Lukas Pellmann | Mord im Zweiten

„Aber eines würde mich ja schon interessieren. Wissen Sie, ich bin Mathematiker. Und deshalb achte ich immer besonders auf Zahlen. Und ich habe mich gefragt, ob es vielleicht einen Grund hatte, dass der Mann ausgerechnet am Waggon mit der Nummer zwei aufgehängt wurde.“
Moritz hatte der Zahl auf dem Waggon bisher keine Beachtung geschenkt. Wer weiß, vielleicht hatte es tatsächlich etwas mit dem speziellen Waggon auf sich. Moritz verabschiedete sich von dem Herrn. (Auszug Seite 64)

Am Wiener Riesenrad wird der Theaterintendant Valentin Karl gefunden. Er hängt am Waggon 2 und es wurde ihm mit einem Messer ein trauriger Smiley in den Bauch gestochen. Für die Ermittlungen sind Chefinspektorin Vera Rosen und ihr neuer Kollege Moritz Ritter zuständig. Um mögliche Motive zu finden, wird das gesamte Umfeld des Toten befragt. Schnell stellt sich heraus, dass er sich mit dem Theater nicht nur Freunde gemacht hat. Kürzlich hat Valentin Karl einige Flüchtlinge im Theater untergebracht und sie sogar in sein neues Bühnenstück integriert. Das bringt bei den Mitarbeitern nicht gerade Freude. Außerdem wollte der Intendant ein Sommertheater auf der Kaiserwiese erreichten und stößt damit auf Gegenwehr der „Freien Bürger Wiens“, die sich für eine konsumfreie Kaiserwiese einsetzen. Und dann tauchen Erpresserbriefe im Theater auf. Wer wollte Valentin Karl aus dem Weg räumen?

Moritz Ritter ist 36 Jahre alt, eins achtzig groß, sportlich und wohnt in München. Aufgrund eines Austausches arbeitet er für vier Wochen im Kommissariat in Wien und ist dort Vera Rosen unterstellt. Sein Aufenthalt wird wegen den Ermittlungen um Valentin Karl verlängert. Man könnte meinen, München und Wien sind nicht so weit entfernt, aber Moritz stellt fest, dass hier doch vieles anders ist. Von den Einheimischen wird er oft mehr oder weniger liebevoll „Piefke“ genannt und was benutzen die überhaupt für komische Worte? Nicht selten schreibt Moritz sich Begriffe in seinen Notizblock, um sie später nachzuschlagen. Ein Blatt seiner Aufzeichnungen ist auch hinten im Buch abgedruckt.

Vera Rosen ist übergewichtig, alles andere als sportlich und „mit der Arbeit verheiratet“. Kürzlich hat sie sich den Arm gebrochen und ist stolz darauf, dass sie nur eine Woche krankgeschrieben war. Ihren Golden Retriever Lucca bringt sie mit zur Arbeit und der macht es sich auf einem Schaffell im Büro gemütlich. Vera und Moritz gehen oft zu Fuß zu Zeugenbefragungen und dabei darf Veras Schrittzähler nicht fehlen. Sonntags gibt es bei Vera für Moritz immer Kaiserschmarrn zum Frühstück.

Mord im Zweiten von Lukas Pellmann hat mir gut gefallen. Ich bin auf das Buch durch eine Crowdfunding-Aktion aufmerksam geworden, bei der es um den Druck des eBooks ging. Außerdem ist es ein interaktiver Wien-Krimi. Bei der Entstehung haben Leserinnen und Leser aktiv mitgewirkt. Beides hat mich angesprochen und so habe ich das Projekt unterstützt und das Buch nach Druck geschickt bekommen. Die Handlung ist spannend und plausibel. Am Anfang scheint nichts einen Sinn zu ergeben und erst nach und nach erhärten sich Verdachte. Bis kurz vor dem Ende ist nicht klar, wer der Täter ist. Besonders sympathisch finde ich Vera Rosen und beide sind ein tolles Ermittlerteam. Etwas ungewöhnlich ist, dass die Ermittler trotz des brisanten Mordfalls jedes Wochenende frei haben. Das ist heilig, da wird nicht gearbeitet. In den meisten Krimis arbeiten die Kommissare ja durch und fast bis zum Umfallen. Ob Wien besonders gut beschrieben wird, kann ich leider nicht beurteilen, ich war noch nie da. Die Schilderungen klingen aber gut und detailliert und machen Lust auf einen Urlaub dort.

Lukas Pellmann ist das Autoren-Pseudonym von Philipp Schneider. Der Autor wurde 1979 geboren (wie Moritz Ritter) und lebt seit 1990 in Wien. Nach zehn Jahren im Journalismus beschäftigt sich Philipp Schneider seit 2014 mit verschiedenen Projekten im Socialmedia-Bereich. Der Autor hat bis jetzt fünf Bücher veröffentlicht. Drei davon sind interaktive Wien-Krimis um Vera und Moritz.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Mord im Zweiten | Erschienen am 1. Dezember 2016 im Kladde Verlag
ISBN 978-3-94543-120-7
321 Seiten | 12,90 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Hintergrundinformation: Link zur Crowdfunding-Seite des Buches

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