Steffen Jacobsen | Der Passagier

Schwarze, zerklüftete Klippen türmten sich über der jungen Frau auf. (…) Sie lag auf dem Rücken in einem zerstörten Rettungsfloß, angespült in einer steinigen Bucht, die sich zur Barentssee öffnete. (…) Sie wusste, dass der nächste Sturm jedes Anzeichen menschlicher Existenz vernichten würde. (Auszug Prolog)

Kommissar Robin Hansen wird mit der Aufklärung eines Jagdunfalls beauftragt, bei welchem der 50-jährige Jacob Nellemann mit einem Pfeil direkt durchs Herz ums Leben kam. Im Zuge seiner Ermittlungen findet Hansen rasch heraus, dass Nellemann sich nach einer Havarie im Nordpolarmeer, welche ein Jahr zurückliegt, und bei welcher die berühmte Seglerin Anne Bjerre ihr Leben verlor, sehr verändert hat. Zudem bekommt er es mit dem einflussreichen Großreeder und Ölmagnaten Axel Nobel zu tun, welcher ebenfalls vor einem Jahr an Bord war und welcher nicht mit offenen Karten spielt.

Der Passagier ist in jedem Fall ein sehr besonderer Krimi, da der Segeltörn und die Havarie an der Ostküste Bjørnøyas, mitten in der eisigen Kälte des Nordpolarmeers, eine zentrale Rolle spielen, das dortige Unglück ist der Dreh- und Angelpunkt. In Rückblenden erfahren wir mehr über die Vorgänge, und zwar aus Sicht der damals verunglückten Seglerin, wobei Jacobsen geschickt mit der Frage spielt, ob diese nicht vielleicht doch überlebte und hinter dem Anschlag auf Nellemann steckt und nun auch Nobel nach dem Leben trachtet.

Der Krimi ist ein klassischer Whodunnit, der sich wunderbar weglesen lässt. Obwohl ich keinerlei Wissen über das Segeln besitze, machten mir die fachlichen Begriffe das Lesen nicht schwer. Jacobsen flechtet sie nonchalant ein ohne sich zu brüsten. Wer sich für die Landschaft der Barentssee und die Thematik des Hochseesegelns interessiert, findet mit Der Passagier einen vorzüglichen Krimi mit herausragendem Setting. Allerdings sollte man sich nicht daran stören, dass Frauen eine eher zweitrangige Rolle spielen, lediglich als Opfer, Ehefrau oder Mutter in die Geschichte Eingang finden.

Das Ende macht im Gegensatz zur Geschichte eine schwache Figur, denn wo mächtige Alphamännchen aufeinander treffen, lassen sie für gewöhnlich auch gern ihren Einfluss spielen. In Anbetracht der Tatsache, dass die beiden Folgeromane Den gode datter (Die gute Tochter, 2010) und Når de døde vågner (2011) des als Serie angelegten Krimis bisher nicht ins Deutsche übertragen wurden, kann man leider nicht weiterverfolgen, wie das erneute Zusammentreffen von Ermittler Hansen und Großreeder Nobel verläuft.

Autor Steffen Jocabosen – Oberarzt der Orthopädie – ist passionierter Segler und hat mit Der Passagier 2010 sein Romandebüt veröffentlicht, welches in seiner Heimat Dänemark und darüber hinaus begeistert aufgenommen wurde. Es gibt eine zweite erfolgreiche Krimireihe des Autors, welche bisher vier Teile umfasst, die Lene Jensen & Michael Sander-Reihe, (2011 bis 2016).

 

 

Der Passagier | Die dt. Originalausgabe erschien am 1. Februar 2010 bei Droemer Knaur
Die gelesene Lizenzausgabe erschien 2017 bei Editionnova
ISBN 978-3-86190-764-0
380 Seiten | 1,99 Euro

aktuell erhältlich als eBook bei Droemer Knaur:
ISBN 978-3-426-55994-9
384 Seiten | 6,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseproben

Diese Rezension erscheint im Rahmen unseres Themenspezials Eisige Tatorte.

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