Rex Stout | Es klingelte an der Tür

„Über Wolfe wundere ich mich nicht. Bei seinem Ego gibt es nichts und niemanden, mit dem er sich nicht gegen Bezahlung anlagen würde. Aber ich staune über Sie. Sie wissen verdammt gut, dass man gegen das FBI nicht gewinnen kann. Nicht einmal das Weiße Haus. Und Sie wollen diese Leute piesacken. Sie legen es drauf an und werden bekommen, was Sie verdienen. Sie sind nicht mehr ganz bei Trost.“ (Auszug Seite 63)

Rachel Bruner, die Erbin eines Immobilien-Imperiums, kauft zehntausend Exemplare des Enthüllungsbuchs „Das unbekannte FBI“ und schickt sie an Entscheidungsträger im ganzen Land. Das FBI ist wenig begeistert und beschattet und hört sie seitdem ab. Das will sie sich allerdings nicht länger bieten lassen und kontaktiert den bekannten Privatdetektiv Nero Wolfe. Eigentlich ist der Fall aussichtslos, wie sollte Wolfe dem FBI Paroli bieten können?

Ein sehr hohes Honorar und eine günstige Gelegenheit lassen es Nero Wolfe dann doch versuchen. Wolfe ist nämlich zu Ohren gekommen, dass es in der Nähe einen Mord gab, bei dem FBI-Agenten am Tatort gesehen wurden. Doch das NYPD darf nicht weiterermitteln. Wolfe erkennt die Chance auf eine List.

Bei den Recherchen zu diesem Buch habe ich ein neues englisches Wort entdeckt: „armchair detective“. Ein solcher Privatermittler, der seinen Sessel nicht verlässt, um seine Fälle zu lösen, ist nämlich dieser Nero Wolfe. Das Prinzip ist nicht neu, schließlich hat auch Holmes seinen Watson mal alleine losgeschickt, aber Wolfe perfektioniert dieses Schema. Während seine rechte Hand Archie Goodwin (der wie Watson als Ich-Erzähler durch den Roman führt) die Außenkontakte übernimmt, bleibt der übergewichtige, exzentrische Wolfe lieber zu Hause und kümmert sich seine Orchideenzucht oder fachsimpelt über exklusive Gerichte mit seinem Privatkoch Fritz.

Über mehr als vierzig Jahre, in 33 Romanen und zahlreichen Kurzgeschichten, pflegte Autor Rex Stout sein Ermittlerduo Wolfe/ Goodwin. Es klingelte an der Tür erschien erstmals 1965. Stout begann übrigens erst im Alter von 46 Jahren seine schriftstellerische Karriere. Er war außerordentlich politisch aktiv und nutzte hierfür auch seine Kriminalromane.

Politisch ist auch dieser Krimi, der unverhohlen Kritik an den Praktiken des FBI übt (angeblich war Hoover persönlich mehr als erbost). Doch trotz aller moderner Thematik von Überwachung und illegaler Aktivitäten staatlicher Behörden fand ich den Roman schon etwas altbacken. Der Plot um das Schnippchen, das Wolfe dem FBI hier schlägt, ist zwar pfiiffg, mir persönlich aber dann doch etwas zu cozy. Dennoch gebührt dem Verlag ein Lob für diese Neuauflage in stilechtem Leineneinband mit interessantem Nachwort und Auszügen aus dem Rex-Stout-Archiv als Anlage.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

 

Es klingelte an der Tür | Erstmals erschienen 1965
Die aktuelle Ausgabe erschien am 11. März 2017 bei Klett-Cotta
ISBN 978-3-60898-111-7
247 Seiten | 15.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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