Regina Hartmann | Vermisst in Graal-Müritz

„Tatsächlich schätzte er die Lage in diesem Fall aber anders ein: Wenn ein vermisstes Kind nicht noch am gleichen Tag, vor allem vor Einbruch der Nacht, gefunden wurde, sah es ernst aus. Das galt bei der Polizei an der Küste als unumstrittener Erfahrungswert; zu naheliegend war die Annahme, dass das Wasser, das auf Kinder eine große Faszination ausübt, zum Verhängnis geworden war.“ (Auszug Seite 8)

Die 10-jährige Mareike Brandt wird vermisst gemeldet. Sie ist nicht zum Mittag bei ihren Großeltern erschienen, bei denen sie die Sommerferien verbringt. Sofort wird eine Sonderkommission mit Ermittlern aus Rostock gebildet, die sich auf die Suche nach dem Mädchen machen. Zuletzt wurde sie bei der Kurklinik gesehen. Alle möglichen Zeugen werden befragt, mit Hubschrauber und Hundestaffel wird gesucht. Dann gibt es einen zweiten Vermisstenfall: der geistig behinderte Ronald Bäumer, der dauerhaft in der Kurklinik gewohnt hat, ist verschwunden. Haben beide Fälle miteinander zu tun? Und was haben die Steinpyramiden zu bedeuten, die den Ermittlern bei der Suche immer wieder begegnen?

Die SOKO „Mareike“ besteht aus Hauptkommissar Ralf Wenke, Gert Jensen, Torsten Festerling und Emma Baader. Emma ist erst kürzlich zum Team gestoßen, sie kommt direkt von der Ausbildung. Alle Ermittler wohnen in Rostock. Ralf Wenke leitet die SOKO, er ist seit einem Jahr geschieden. Die Steinpyramiden, die die Polizisten finden, bestehen aus jeweils zwölf so genannten Feuersteinen, mit Loch heißen sie umgangssprachlich Hühnergötter. Ralf Bäumer hat eine Art Autismus und drückt seine Stimmung durch Kunst aus. Er malt Bilder oder formt Tonfiguren.

Vermisst in Graal-Müritz von Regina Hartmann hat mir gut gefallen. Der Handlungsort ist nahe bei meinem Wohnort, aus diesem Grund habe ich den Ostsee-Krimi gekauft. Die Geschichte hat authentische Schauplätze, die sehr detailliert beschrieben sind. Ich konnte gut nachvollziehen, wo genau die Protagonisten sich gerade befinden. Die Ermittlungen lesen sich flüssig und plausibel. Die Geschichte ist gleichbleibend interessant zu lesen, der große Spannungsbogen bleibt allerdings aus. Am Anfang ist mir Ralf Wenke eher unsympathisch, weil er der Neuen im Team, Emma Baader, erst nur anspruchslose Aufgaben gibt und sie testen will. Dann erkennt er aber, dass sie wichtige Zusammenhänge feststellt und kurz kommt ihm auch der Gedanke, dass Emma vielleicht mehr als eine Kollegin sein könnte. Da ist mir Ralf Wenke dann sympathischer. Leider wird zu dem Alter der Beamten nichts geschrieben. Der Kriminalroman ist insgesamt nicht besonders blutig und Leichen werden nur grob beschrieben, ich zähle ihn also eher zur „leichten Kost“ hinzu.

Regina Hartmann ist in Berlin aufgewachsen, lebt aber seit vielen Jahren an der Ostseeküste, die sie auch auf schwedischer Seite kennengelernt hat. Ihre Anregungen für die regionalen Krimis hat sie vor allem von populären Autoren Schwedens wie Henning Mankell. 2014 erschien der Debütroman von Regina Hartmann, dieses Buch ist ihr zweites.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

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Vermisst in Graal-Müritz | Erschienen am 1. August 2016 im Hinstorff Verlag
ISBN 978-3-35602-059-5
352 Seiten | 12,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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