Klaus-Peter Wolf | Ostfriesenmoor

„Jaja, bis dahin passt das alles“, sagte Bloem, „aber dann, Ann Kathrin. Wenn er irgendwann diese Leiche loswerden will, warum, um alles in der Welt, fährt er zum Moor und wirft sie dort hinein? Das ist ein hohes Risiko. Er hätte zum Beispiel auf der Fahrt dorthin einen Autounfall haben und entdeckt werden können. Also, ich würde nicht gerne mit einer Leiche im Kofferraum von Wilhelmshaven bis zum Uplengener Moor fahren. Er hätte tausend Möglichkeiten gehabt, er hätte sie verbrennen können.“ (Auszug Seite 210)

Ein Journalist entdeckt bei einer Streiftour durchs Moor eine Kinderleiche. Aber bei der Leiche handelt es sich nicht einfach um einen toten Menschen, sondern um einen ausgestopften Körper, wie man es auch von Tierpräparaten kennt. Laut der Pathologin ist das Kind schon vor einigen Jahren so hergerichtet worden. Diesen Fall bearbeitet Ann Katrin Klaasen mit ihrem Team.

Während den Ermittlungen kommt es zu einer zweiten Straftat ganz in der Nähe: Ein Zwillingsbaby wird auf offener Straße aus dem Kinderwagen gestohlen. Bei der Suche nach dem Kleinkind stößt das Ermittlerteam auf ein schwieriges Familienverhältnis. In den laufenden Recherchen kommt Ann Katrin der Gedanke, dass die Taten vielleicht miteinander zusammenhängen. Als dann aber der Anruf des Entführers mit einer Geldforderung eingeht, verwirft sie ihre Vermutungen wieder, denn das passt nicht zusammen. Oder?

Ann Katrin ist mit ihrem Kollegen Frank Weller liiert. Sie wohnen seit einiger Zeit zusammen und bald sollen auch die Hochzeitsglocken läuten. Ihre Beziehung halten sie aus dem Arbeitsalltag aber strikt raus, dort verhalten sie sich professionell und wie Kollegen. Ann Katrins Mutter ist vor kurzem ins Krankenhaus gekommen, da sie plötzlich ihr Sprachvermögen verloren hat. Das macht ihr als Tochter ganz schön zu schaffen und sie plagen Schuldgefühle und die Gedanken, wie die Zukunft aussehen soll. Außerdem hat sie mit ihrem pubertierenden Sohn Eike kaum noch Kontakt, was auch an ihr nagt. Frank hat zwei fast erwachsene Töchter und liest in seiner Freizeit am liebsten Krimis. Ann Katrin hat eine Sammelleidenschaft für Kinderbücher entwickelt.

Ostfriesenmoor von Klaus-Peter Wolf hat mir gut gefallen. Der Anfang des Buches besteht aus typischer Ermittlungsarbeit, wobei ich die ausgestopfte Leiche besonders finde. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit, lesen sich unaufgeregt, aber nicht langweilig. Mit dem Vermisstenfall kommt dann etwas Fahrt in die Geschichte und richtig interessant wird es ab der Mitte, als die Entführerin für den Leser auch zu Wort kommt. Ab da weiß der Leser mehr als die Polizei, aber trotzdem noch nicht alles. Die Schlüsse der Kommissare sind für mich nachvollziehbar und ich war stets ihrer Meinung. Erst kurz vor Ende des Buches kommt durch einen Zufall ans Licht, wer der oder die Täter sind und damit habe ich nicht gerechnet.

Das Ermittlerteam ist mir sympathisch, besonders die Protagonistin. Ihr Kollege Rupert ist etwas speziell, da er findet, dass seine Arbeit nicht genügend gewertschätzt wird; er ist eifersüchtig auf seine Chefin Ann Katrin. Rupert ist auch grundsätzlich nicht ihrer Meinung und versucht sich in Dienstbesprechungen hervorzuheben. Am liebsten möchte er den Fall alleine aufklären, im Rampenlicht stehen und ein Buch darüber schreiben und sieht sich bereits im Fernsehen für Interviews. Er stört die Geschichte aber nicht, finde ich. Im Grunde trägt er viel zur Unterhaltung bei.

Besonders schön finde ich auch, dass vorne im Buch eine Karte von Ostfriesland ist, mit der sich der Leser bei den Schauplätzen zurechtfindet. Wem das noch nicht reicht, kann sich laut Anzeige im Buch eine App herunterladen, um mit dem Autor die Tatorte zu erkunden.

Klaus-Peter Wolf wurde 1954 geboren und lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norden (Ostfriesland). Er schreibt nicht nur Regionalkrimis, sondern auch Romane und Kinder- und Jugendbücher. Außerdem hat er unter anderem Beiträge für die Reihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben. Seine Ehefrau Bettina Göschel hat er in Ostfriesenmoor namentlich als bekannte Kinderliedermacherin mit einfließen lassen, was sie auch im wirklichen Leben ist. Klaus-Peter Wolf hat mehrere wichtige Preise gewonnen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Ostfriesenmoor | Erschienen am 21. Februar 2013 im Fischer Verlag
ISBN 978-3-596-19042-3
512 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Advertisements

Gedanken dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s