Linda Castillo | Grausame Nacht

Über die alte Scheune kursieren viele Geschichten. Die neunjährige Sally Ferman kennt sie alle. Sie weiß nicht, ob sie stimmen. Sie weiß nur, dass sie keinen unheimlicheren Ort kennt als dieses verfallene Gebäude mit seinem steinernen Fundament und den dunklen Fenstern.

Ereignisse aus 1985 wirken 30 Jahre später nach: eine Pfadfindergruppe findet nach einem Tornado, der über Painters Mill/ Ohio hinweggefegt ist, unter den Trümmern einer eingefallenen Scheune Skelett-Teile, die dort die ganze Zeit über versteckt waren. Kate Burkholder versucht unter Mithilfe des Coroners, nach all den Jahren sowohl die Todesart als auch die Identität des Toten herauszufinden.

Die Todesart erschließt sich aufgrund von Zahnabdrücken an den Knochen: es handelt sich um Bissspuren von Hausschweinen, allerdings ist vorerst unklar, ob es sich um einen Unfall oder einen Mord handelt. Leider lässt sich auch nicht ohne Weiteres ermitteln, wo der Tatort angesiedelt ist. Es muss sich um eine Farm mit Schweinehaltung handeln, die jedoch nicht eindeutig zu ermitteln ist.

Aufgrund von Vermisstenanzeigen aus der fraglichen Zeit und einer chirurgischen Platte, die – gefunden bei den Knochenresten – auf einen Bruch eines Armes hinweist, kann die Identität des Toten ermittelt werden. Es handelt sich um den Sohn einer menonitischen Familie; seine Schwester erzählt Kate Burkholdler, dass sie ihn kurz vor seinem Tod mit seiner Freundin, einem Mädchen aus einer strenggläubigen amischen Familie gesehen hat. Leider kennen weder die Schwester noch die Eltern des Toten den Namen der Freundin. Anhand eines der Mutter des Toten geschenkten Quilts, der die Initialen des Mädchens aufweist, gelingt es Kate Burkholder, diese zu finden. Allerdings ist sie seit der Zeit, als es zu dem Todesfall kam, verheiratet und gibt an, mit dem Toten keine Beziehung, sondern lediglich eine lose Freundschaft geführt zu haben. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Amischen wäre eine Einwilligung ihrer Eltern zu einer Verbindung mit einem Menoniten auch nie gegeben worden.

Um die Tat aufzuklären, ist Kate Burkholder gezwungen, sich ausführlicher als ihr lieb ist mit den Angehörigen der amischen Gemeinde zu befassen, die ihr – als abtrünnige Amische – nur widerstrebend über die damalige Zeit Auskunft geben. Im Laufe der Ermittlungen gerät Kate in Lebensgefahr, nachdem sie zu einem angeblichen Unfallort gerufen wird und dort unter Beschuss gerät. Auch als sie endlich den Tatort ermittelt hat, kommt es zu einer gefährlichen Begegnung; mit knapper Not kann sie sich retten. Der Täter (bis zuletzt weder für Kate noch den Leser erkennbar) erleidet das gleiche Schicksal wie der von ihm Getötete.

Linda Costillo hat mit Grausame Nacht wieder einen sehr packenden Roman geschrieben. Die verschiedenen Handlungsstränge (auch das Privatleben von Kate Burkholder hat es in sich) verweben sich und machen es dem Leser schwer, vorab den Täter herauszufinden, was ja nicht das Schlechteste bei einem Thriller ist. Die Beschreibungen der Landschaft, der Lebensgewohnheiten der Bevölkerung und auch – spannungserhöhend – die Entwicklung und die Auswirkungen eines Tornados nehmen den Leser wieder mit in den Lebensraum von Kate Burkholder.

Fazit: Spannung von Beginn an und glaubhafte Verhaltensweisen der beteiligten Personen: möglichst weiter so.

 

Rezension von Monika Röhrig.

 

 

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Grausame Nacht | Erschienen am 28. Juli 2016 bei Fischer
ISBN 978-3-59603-263-1
400 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Rezensionen von Monika zu Linda Castillos Romanen Teuflisches Spiel, Mörderische Angst und Das Böse naht & Leise hallt der Tod

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