Susanne Ptak | Mord in Leer

„Das bin ich, moin Frau…?“
„Dirksen, Hilka Dirksen. Ich bin Rezeptionistin. Könnte ich Sie vielleicht einen Moment unter vier Augen sprechen?“
Zwar hob Andreas Coordes fragend die Augenbrauen, stand jedoch sofort auf und folgte Hilka in den Flur.
Er kam gar nicht dazu, sie zu fragen, worum es ging, denn Hilka platzte sofort heraus: „Da ist ein totes Mädchen! Im Schwimmbad! Ich weiß nicht, was ich tun soll!“ Nun liefen auch Hilka Tränen über die Wangen.
„Was!?“ Andreas‘ Hals schnürte sich zu. Totes Mädchen!? Er hatte heute Morgen noch keine seiner Nichten gesehen! (Auszug Seite 29)

Josefine, ihre Enkelin Jessica und deren Freund Ralf sind in einem Hotel in Ostfriesland zu einer silbernen Hochzeit eingeladen. Am Morgen vor der Feier findet eine Hotelangestellte im Schwimmbad eine Leiche. Es handelt sich um die 15jährige Marika, eine Nichte des Hochzeitspaares. Da Josefine Pathologin im Ruhestand ist, kann sie gleich vor Ort feststellen, dass das Mädchen nicht durch einen Unfall gestorben ist, sondern erwürgt wurde. Als die örtliche Polizei eintrifft, finden die Beamten auch recht schnell heraus, dass Marika in einem Blog über ihre Mitschüler hergezogen ist und in ihrem letzten Beitrag vor einem Vergewaltiger warnt, mit Hinweis auf den Reitstall, in dem viele Mädchen ihre Nachmittage verbringen. Ist der Eintrag das Mordmotiv?

Josefine ist mit ihrem Mops „Sir Toby“ angereist. Zusammen ist sie mit Jessica aus Düsseldorf in ihrem umgebauten Leichenwagen zu dem Hotel gefahren. Jessica führt eine Fernbeziehung mit Ralf, der in Ostfriesland lebt. Er ist Polizist und Jessica fängt demnächst eine Ausbildung bei der Polizei an.

Mord in Leer von Susanne Ptak hat mich insgesamt nicht überzeugt. Der Schreibstil ist flüssig und die Geschichte plausibel. Schön finde ich persönlich die Einbindung eines Reitstalls. Das geschieht ja meist nur noch in Jugendbüchern und hätte gern noch etwas weiter ausgeführt werden können. Das Buch hat nicht viele Seiten und deshalb wirkt die Ermittlung auf mich etwas gehetzt. Die Polizisten kommen ziemlich schnell auf Zusammenhänge und haben Überlegungen, die oft schon in die richtige Richtung zeigen. Die drei Urlauber Josefine, Jessica und Ralf werden wie selbstverständlich in die Zeugenbefragungen mit einbezogen und wenn sie auf eigene Faust Tatverdächtige besuchen, obwohl sie überhaupt keine offizielle Funktion haben, freut sich die zuständige Polizei danach über deren Erkenntnisse. Diesen Teil finde ich nicht glaubwürdig. Die Ortsbeschreibungen werden leider auch sehr allgemein gehalten. Der Krimi könnte auch an anderen Orten spielen. Der Spannungsbogen ist zudem nicht gelungen. Schon zur Hälfte des Buches wird aufgelöst, wer hinter der Vergewaltigung steckt. Nur zum Ende hin nimmt die Schilderung etwas Fahrt auf.

Susanne Ptak wurde 1964 in Düsseldorf geboren. 2003 zog sie mit ihrem Ehemann ins Ostfriesland, wo sie vier Jahre lang eine kleine Schafskäserei betrieben haben. Die Autorin liebt Krimis, in denen sie ihre Leidenschaft für Schafe, Wolle, Ostfriesland und leckeres Essen mit einfließen lässt. Bisher hat sie dreizehn Ostfrieslandkrimis veröffentlicht. Vorher hat Susanne Ptak bereits 32 (!) Bastelbücher geschrieben. Die 20 Schafe aus der Käserei wohnen noch heute bei der Autorin, sind vollwertige Familienmitglieder und verdienen sich ihren Ruhestand jetzt unter anderem als „Rasenmäher“. Die Homepage der Autorin ist übrigens sehr sympathisch und ein Besuch lohnt sich.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

mord-in-leer

Mord in Leer | Erschienen am 11. Juli 2016 im Klarant Verlag
ISBN 978-3-95573-449-7
220 Seiten | 11,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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2 Gedanken zu “Susanne Ptak | Mord in Leer

  1. Vielen Dank für die Rezension, der ich genug entnehmen kann, um diesen Regionalkrimi für mich einschätzen zu können. Ich wahre dann doch lieber Abstand.

    Viele Grüße

    Nisnis

  2. Ich habe den Ostfrieslandkrimi von Susanne Ptak gelesen und dieser hat mir sehr gut gefallen. Ich mag diesen leichten Schreibstil sehr gerne und fand die Auflösung sehr spannend.

    Viele Grüße
    Bianca

Gedanken dazu

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