt seine Geliebte Melanie Roth. Sie steht unter Schock. Es handelt sich eindeutig um Mord. Deshalb fordert Knut das LKA an und die Spurensicherung nimmt das Ferienhaus genauestens unter die Lupe. Außerdem verständigt er Helen Henning. Helen war Profilerin beim FBI und mit ihr hat er auch seinen ersten großen Fall vor drei Monaten aufgeklärt.

Bei den ersten Ermittlungen in dem Haus, entdeckt Helen plötzlich eine Unstimmigkeit an den Dielen. Der Täter befindet sich unter dem Haus und hört alles mit an. Knut ist bei der Stellung des Mörders leider etwas zu voreilig und dieser kann über die Dünen fliehen. Melanie Roth wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sie verhält sich seit der Tat wie ein Kleinkind und ist nicht vernehmungsfähig. Bei der Obduktion von Robert Jäger findet der zuständige Pathologe heraus, dass er mit seinem Asthma-Inhalator betäubt wurde, sodass er sich nicht mehr bewegen konnte, aber bei vollem Bewusstsein war. Danach wurde mit einem Schlauch der Sand in seine Lungen und den Rachen gefüllt. Knut fährt zu der Frau von Robert. Sie weiß zu berichten, dass vor einigen Tagen ein unbekannter Mann bei ihnen war. Er hat Robert ein Glas überreicht, das er seit dem in der Garage versteckt. In dem Glas befindet sich Blut und ein Stück Knochen. Jägers Frau hat auch ein Foto von dem Motorrad des Fremden gemacht. Das Kennzeichen führt zu Piet Mohn. Als Helen, Knut und Johann Maas vom LKA beim Haus von Mohn ankommen, finden sie ihn tot auf einem Stuhl sitzend. Er muss bereits vor Wochen getötet worden sein, denn von ihm sind fast nur noch Knochen übrig, er ist total verwest. Außerdem sind auf dem Boden duzende Stalakmiten verteilt. „Kleckerburgen“, wie sie Kinder oft am Strand aus Sand bauen. Helen mutmaßt, dass es zwei Täter sein könnten. Einer der tötet und der andere der deckt und hilft und später Reue empfindet. Vielleicht ein Täter-Ehepaar. Dann wird Anneke Goldmann vermisst. Die Architektin hatte einen Termin beim Bürgermeister und ist nicht erschienen. In ihrem Büro findet Knut die gleichen Stalakmiten, wie bei Mohn. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Dreien? Und kann Anneke gerettet werden?

Knut Jansen ist 29 Jahre alt und seit etwa einem halben Jahr Revierleiter. Vorher hatte diese Stelle sein Vater, der nun in Pension gegangen ist. Sein Vater Thor hat sich sehr dafür eingesetzt, dass sein Sohn die Nachfolge antritt. Aber mit seinem Ruhestand kommt er nicht so zurecht. Immer noch hört Thor den Polizeifunk ab und ist damit bestens über die laufenden Ermittlungen informiert. Es kommt auch schon mal vor, dass er zu einem Einsatzort kommt und seinem Sohn helfen will. Das findet Knut natürlich nicht so gut und in einer Nacht kommt es zwischen den beiden deshalb auch fast zu einer Prügelei. Durch die Einmischung seines Vaters hat Knut auch einige Selbstzweifel, was seine Arbeit betrifft.

Knut ist mit Birthe zusammen. Birthe arbeitet auch im Polizeirevier Valandsiel als eine Art Einsatzleitung. Die beiden wohnen mit dem Labrador Butch in einer Doppelhaushälfte. Die Beziehung der beiden läuft aber nicht mehr so gut, Knut überlegt sich zu trennen, traut sich aber nicht den ersten Schritt zu machen. Seit der ersten Ermittlung mit Helen Henning hat er Gefühle für sie entwickelt.

Jansen trinkt sein Bier am liebsten lauwarm. Wenn es zu kalt ist, dann wärmt er es manchmal in der Mikrowelle auf. Er trägt meistens Westernstiefel und hat in seinem Landrover einen Sherriffstern aus Plastik am Rückspiegel hängen. Dieser Stern hat nur sechs Zacken, normalerweise hat er sieben. Die Zacken stehen für Charakter, Integrität, Wissen, Ehre, Höflichkeit, Loyalität und Gerechtigkeit. Helen hat ihn mal gefragt, welcher Zacken ihm denn fehle. Er fand das eine gute Frage, wusste aber keine Antwort.

Helen Henning hat damals mit ihrem Verlobten Chris Sawyer in Seattle in einem riesigen Apartment gewohnt. Damals, als sie noch Profilerin beim FBI war. Dann kam es zu einem Einsatz, bei dem sie ihren Verlobten hinter Gittern brachte und selbst ihren rechten Unterschenkel verlor. Seitdem trägt sie eine Prothese, mit der sie aber ganz offen umgeht. Helen ist dann zurück in ihren Heimatort Valandsiel gekommen. Sie hat das Restaurant ihres Vaters geerbt und renoviert es nun. Helen vermutet, dass Chris Rache will. Deshalb wird ihr Container aus Seattle wohl auch nicht geliefert. Und warum tauchen drei Motorradfahrer bei ihr im Restaurant auf und verhalten sich ihr gegenüber so merkwürdig? Helen hat ab und zu noch ziemlich heftige Flashbacks aus der Nacht, in der sie ihr Bein verlor, die sie mitten im Alltag überraschen. Etwas überdramatisch ist das aber meiner Meinung nach mit den drei Motorradfahrern geschildert. Die kommen nicht nur in ihr Restaurant, sondern tauchen auch auf, als sie in dem Haus von Melanie Roth ist. Helen flieht dann aus dem Fenster und entkommt mit ihrem Wagen. Dann kommen die drei eines Nachts erneut ins Restaurant und wollen sie vermutlich mit zu Chris nehmen. Sie kann gerade so entkommen, weil sie einem in den Arm schießt. Die Hintergründe sind außerdem etwas kompliziert geschildert, finde ich.

Die Sandwitwe von Derek Meister hat mir gut gefallen. Es wird nicht nur aus der Perspektive der Ermittlungen von Knut und Helen geschrieben, sondern auch aus Sicht der Opfer, des Täters und zum Ende hin einige Kapitel aus der Vergangenheit. Dadurch bleibt die Geschichte sehr spannend. Und das Ende weiß zu überraschen. Die Zustände und Todesursachen der Opfer werden ziemlich genau und nicht gerade blumig umschrieben geschildert.

Derek Meister wurde 1973 in Hannover geboren. Er studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und schreibt Serien, Spielfilme fürs Fernsehen und Bücher. Neben den Nordsee-Thrillern um Jansen und Henning schreibt er auch Historische Krimis, Kinder- und Jugendbücher. Derek Meister lebt mit seiner Familie in der Nähe des Steinhuder Meers.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Die Sandwitwe

Die Sandwitwe | Erschienen am 16. Mai 2016 bei Blanvalet
ISBN 978-3-73410-061-5
384 Seiten | 9,99 Eur0
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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