Charlie Stella | Johnny Porno

„Du hast echt Nerven“, fuhr Santorra fort. „Wen interessiert’s, dass du arbeiten musst? Mich nicht.“
John schwieg.
„Findet er selbst auch“, sagte Santorra. „Johnny Porno hat echt Nerven.“
„Ich heiße Albano. John Albano. Und ich hab gesagt, dass ich arbeiten muss.“
„Du heißt so, wie ich sag, Wichser.“
John spürte, wie sich jeder Muskel in seinem Gesicht anspannte.
Dann sagte Santorra: „Er musste arbeiten. Waaaahnsinn. Der will uns verarschen.“
Da hatte es John gereicht. Bei dem „Waaaahnsinn“.
„Nein, nur dich“, hatte er gesagt.
„Was?“
„Dich verarsch ich“, sagte John. (Auszug Seite 89-90)

New York, 1973: John Albano hat gerade keinen Lauf. Seinen Job beim Bau hat er verlaufen und dann hat sich auch noch in einer Mafia-Kneipe mit einem Cop (in Zivil) geprügelt. Nun fährt er für den Mafia-Boss Eddie Vento die Pornokinos ab und kassiert die Tageseinnahmen des berühmten Pornos „Deep Throat“. Das weckt natürlich bei einigen Begehrlichkeiten, aber auch sonst gerät Johnny in eine unangenehme Gemengelage.

Da sind zum einen Johnnys kratzbürstige Ex Nancy und ihr gieriger Ex-Mann Louis, der mehr als ein Auge auf die Kohle geworfen hat. Außerdem sinnt der Ex-Cop Billy Hastings, mit dem sich Johnny geprügelt hat, und der sich nun im Laufe der Geschichte als waschechter Psychopath entpuppt, auf Rache. Genau wie Nick Santorra, Johnnys Ansprechpartner bei Eddie Vento, den Johnny mehr als einmal hat auflaufen lassen. Außerdem gibt es da noch den korrupten Cop Sean Kelly, der sich von Vento schmieren lässt, und der so langsam unter Druck gerät, denn in den eigenen Reihen des NYPD wird er unter die Lupe genommen. Und auch gegen Eddie wird natürlich ermittelt, hier hat das FBI sogar mit Eddies Geliebter eine heiße Quelle an prominenter Stelle.

Wie man merkt, versammelt Stella hier ein durchaus üppiges Personal, dem er abwechselnd durch die Kapitel folgt. Er erschafft eine dichte, komplexe Story mit authentischem 70er-Jahre-Flair. Anders als der Klappentext suggeriert, beginnt nicht von Beginn an der große Run auf die Pornokohle, sondern die verschiedenen Personen haben durchaus unterschiedliche Interessen und belauern sich auch eine Zeit lang, so dass es für meinen Geschmack zwischendurch auch etwas temporeicher hätte zugehen können. Aber irgendwann beginnt dann doch das große Finale und wie man schon fast ahnen kann, treffen im Showdown mehr oder weniger alle Figuren aufeinander – und nicht jeder kommt mit heiler Haut davon.

Johnny Porno hatte ich mir im Vorhinein etwas humorvoller, unernster erwartet. Aber letztendlich bietet dieser Mafia-/ Gangsterroman interessante Figuren, eine gute Atmosphäre und einen passablen Plot. In einem Punkt hat er mir allerdings richtig stark gefallen: Die zahlreichen Dialoge sind knapp, knackig und ungemein kurzweilig.

 

Kurzrezension und Foto von Gunnar Wolters.

 

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Johnny Porno | Erschienen 11. Juli 2016 bei Suhrkamp
ISBN 978-3-51846-686-5
496 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Diese Rezension erscheint im Nachgang zu einer Leserunde mehrerer Krimiblogs. Alle Informationen und die vielen Kommentare der Leser findet ihr auf Wortgestalt.

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