Volker Kutscher | Der nasse Fisch

Der Schmerz machte ihn halb wahnsinnig, er musste sich zusammenreißen. Das Geräusch der Tropfen nicht beachten, so laut es auch war. Tropfen, die auf einen harten, feuchten Boden fielen. Er wusste, dass es sein eigenes Blut war, das da auf den Beton tropfte. (Auszug Seite 11)

Volker Kutscher entführt uns in seinem Kriminalroman Der nasse Fisch in das Berlin des Jahres 1929. Sein Hauptprotagonist Gereon Rath fängt in Berlin als Kommissar bei der Sitte an. Er stammt ursprünglich aus Köln, hat dort aber im Dienst den Sohn eines bedeutenden Verlegers erschossen. Nach einer Hetzkampagne durch die Medien wurde er dank der Beziehungen seines Vaters nach Berlin „strafversetzt“. In der Hauptstadt muss der ehemalige Mordermittler sich unter anderem während der schweren Unruhen am 1. Mai erst mal profilieren. Die Maiunruhen, bei denen es durch die überforderte Polizei zu zahlreichen unbeteiligten Opfern kommt, werden später als Blutmai in die Geschichtsbücher eingehen.

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Rosa Ribas & Sabine Hofmann | Das Flüstern der Stadt

Barcelona in den frühen 1950er Jahren. Ganz Spanien leidet unter dem Joch des General Franco und seiner Einheitspartei Falange Española. Der „letzte faschistische Diktator“ wird gefürchtet, hat er doch das Land mit seiner Geheimpolizei fest im Griff. Politische Gegner werden in brutalen Säuberungsaktionen verhaftet, gefoltert und umgebracht. In diesen Zeiten des Misstrauens spielt die Wahrheitsfindung keine große Rolle, schon gar nicht auf einem Polizeirevier.

Zeitungsbericht über die Rede des Zivilgouverneurs (Seite 194):
Die Zahl der Verbrechen im Neuen Spanien ist gering. Gerade weil unsere Regierung tolerant und menschlich ist, gerade weil die Rechte aller Bürger respektiert werden, gerade weil wir keineswegs einen Polizeistaat haben, schätzen wir die Arbeit unserer unermüdlichen Polizei so hoch ein. Es sind diese ebenso patriotischen wie fähigen Männer, die Tag und Nacht über das Wohl der Bürger wachen.

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Robert Brack | Und das Meer gab seine Toten wieder

Ich bin nichts weiter als eine kleinkarierte Schottin, die in London einen Platz gefunden hat und eine bescheidene Aufgabe – eine nicht sehr bedeutende Figur im großen Gesellschaftsspiel.
„Was ist das für ein Spielbrett, auf dem es nur Figuren mit einer Farbe gibt? Es müssen mehr weiße Figuren unter die schwarzen! Gleichwertig in allen Positionen!“ Das war der Satz, ausgesprochen bei einer Kundgebung, der dich dazu gebracht hat, nach London zu gehen und Polizistin zu werden. Du hast deinen Platz eingenommen, und es war ein gutes Gefühl, sich einzureihen. Und nun stehst du nicht mehr auf dem vertrauten Feld, sondern auf einem anderen Spielbrett, einem unübersehbaren, und weißt nicht mehr ganz genau, nach welchen Regeln das Spiel funktioniert. (Auszug Seite 127)

Im Frühjahr 1932 macht sich die Polizeiinspektorin Jennifer Stevenson im Auftrag der International Policewomen’s Association auf den Weg nach Hamburg. Dort soll sie recherchieren, warum die Abteilung „Weibliche Kriminalpolizei“ der Pionierin Josephine Erkens aufgelöst wurde. Auslöser dieses Polizeiskandals war der mysteriöse Selbstmord zweier Polizistinnen im Sommer 1931. Stevenson recherchiert über die Umstände dieses Selbstmords, sehr zum Missfallen des stellvertretenden Polizeipräsidenten, Dr. Schlanbusch.

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