Brenda Novak | Ich töte dich

„Eigentlich hätte er gar nicht vorgehabt, sie umzubringen. Aber er benahm sich nicht so, als machte ihm das etwas aus, oder als bedeutete sie etwas anderes oder mehr für ihn als ihre Freundinnen. In Wahrheit wurde er immer glücklicher, je mehr Schmerz er ihr zufügte. Das Foltern hatte etwas in ihm ausgelöst, einen anderen Menschen aus ihm gemacht. Sie hätte nie gedacht, dass jemand so sein konnte.“ (Auszug Seite 8)

Evelyn Talbot hat in Hilltop, Alaska, ein Gefängnis gegründet, in dem sie Psychopathen erforscht. Diese Berufung entstand, weil sie als Jugendliche von ihrem damaligen Freund Jasper gefangen gehalten, vergewaltigt und fast umgebracht wurde. Noch immer steckt deshalb ein tiefes Trauma in ihr. Dann werden zwei Leichenteile gefunden und es scheint, als sei Jasper zurückgekehrt. Wird er sie nun endgültig töten?

Das Leben danach

Evelyn Talbot hat sich nach dem knappen Überleben auf ihr Studium der Psychologie konzentriert und einen sehr guten Abschluss in Harvard gemacht. Nachdem sie unter anderem in ihrer eigenen Praxis gearbeitet hat, ergab sich die Möglichkeit in Alaska, am Rande der Zivilisation, ein Gefängnis zu eröffnen, in dem nur die schlimmsten Psychopathen aufgenommen werden. Das Gefängnis Hanover House leitet sie gemeinsam mit Tim Fitzpatrick und Ziel der gemeinsamen Forschung ist es herauszufinden, wie Psychopathen ticken, wie man sie resozialisieren und Taten vielleicht sogar verhindern kann.

Seit Jasper hatte Evelyn keine Beziehung mehr und hat sich komplett auf ihre Arbeit konzentriert, teilweise nächtelang durchgearbeitet. Doch in Alaska begegnet sie Amarok, dem State Trooper von Hilltop, und fühlt sich zu ihm hingezogen. Evelyn ist sich aber nicht sicher, ob es klug ist, sich einer Liebe oder gar Beziehung hinzugeben, wo sie doch noch so von den Erlebnissen ihrer Jugend gezeichnet ist.

Dunkel und kalt

Ich töte dich von Brenda Novak hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist flüssig geschrieben und sehr spannend. Die Ermittlungen werden sehr erschwert, da es in Alaska zu dieser Zeit nie wirklich hell wird und es unermüdlich schneit, so dass man fast nur mit speziellen Räumfahrzeugen die Straßen passieren kann. Dass Amarok der alleinige Polizist für den Ort ist und es sich um seine erste Mordermittlung handelt, macht es nicht leichter.

Die sich anbahnende Liebesgeschichte des State Troopers und der Psychologin, bei der auch Erotik nicht fehlt, finde ich keineswegs störend. Beide bleiben dabei authentisch und es wird zu keiner Zeit kitschig. Manchmal wollte ich sogar etwas lieber wissen, wie es mit den beiden weitergeht, als zu erfahren, wie die Suche nach dem Mörder verläuft.

Mut

Ich finde die Protagonistin sehr mutig. Bei allen Handlungen bleibt sie glaubwürdig und gesteht sich auch ein, dass sie Angst hat. Sie verhält sich nicht waghalsig, aber viele Dinge hätte ich mich nicht getraut. Aber wenn man mit so einer Spezies Mensch arbeitet, braucht man wohl von Haus aus sehr viel Mut.

Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat eines verurteilten Mörders und Psychopathen. Das verdeutlicht einem nochmal, wie skrupellos allein die Denkweise dieser Menschen ist. Die Erklärungen zum Verhalten und deren Hintergründe, die in dem Buch beschrieben werden, fand ich ebenfalls sehr wissenswert.

Zum Ende hin hatte ich zweimal den Gedanken „Gott sein Dank, es wird alles gut“, bis das Ruder herumgerissen wurde und der Fall keineswegs gelöst und die Gefahr auch noch nicht zu Ende ist.

Brenda Novak wurde 1964 in Utah geboren. Mit 29 Jahren entdeckte sie das Schreiben für sich, vorher arbeitete sie als Kreditsachbearbeiterin bei einer Bank. 1999 wurde das erste Buch der Autorin veröffentlicht, ein historischer Liebesroman. Die Autorin schreibt außerdem romantische Spannungsromane und Mysteryromane. Nur einige wenige wurden auch ins Deutsche übersetzt. Brenda Novak und ihr Mann haben fünf Kinder und leben in Sacramento.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Ich töte dich | Erschienen am 4. Dezember 2017 im Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-7466-3357-2
448 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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