Jürgen Flenker | Das Rattenorakel

„Ich habe das für euch noch einmal so hingelegt, wie wir es vorgefunden haben. Vielleicht könnt ihr euch einen Reim darauf machen.“
Wende und Rennert staksten zwischen dem Spielzeug hindurch auf die Schlafplätze zu und sahen sich an. Am Kopfende der Matratzen lag jeweils ein Plüschtier, aber es waren keine normalen Kuscheltiere, sondern zwei ziemlich echt wirkende Stoffratten. (Auszug Seite 26)

Polizeihauptkommissar Rigo Wende wird zu einem Fall gerufen, bei dem zwei Kinder entführt wurden. Einfach so am helllichten Tag aus der Wohnung. Statt ihner liegen im Kinderzimmer jetzt Stoffratten. Was hat es denn damit auf sich? Wende und sein Team befragen mögliche Zeugen und Verdächtige, finden aber keine Spur. Aber in den Bäuchen der Plüschtiere war eine Textpassage aus der Sage des Rattenfängers von Hameln. Dann verschwindet noch ein Kind spurlos, bis auf eine erneute Ratte und wieder ein Satz der Sage. Nach dem vierten entführten Kind ergibt sich dann endlich eine Fährte und die führt in die Schulzeit von Rigo Wende zurück.

Heimspiel

Wende wohnt als Junggeselle in Münster in einer 2-Zimmer-Wohnung. Er ist großer Fußballfan und wenn er in seiner Freizeit nicht gerade im heimischen Stadion ist, dann ist er zu Besuch bei seiner Mutter, die ihn jedes Mal fürstlich bewirtet. Rigo ist nicht gerade der sportlichste Polizist, aufgrund seines Bauchansatzes will er aber eigentlich bei der Ernährung etwas aufpassen, wären da nicht die Versuchungen des Alltags. Außerdem findet er die Psychologin Dr. Katharina Starcke, die in dem Fall mitarbeitet, recht anziehend.

Innere Werte

Das Cover und den Titel des Buches finde ich im ersten Moment nicht besonders ansprechend, muss ich gestehen. Der Text auf dem Buchrücken hat mich aber doch neugierig gemacht, schließlich zählen die inneren Werte. Das Rattenorakel von Jürgen Flenker ist grundsätzlich ein typischer Kriminalroman, bei dem es um klassische Polizei- und Ermittlungsarbeit geht. Den Fall, der die Rattenfänger-Saga aufgreift, finde ich interessant und es ist wirklich mal etwas Neues.

Am Anfang ist die Geschichte meiner Meinung nach etwas langatmig und nicht gerade fesselnd. Zum Ende hin wird es spannender, wobei der Täter durch mehrere Zufälle fast zu reibungslos festgestellt werden kann. Ein bisschen erstaunt war ich, als Polizisten sich das Zimmer der ersten beiden vermissten Kinder angesehen haben, in dem es von Spielsachen und Plüschtieren nur so wimmelt, aber ausgerechnet die Stoffratten fallen auf.

Aufgelockert werden die Beschreibungen der Ermittlungen durch kurze Auszüge des Täters, die jeweils am Ende eines Kapitels angehängt sind. Dadurch wird zusätzliche Spannung erzielt, da ich als Leser damit Zusatzinformationen hatte, diese aber noch nicht einordnen konnte. Den Protagonisten finde ich sympathisch, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen. Er grübelt nach meinem Geschmack nur etwas viel über seine Körperform.

Fazit

Dieser Münsterland-Krimi ist ein kurzes und leichtes Buch für Zwischendurch.

Jürgen Flenker wurde 1964 in Westfalen geboren. Er veröffentlichte Lyrik, Prosa und Aphorismen in Zeitschriften und Anthologien. Er veröffentlichte bereits einen Gedicht- und einen Kurzgeschichtenband und lebt als Vielleser und Quartalsliterat in Münster.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Das Rattenorakel | Erschienen am 20. Juli 2017 bei Edition Oberkassel
ISBN 978-3-95813-101-9
250 SEiten | 12.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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