Elisabeth Hermann | Schattengrund

„So lange haben wir uns nicht mehr gesehen. Als Kind warst Du oft bei mir und hast mein Haus mit Lachen und Freude erfüllt. Es trägt zwar den Namen ‚Schattengrund‘, aber wenn Du da warst, schien die Sonne in allen Räumen. Nichts wäre schöner, als dieses Haus in Deine Hände zu legen.“ (Auszug Seite 18)

Nico traut ihren Ohren nicht: sie hat das Haus ihrer Tante Kiana im Harz geerbt. Sie bekommt es aber nur, wenn sie drei Rätsel löst, die mit einem alten Besen, einem Stein und einer halben Postkarte zu tun haben. Nicos Eltern halten das für einen schlechten Scherz und schlagen das Erbe stellvertretend für die noch nicht volljährige Tochter aus. So ganz kann sich Nico damit nicht abfinden und reist deshalb heimlich in den Harz um sich das Haus „Schattengrund“ anzusehen.

In dem kleinen Ort Siebenlehen, wo das Erbe steht, wird Nico alles andere als mit offenen Armen empfangen. Nur Leon, der ebenfalls zu Besuch ist und deren Familie ein heruntergewirtschaftetes Hotel im Ort gehört, hilft Nico. Warum erfährt sie hier solche Ablehnung? Was ist vor zwölf Jahren passiert, als Nico das letzte Mal bei ihrer Tante in den Ferien zu Besuch war? Es muss ein schreckliches Geheimnis sein, das Nico jetzt wieder aufzuwühlen droht…

Nico und Leon

Nicola Wagner ist 17 Jahre alt und steht kurz vor dem Abitur. Seit sie sich erinnern kann, war sie schon immer eher eine Außenseiterin und Einzelgängerin bis sie ihre Freundin Valerie kennengelernt hat. Valerie ist übergewichtig und deshalb auch eine Art Außenseiterin, aus diesem Grund haben sich die beiden kennengelernt.

Leon Urban ist 21 Jahre alt und lebt mit seinem Vater in Wales. Beide sind gerade zu Besuch in Siebenlehen, da Leons Onkel das Hotel in Familienbesitz in die Insolvenz treibt und wieder dringend finanzielle Unterstützung benötigt.

Ein Jugendbuch

Schattengrund von Elisabeth Herrmann ist ein Thriller für Jugendliche. Ich fand den Klappentext sehr interessant und mir ist diese Tatsache erst beim Lesen aufgefallen. Das Buch ist aber keineswegs nur für Teenager geeignet, ich habe mich sehr unterhalten gefühlt. Die Geschichte wird aus Sicht von Nico erzählt, ab und zu bekommen aber auch andere Bewohner des Dorfes eine Stimme, was zusätzlich Spannung erzeugt.

Das Spiel mit dem Leser

Als Leser ist man natürlich oft erstmal auf der Seite der Protagonistin und alles klingt plausibel und sie hat Recht. Bis Leon zu Wort kommt und tatsächlich einige Zweifel streut. Außerdem gibt es immer wieder Wendungen, die sehr gut gestaltet sind. Ich habe beim Lesen mitgerätselt, wie alles zusammenhängt und wer der Täter ist. Die Vermutungen wurden immer wieder außer Kraft gesetzt, neue Hinweise gestreut und auch diese wieder außer Kraft gesetzt. Das Ende des Buches ist aber fast am schlimmsten, denn der Täter steht fest, er hat vier Buchstaben und damit wurde ich im Unklaren gelassen, denn gefühlt alle in Siebenlehen haben Namen mit vier Buchstaben. Ich muss gestehen, ich habe vorgeblättert und geschummelt, weil es zu nervenaufreibend für mich war. Danach konnte ich in Ruhe das drumherum der Auflösung lesen.

Natürlich gibt es auch eine Romanze in dem Buch, denn Nico findet Leon ziemlich toll. Es gibt Auf und Abs in der zarten, aufkeimenden Liebe, aber es wird nicht kitschig beschrieben und dieses Phänomen kommt auch in genug anderen Thrillern und Krimis vor, nur ist dieser Umstand der eigentliche Hinweis auf ein Jugendbuch.

Impressionen

In der Danksagung hat die Autorin geschrieben, dass man auf ihrer Facebookseite Elisabeth Herrmann und ihre Bücher Fotos von Schattengrund findet, zumindest welche aus dem Harz und wie die Autorin sich das Haus und das Dorf vorgestellt hat. Das finde ich sehr gut und ich habe sie mir auch gleich angesehen.

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg an der Lahn geboren. Sie arbeitete, nach einer Ausbildung als Bauzeichnerin und dem anschließenden Abitur am Abendgymnasium, als Rundfunk- und Fernsehjournalistin. 2005 erschien der erste Kriminalroman der Autorin, der ausgezeichnet und verfilmt wurde. Seitdem hat Elisabeth Herrmann weitere Krimis sowie Jugendbücher, Historische Romane, Hörspiele (Radio Tatort) und -bücher und Drehbücher geschrieben.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Schattengrund | Erschienen am 14. Juli 2014 bei cbt
ISBN 978-3-570-30917-9
512 Seiten | 9,99 Euro
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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