Mikaela Bley | Glücksmädchen

„Das kleine Mädchen war acht Jahre alt. Genau wie Elsa damals. Ellen machte die Augen auf. Blinzelte ein paarmal. Es war warm. Sie zog die Jacke aus. Die Lüftung dröhnte in ihren Ohren. Der Boden unter ihr schwankte, und sie musste sich am Waschbecken festhalten, um nicht zu fallen.“ (Auszug Seite 17)

Ellen Tamm arbeitet bei dem Fernsehsender SV4 als Reporterin. Als ein achtjähriges Mädchen verschwindet, soll sie darüber berichten. Das vermisste Kind heißt Lycke und ist nach dem Tennistraining verschollen. Die Polizei sucht mit Hochdruck nach Lycke, findet aber kaum einen Anhaltspunkt. Ellen sucht ebenfalls nach dem Mädchen, nicht nur im Rahmen ihrer Berichtserstattung. Sie steigert sich in die Suche rein, da vor vielen Jahren ihre Zwillingsschwester Elsa auch im Alter von acht Jahren spurlos verschwunden ist und nicht wiedergefunden wurde. Das möchte Ellen einfach nicht noch einmal erleben. Dann wird Ellen aufgrund ihrer Berichte bedroht. Meldet sich damit der Entführer zu Wort?

Ellen Tamm hat seit einer Woche einen neuen Chef: Jimmy. Vor einem Jahr hat sich Ellen in Jimmy verliebt, sie haben miteinander geschlafen und als sich Ellen geöffnet hat, hat er sie verlassen. Der Schmerz sitzt noch immer tief und Ellen glaubt, dass ausgerechnet sie den Fall Lycke bekommen hat, weil sie so eine Situation bereits erlebt hat und dadurch authentisch berichten kann. Außerdem ist Ellen vom Tod besessen. Sie sammelt alles, was damit zu tun hat: Bücher, Zeitungsausschnitte, Filme.

Glücksmädchen von Mikaela Bley hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich flüssig und spannend. In den Kapiteln wechseln sich vier Frauen mit ihren Gedanken und Handlungen ab: Ellen, die Mutter von Lycke Helena, die neue Frau von Lyckes Vater Chloé und Lyckes Kindermädchen Mona. Am Anfang wurde mir als Leser vermittelt, dass es eine Tragödie ist, dass dieser Familie so etwas passiert. Nach und nach bekommt das Bild der intakten Familie trotz Scheidung aber Risse. Mutter und Stiefmutter verhalten sich merkwürdig und Lycke wurde nicht von allen geliebt.

In den Kapiteln werden Handlungen beschrieben, bei denen ich mich nach dem Grund oder Sinn gefragt habe, die dann erst sehr viel später aufgelöst werden. Dadurch ist die Geschichte spannend und auch, weil ich mitgehofft habe, dass das Mädchen gefunden wird und mitgerätselt habe, wer hinter der Tat steckt. Ellen als Protagonistin ist mir sympathisch. Ihre Handlungen und Überlegungen sind nachvollziehbar und plausibel. Ellen lebt für ihre Arbeit und wenn es sein muss, beschäftigt sie sich mit Themen bis spät in die Nacht hinein. Nur den deutschen Titel finde ich nicht gelungen, da mir nicht klar wird, warum das Buch so genannt wurde. Dieser Thriller ist das Debüt der schwedischen Autorin und ich freue mich auf weitere Bücher von ihr.

Mikaela Bley wurde 1979 geboren und lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Stockholm. Um ihren ersten Krimi zu schreiben, kündigte sie ihren Job beim schwedischen Fernsehsender SV4.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Glücksmädchen | Erschienen am 10. Februar 2017 im Ullstein Verlag
ISBN 978-3-54828-844-4
320 Seiten | 12,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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