Simon Beckett | Der Hof

„Direkt vor der Scheune liegt der Weinberg, den ich vom Fenster des Dachbodens aus gesehen habe. Er ist von Wald gesäumt, und in weiter Ferne kann ich das Blau des Sees ausmachen, der zwischen den Bäumen hervorblitzt. Dahinter erstreckt sich das blasse Gold der umliegenden Felder, so weit das Auge reicht. Was auch immer mit diesem Hof nicht stimmt – friedlich ist es hier jedenfalls. Die Luft ist erfüllt vom Zirpen der Grillen und dem gelegentlichen Meckern von Ziegen, die ich noch nicht entdeckt habe. Aber sonst stört nichts die Stille. Keine Autos, keine Maschinen, keine Menschen.“ (Auszug Seite 77)

Ein Mann ist unterwegs auf einer Landstraße. Unbekanntes Ziel. Ab und zu wird er von einem Anhalter mitgenommen, dann geht er wieder zu Fuß. Als ihm auf der Straße neben einem Wald ein Polizeiauto entgegenkommt, flüchtet er zwischen die Bäume, um nicht gesehen zu werden und so in Schwierigkeiten zu geraten. Auf einmal spürt er in seinem Bein einen stechenden Schmerz. Er ist in eine Falle getreten. Das Eisen hat sich durch seinen Lederstiefel in seinem Fleisch festgebissen und nach einigen erfolglosen Befreiungsversuchen verliert er das Bewusstsein.

Als er wieder erwacht, liegt er auf einer Matratze auf dem Dachboden einer Scheune. Eine Frau, die auf dem Grundstück wohnt, hat ihn gefunden, ihn aus der Falle befreit und seine Wunden am Fuß versorgt. Die beiden Schwestern Mathilde und Gretchen bringen ihm jeden Tag Essen und verbinden seine Verletzung neu. Als er nach einigen Wochen wieder einigermaßen gehen kann, verkündet er, dass er weiterziehen möchte. Daraufhin bietet Mathilde ihm einen Job auf dem Hof an, auf dem sich die Scheune befindet. Das Wohnhaus ist sehr baufällig und die Fassade muss dringend erneuert werden. Da er sowieso kein Ziel hatte und nicht weiß, wo er hingehen soll, bleibt er und beginnt mit der Arbeit.

Der Hof, der in Frankreich liegt, ist viele Hektar groß. Er ist ziemlich abgelegen und umfasst einen See und Wald. Außerdem die Zucht von Sanglochons. Das ist eine Kreuzung zwischen Haus- und Wildschwein. Nach und nach erfährt er so auch etwas über das Zusammenleben der Familie. Die beiden Töchter wohnen mit ihrem Vater auf dem Hof. Der Vater betreibt eine Schweinezucht und ist alles andere als freundlich zu dem neuen Gast. Als der Fremde dann zu viele Fragen stellt und beim Schwimmen im See etwas entdeckt, das verborgen bleiben sollte, eskaliert die Situation.

Der Hof von Simon Beckett hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich flüssig und an keiner Stelle ist es langwierig oder nicht rund. Das Buch wurde in Ich-Form geschrieben, aus der Sicht von Sean. Wie die Hauptperson heißt, wird erst recht spät erzählt. Man kann es sich aber denken, denn zwischen den Kapiteln sind Ausschnitte von Sean in London aus der Vergangenheit. Dort lernt er gerade seine Freundin Chloe kennen. Zum Ende hin wird immer mehr von seinem Leben erzählt. Über alle Seiten bleibt es spannend, da Sean offensichtlich vor etwas flüchtet, der Leser aber nicht erfährt wovor. Diesen Thriller habe ich geschenkt bekommen. Er wurde weitergereicht, weil die Erstbesitzerin ihn zu grausam fand. Ich persönlich finde ihn nicht zu brutal. Der verletzte Fuß von Sean wird beschrieben und einmal die Schlachtung eines Schweines. Die Szenen sind ungeschönt geschildert, aber für mich nicht zu schlimm.

Über Sean wird sehr wenig erzählt. In London hat er Chloe kennengelernt, als sie ihn als Anhalter mitgenommen hat. Während der Fahrt unterhalten sie sich über französische Filme. Chloe ist Malerin und kellnert nebenbei. Sie wohnen gemeinsam in einer kleinen, günstigen und kalten Wohnung und überall stehen Chloes Bilder. Sean unterrichtet Französisch. Den Job hat ihm Chloe verschafft. Mit Freunden gehen die beiden oft ins Kino oder einfach in eine Bar was trinken. Als Sean in der Wohnung unter den Dielenbrettern Drogen findet, kommt es zu einem Streit, denn Chloe ist rückfällig geworden. Sie stand vor einer großen Chance mit ihren Werken, aber der Traum ist geplatzt, als der Investor Konkurs gegangen ist. Immer öfter treibt sich Chloe auch wieder mit dubiosen Ex-Freunden rum. Das gefällt Sean gar nicht. Die ganze Sache eskaliert zum Schluss.

Mathilde ist etwa 30 Jahre alt. Sie hat ein Baby, Michel. Er ist circa ein Jahr alt. Über den Vater des Kindes redet so gut wie keiner. Später, als Sean schon auf dem Hof arbeitet, findet er heraus, dass der Vater Louis heißt und vor achtzehn Monaten abgehauen ist. Auch er hat angefangen die Fassade zu reparieren, hat dann aber alles stehen und liegen gelassen. Louis hat wohl mit Arnaud, dem Vater der beiden Frauen, illegale Geschäfte durchgeführt. Er hat Arnaud versprochen, dass er mit großen weißen Statuen viel Geld verdienen kann. Arnaud ist in Vorkasse gegangen, Louis ist verschwunden und jetzt stehen die Statuen auf dem großen Grundstück und er wird sie nicht mehr los.

Die Familie hat in der nahe gelegenen Stadt auch keinen allzu guten Ruf, da alle glauben, dass Louis tot ist und Arnaud etwas damit zu tun hat. Eines nachts wird auf dem Hof ein Fenster eingeschlagen. Arnaud schießt in die Dunkelheit, um den Täter zu erwischen. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor der Tür, um den Grund der Schießerei zu ermitteln. Auch Sean wird gefragt. Vor allem, was er mit seinem Fuß gemacht hat. Er lügt, weil er mit der Polizei nichts zu tun haben will. Nach dieser Lüge ist Arnaud besser auf ihn zu sprechen. Es hätte ihm viele Schwierigkeiten gebracht, wenn die Polizei von den Fallen erfahren hätten, da diese nicht legal sind, auch wenn es das eigene Grundstück ist.

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Bevor er sich der Schriftstellerei widmete, arbeitete er unter anderem als freier Journalist und schrieb für britische Zeitschriften und Magazine. Bei den Recherchen für seine Reportagen begleitete er die Polizei bei Razzien im Drogenmilieu und in Bordellen. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield. Der Autor hat bereits neun Triller veröffentlicht, unter anderem die vierteilige Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter. (Quelle: http://www.simon-beckett.de)

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Der Hof

Der Hof | Die gelesene Taschenbuchausgabe erschien am 31. Juli 2015 bei Rowohlt
ISBN 978-3-49926-838-0
464 Seiten | 10,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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