Kanae Minato | Geständnisse

„Vielleicht habt ihr es in der Absicht mitgebracht, einen Klassenkameraden zu verletzen, aber wenn ihr sagt, ihr wollt euch damit nur vor Angriffen auf dem Schulweg schützen, können wir nichts dagegen tun. (…) Nur wenn euer Messer einen Zwischenfall auslöst oder benutzt wird, um jemanden zu verletzen, haben wir endlich das Recht es euch wegzunehmen – aber dann ist es zu spät, und natürlich wird man uns vorwerfen, dass wir nicht früher eingriffen haben (…).“ (Auszug Seite 35)

Yuko Moriguchi ist Lehrerin und hat kürzlich ihre kleine Tochter bei einem tragischen Unfall auf dem Schulgelände verloren. Jetzt hat sie ihre Arbeit gekündigt und an ihrem letzten Tag steht sie vor ihrer Klasse und „lässt die Bombe platzen“: Zwei Mitschüler sind am Tod ihrer Tochter Schuld. Die Beschuldigten bleiben nicht lange unerkannt und in dem Buch wird beschrieben, wie sich alle in deren Umfeld daraufhin verhalten.

Geständnisse von Kanae Minato hat mir (Andrea) persönlich gar nicht gefallen. Auf dem Buchrücken wurde er als packender Roman angepriesen, ich fand ihn nicht spannend. Ich habe das Buch auch nicht zu Ende gelesen. In den ersten zwei Kapiteln, die ich gelesen habe und die bereits fast die Hälfte des Buches sind, ging es nur darum, dass die Lehrerin das Geständnis abgelegt hat, dass danach ein neuer Lehrer kommt und die beiden beschuldigten Schüler zu Außenseitern werden. Die Erzählung fand ich leider überhaupt nicht fesselnd. Erschwerend finde ich die japanischen Namen, die sich nicht leicht lesen lassen und irgendwie auch alle gleich klingen. Auf dem Buchrücken wird außerdem eine unerwartete Wendung angepriesen, aber ich konnte mich nicht mehr durchringen, weiterzulesen. Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass ich viele sehr positive Rezensionen zu diesem Buch gefunden habe, es sich im Zweifel also doch lohnt, einen Blick ins Buch zu werfen.

Darauf hin hat Andrea gefragt, ob jemand anderes sich für das Buch interessiert und ich (Gunnar) habe mich gemeldet und das Buch auch tatsächlich beendet. Interessant ist auf jeden Fall der Aufbau des Romans mit sechs Kapiteln, in denen jeweils einer der Beteiligten seine Sichtweise des Geschehens erzählt. Dabei wird aber auch einiges an Erzähltem wiederholt, zwar aus einer anderen Perspektive, aber dennoch hat das mich in Sachen Spannung schon etwas gestört.

Die Autorin erzählt in diesem Roman eine Geschichte von Schuld, Moral und Rache und beschreibt die Dysfunktionalitäten in der japanischen Leistungsgesellschaft. Das ist teilweise interessant, allerdings muss ich gestehen, dass die Unterschiede in der sozialen Interaktion zwischen Japan und Europa bei mir dazu geführt haben, dass ich mit den Handlungen der Beteiligten teilweise nicht viel anfangen konnte. Obwohl durch die verschiedenen Perspektivwechsel intensiv auf die einzelnen Figuren eingegangen wird, blieben mir die Personen völlig unverständlich. Auch die Wendungen und die Schlusspointe empfand ich als merkwürdig und konstruiert. So komme ich letztlich auch zum Fazit, dass mir das Buch nicht so recht gefallen hat, weniger literarisch und auch von Idee und Aufbau, vielmehr habe ich wohl hier keinen rechten Zugang zu den im japanischen Kulturkreis behafteten Figuren gefunden.

Kanae Minato wurde 1973 in Japan geboren und begann ihre Karriere als Schriftstellerin mit diesem Buch, das auch verfilmt wurde. Seitdem hat sie weitere Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht.

 

Rezension von Andrea und Gunnar, Foto von Andrea.

 

Geständnisse | Erschienen am 27. März 2017 bei Bertelsmann
ISBN 978-3-570-10290-9
272 Seiten | 16,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Wertung Andrea: 0 von 5 Punkten
Wertung Gunnar: 2 von 5 Punkten

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4 Gedanken zu “Kanae Minato | Geständnisse

  1. Liest einer von euch asiatische Autoren? Mr Murakami mal ausgenommen! Oder schaut deren Filme? Dann kennt man recht gut den Stil, ansonsten versteh ich absolut die Skepsis und das Nicht-Gefallen!
    Ich kannte übrigens den Film vor dem Buch und muss sagen, dass die Umsetzungen wirklich sehr gut gelungen ist! Aber auch hier gilt wieder: Geschmackssache :P

    1. Ich habe vorher noch keine japanische Geschichte gelesen oder gesehen und werde es wohl auch nicht mehr tun. ;) Den Film zu diesem Buch kann ich mir aber schon noch vorstellen.

      VG, Andrea

    2. Ich habe zwar schon mal japanische Bücher gelesen oder Filme gesehen, die waren aber dann doch eher in der amerikanischen hardboiled-Tradition. Insofern wohl etwas ziemlich anderes als hier im Buch.

  2. @Andrea
    Wenn den Film geguckt hast, würd mich mal deine Meinung interessieren :D

    @Gunnar
    Ich würde nicht sagen, dass das hier typ. japanischer Schreibstil ist, aber gerade was das Verhalten der Figuren angeht, da sieht man deutlichen den asiatischen Charakter.

    Glaub ich muss mal meine Aktion von vor einem Jahr neu beleben, wo ich asiatische Autoren unter die Lupe genommen hab :3

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