Anja Behn | Küstenbrut

„Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass unser Mordopfer in irgendwas verwickelt war“, riss Mulsow ihn aus seinen Gedanken. „Dieses Strandlokal, in dem sie ihre Galerie eröffnen wollte… ich wette, da ist was faul. In den Papieren herrscht ein heilloses Durcheinander, und die Eigentumsverhältnisse einiger Werke sind völlig unklar. Auch wenn dieser arrogante Kunstheini mir weismachen will, die Ausstellungsstück wären nichts wert.“ (Seite 27)

Im Wald in Niederwiek an der Ostsee wird eine Leiche gefunden, das Opfer wurde vergewaltigt und erstochen. Der örtliche Polizist Bert Mulsow findet in den Unterlagen der Toten eine Visitenkarte des Kunstexperten Richard Gruben aus Münster mit einer sehr persönlichen Widmung. Gruben ist ein alter Bekannter von Mulsow, vor eineinhalb Jahren war er auch in einen Mordfall an der Ostsee verstrickt. Mulsow bittet ihn, bei den Ermittlungen zu helfen, da die Tote, Dana Wolff, vor kurzen aus Berlin zurück an die Ostsee gezogen ist, um dort eine Kunstgalerie zu eröffnen.

In der Galerie befinden sich noch einige Werke, die geschätzt werden müssen und vielleicht kann er sich auch an die Tote erinnern, schließlich hatte sie seine Visitenkarte. Bei der Aufklärungsarbeit fällt auf, dass Dana in ihrem fünfmonatigen Aufenthalt nicht sehr weit mit der Renovierung des ehemaligen Strandlokals gekommen ist und die Vermutung liegt nahe, dass es bei ihrer Rückkehr um noch viel mehr ging. Dann gibt es eine zweite Leiche, auch dieses Opfer wurde vergewaltigt, aber der Tathergang passt nicht in das Muster des Täters von Dana Wolff. Nach und nach findet vor allem Richard Gruben heraus, dass der Ursprung des Mordes an Dana Wolff vor 15 Jahren entstand.

Dana Wolff ist vor rund fünf Monaten mit ihrer 16-jährigen Tochter Lena von Berlin nach Niederwieck gezogen, um sich ihren Lebenstraum mit der Kunstgalerie zu erfüllen. Lena war von der Idee nicht sehr begeistert, da sie alles hinter sich lassen musste. Schule, Freunde, ihr gesamtes bisheriges Leben. Mutter und Tochter haben sich auch deshalb viel gestritten. Nach dem Tod ihrer Mutter wohnt Lena vorerst bei der Patentante von Dana, der 77-jährigen Erika Pohl. Nach den abschließenden Ermittlungen soll sie zu ihrem Vater ziehen, von dem sie seit ihrer Geburt nichts mehr gehört hat. Das will der Teenager auf keinen Fall und will deshalb mit ihrem Freund nach der Saison abhauen.

Küstenbrut von Anja Behn hat mir sehr gut gefallen. Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden, als ich von der Autorenlesung in meiner Nähe erfahren habe. Das erste Buch Stumme Wasser von Anja Behn habe ich ebenfalls gelesen und auf dem Blog rezensiert und auch zu dem Küsten-Krimi war ich bereits bei der Autorenlesung, die mir sehr gut gefallen hat.

Die Geschichte spielt in dem fiktiven Ort Niederwieck an der Ostsee. Schauplatz des Ortes ist unter anderem ein Erdbeerhof, den es tatsächlich gibt. Lena arbeitet sogar in einer kleinen Hütte an der Seebrücke und verkauft Erdbeeren. Ich als Ortsansässige fand es etwas schwierig, das Fiktive und Reale in Einklang zu bringen, weil ich mir schon vorgestellt habe, wo was spielen könnte, es aber im Buch nicht immer zusammenpasst. Der Erdbeerhof liegt nämlich nicht in unmittelbarer Ostseenähe, in der Geschichte allerdings schon.

Der Protagonist dieses Buches ist eindeutig Richard Gruben. Dem Leser wird nur das preisgegeben, was auch Richard weiß und deshalb sind am Anfang die Personen und deren Zusammenhänge etwas schwer zusammenzubringen. Nach dem ersten Drittel der Seiten wusste ich dann Bescheid. Aus der Sicht von Lena werden auch einige Kapitel geschildert, dadurch wird es spannend. Insgesamt liest sich dieser Küsten-Krimi sehr flüssig und zu keiner Zeit wurde es mir zu lang. Die Ermittlungen finden im Hochsommer statt und so bekam ich Urlaubsvorfreude. Dieses Buch ist eine Fortsetzung zu dem ersten Buch der Autorin, aber in sich abgeschlossen und auch ohne den ersten Teil zu lesen.

Anja Behn wurde 1972 in Rostock geboren, studierte Bauingenieurwesen und arbeitet in einer Rostocker Baufirma. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Mecklenburg. Neben ihrer Leidenschaft für Küsten-Krimis widmet sie sich unter dem Pseudonym Jule Vesterlund auch dem Schreiben von gefühlvollen Liebesromanen. Bis jetzt hat die Autorin drei Bücher veröffentlicht.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Küstenbrut | Erschienen am im Emons Verlag
ISBN 978-3-95451-957-6
240 Seiten | 10,90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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