Tana French | Gefrorener Schrei

„Wir gehen gerade um ihn herum in Richtung Tor, und ich will gerade unsere Fahnder anrufen, um ihnen zu sagen, dass sie Fallon jetzt ins Dezernat bringen sollen, als ich aus den Augenwinkeln registriere, was da aus dem blauen Plastiksack herausguckt: eine tote Katze, das Fell glatt an den Schädel gekleistert, die Lippen hochgezogen, so dass spitze Zähne zu sehen sind, das Maul weit aufgerissen zu einem gefrorenen Schrei.“ (Auszug Seite 96)

Antoinette Conway und Steve Moran arbeiten als Partner im Morddezernat in Stoneybatter. Die beiden sind nicht gerade die beliebtesten Kollegen im Dezernat und auch die jüngsten, so dass sie nahezu alle Beziehungstaten bekommen. Die Ermittlungen zu diesen Fällen sind oft langweilig und nicht gerade anspruchsvoll. So auch der Fall Aislinn Murray. Sie wurde tot in ihrem Haus aufgefunden, den Schädel am Kaminsims aufgeschlagen.

In ihrem Handy sind Nachrichten, sie wollte sich mit ihrem Date bei ihr zu Hause zum Abendessen treffen. Dann ist er aus welchem Grund auch immer ausgerastet und deshalb gibt es jetzt die Leiche. Fall gelöst. Aber Steve und Antoinette sind davon nicht überzeugt. Sie glauben, dass mehr hinter dieser Tat steckt und ermitteln gründlich. Zur Unterstützung wird ihnen ihr erfahrener Kollege Breslin zugeteilt, das macht die Sache nicht einfacher. Er will weitere Ermittlungen verhindern und den ersten Tatverdächtigen so schnell wie möglich festnehmen. Was steckt dahinter? Oder bilden die beiden sich nur etwas ein und es war tatsächlich Aislinns Date?

Antoinette, 32 Jahre alt, ist sehr taff und schnell aufbrausend. Sie lässt sich von keinem etwas sagen und auch wenn sie im Dezernat gemobbt wird, kümmert sie das kaum. Sie hat sich von der Polizeischule über die Vermisstenstelle bis hin zum Morddezernat hochgearbeitet. Antoinette ist auch in ihren Gedanken und ihrem Verhalten nicht gefühlsduselig, sondern immer abgeklärt und gerade heraus. Steve, 33 Jahre, dagegen könnte sehr beliebt im Dezernat sein, wenn er sich nicht an Antoinettes Seite gestellt hätte. Gemeinsam arbeiten sie perfekt zusammen. Beide haben keine Lebenspartner und wohnen allein.

Gefrorener Schrei von Tana French hat mir sehr gut gefallen. Die gesamte Geschichte wird in Ich-Form aus Sicht von Antoinette geschildert, was ich sehr mag. Die Handlung liest sich flüssig und sehr interessant. Es wird nicht nur die Ermittlung sehr detailliert beschrieben, sondern auch viel Hintergrundwissen über die Arbeit beim Morddezernat und den Alltag der Polizisten deutlich. Das hat mir besonders gefallen. Stellenweise ist Antoinettes trockene Art sehr amüsant, da konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Kapitel sind sehr lang, was daran liegt, dass alles sehr ausführlich beschrieben wird. Ich finde keineswegs, dass es unnötige Passagen gibt, alles ist für die Atmosphäre und das Verständnis wichtig. Das Buch würde ich nicht als Pageturner bezeichnen, ehre als gleichbleibend interessant. Zum Ende hin nimmt es dann etwas Fahrt auf, aber auch nicht so, dass ich die ganze Nacht hätte durchlesen müssen. Die Schilderungen sind ziemlich unblutig, es geht mehr um die taktische Aufklärung. Antoinette und Steve erstellen viele Theorien, wie es abgelaufen sein könnte. So kommen sie auch darauf, dass es sich bei Aislinn nicht um eine gewöhnliche Beziehungstat handelt. Zuerst haben sie zwar die falsche Fährte, aber weil sie nicht nach Schema F ermitteln, kommen sie dem Täter auf sie Schliche.

Tana French wurde 1973 in den USA geboren und lebte in ihrer Kindheit in verschiedenen Ländern. Sie studierte Schauspiel in Dublin und arbeitet anschließend für Film, Fernsehen und Theater. Seit 1990 lebt Tana French in Dublin, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Autorin hat bis jetzt sechs Bücher veröffentlicht, die alle in Dublin und näherer Umgebung spielen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Gefrorener Schrei | Erschienen am 29. Dezember 2016 bei Scherz im Fischer Verlag
ISBN 978-3-65102-447-2
656 Seiten | 16,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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