Klaus-Peter Wolf | Ostfriesentod

Schlimmer hätte es nicht kommen können: Ann Kathrin Klaasens Twingo war geblitzt worden, aber zu einer Zeit und an einem Ort, an dem sie nicht gewesen sein konnte. Definitiv nicht gewesen war. Dann der noch größere Schock: Sie soll eine Frau erschossen haben. Mit ihrer eigenen Dienstwaffe. Die Beweise gegen Ann Kathrin sind erdrückend. Jemand hat sich ihrer Identität bemächtigt. Jemand verübt in ihrem Namen Straftaten. Jemand will sie vernichten.

Im neuesten – inzwischen elften – Fall muss Ann Kathrin Klaasen erkennen, dass es ihr kaum möglich ist, seine Unschuld an vermeintlichen Straftaten nachzuweisen, wenn der Gegner es nur raffiniert genug schafft, sie an den Pranger zu stellen.

Warum auch immer: da hat es jemand darauf abgesehen, sie nicht nur beruflich, sondern auch privat zu ruinieren. Es fängt relativ harmlos damit an, dass sie wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt wird und auf dem Foto klar das Kennzeichen ihres Pkw aber auch eine blonde Frau erkennbar bar ist, die eine große Ähnlichkeit mit ihr aufweist.

Kurze Zeit später spricht ihr Chef Martin Büscher sie an: es liegt eine Beschwerde gegen sie vor, angeblich hat sie eine ungenehmigte Hausdurchsuchung bei Katja Schubert, einer Studentin in Oldenburg, vorgenommen und dabei deren Laptop beschlagnahmt. Es soll auch zwei Zeugen aus der WG der Studenten geben, die das bestätigen, außerdem hat die Studentin Ann Kathrin auf einem Foto des letzten Betriebsausfluges eindeutig identifiziert.

Leider kann Ann Kathrin für den Zeitpunkt dieses Vorfalles kein perfektes Alibi vorweisen. Das lässt ihrem Ehemann, Hauptkommissar Weller, keine Ruhe. Er fährt zu Katja und erfährt, dass ihr ein Durchsuchungsbeschluss vorgelegt worden ist, der sich bei genauerer Betrachtung allerdings als gefälscht erweist; zumindest eine Anschuldigung, die sich damit erledigt hat. Aber zu früh gefreut, kurz darauf erfährt Ann Kathrin von ihrer Bank, dass von ihrem „Geschäftskonto“ – von dem sie keine Ahnung hat – eine Online-Überweisung in Höhe von 54.000,- Euro auf ihrem bisherigen Konto eingegangen ist. Bei Nachforschungen stellt sich heraus, dass Ann Kathrin angeblich einen schwunghaften Internet-Handel mit signierten Büchern von berühmten Schriftstellern betreibt, also eine Nebentätigkeit, für die sie keine Genehmigung besitzt. Es kommt daher zu einem Ermittlungsverfahren gegen sie, dass sie nicht so ohne Weiteres aus der Welt schaffen kann. Die Nachforschungen bezüglich desjenigen, der tatsächlich für den Handel und die Eröffnung des Geschäftskontos verantwortlich ist, erweisen sich als schwierig.

So richtig in die Bredouille gerät Ann Kathrin allerdings, als sie nach einem fingierten Auffahrunfall entführt wird, sie kommt zwar durch die Hilfe eines jungen Mannes namens Giovanni Schmidt frei, allerdings ist ihre Dienstwaffe weg – und genau mit dieser wird die ebenfalls entführte Studentin Katja erschossen. Ann Kathrin setzt ihre Hoffnung nun auf ein Alibi durch ihren Befreier, Giovanni Schmidt. Doch der erscheint auf der Polizeiwache mit der Behauptung, dass er mit Ann Kathrin eine Liebesnacht verbracht hat, allerdings nicht lange genug, um für die Zeit des Mordes an Katja Schubert ein Alibi abzugeben.

Was Klaus-Peter Wolf sich hier an Geschehnissen gegen Ann Kathrin ausgedacht hat, ist Psychoterror vom Feinsten. In weiteren Handlungssträngen geht es auch relativ drastisch ab, immer wieder ist hier von einer Frau die Rede, die sich ihre sehr jugendlichen Liebhaber hörig macht und versucht, diese durch Manipulation zu Straftaten, speziell gegen Ann Kathrin, zu bewegen. Manchmal hat man als Leser zwar den Eindruck, dass die Abhängigkeit etwas zu krass dargestellt wird und in den Bereich des Fabulierens gerät, trotz alldem bleibt die ganze Sache spannend bis zur endgültigen Auflösung, wobei der Autor den Leser zwischenzeitlich auch mal aufs Glatteis führt.

Großartig ist vor allem der Zusammenhalt der Kollegen, die sich trotz aller Ungereimtheiten voll und ganz für Ann Kathrin einsetzen, sogar Rupert, der sich sonst immer ein wenig gegängelt fühlt, legt letztendlich die Hand für sie ins Feuer.

Klaus-Peter Wolf zeigt uns Lesern mit Ostfriesentod, dass auch Personen wie Ann Kathrin Klaasen, eigentlich durchsetzungsfähig und selbstbewusst, psychologischen Spielchen zum Opfer fallen können.

Fazit: Insgesamt wieder Spannung pur, wenn auch manchmal in der Nebenhandlung etwas unwirklich erscheinend.

 

Rezension und Foto von Monika Röhrig.

 

Ostfriesentod | Erschienen am 16. Februar 2017 im Fischer Verlag
ISBN 978-3-596-03633-2
560 Seiten | 10,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Monikas Rezensionen zu weiteren Fällen von Ann Kathrin Klaasen Ostfriesenschwur und Ostfriesenwut sowie zu den Kurzkrimibänden Mord am Deich und Mord am Leuchtturm des Autors.

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