Martin Olczak | Die Akademiemorde

„…Die ganze Welt verfolgt dieses Drama. Die ganze Polizeitruppe arbeitet an der Sache, aber wir haben keine Täter, keine Spur, keinen verdammten Scheißdreck. Also, Rodriguez, da frage ich dich doch. Was zum Teufel sollen wir jetzt machen?“
„Wir brauchen einen Experten.“
Der Polizeichef verzog nicht eine Miene, sagte kein Wort, aber Rolf Hedlund beugte sich vor, mit einem aasigen Grinsen im Gesicht.
„im Polizeigebäude wimmelt es nur so vor Experten. You name it. Kriminaltechniker. Psychologen, die ein Täterprofil vorbereiten, Waffenspezialisten, die…“
„Aber einer fehlt“, fiel Claudia ihm ins Wort. „Wir brauchen einen Literaturexperten.“ (Auszug Seite 108)

Ein Serienmörder geht um in Stockholm. Sein erstes Opfer ist Hubert Rudqvist, ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, der Verkündiger der Literaturnobelpreise. Danach sterben weitere Mitglieder der Akademie. Kommissarin Claudia Rodriguez rätselt vor allem über das Motiv des Mörders. Nach einem internen Machtkampf wird sie ausgebootet und schließlich sogar zur Fahndung ausgeschrieben. Ihr bleibt nur eine Möglichkeit: Den Akademiemörder auf eigene Faust dingfest machen, mit Hilfe ihres Ex-Freunds, dem Antiquar und Literaturexperten Leo Dorfman.

Früher waren solche Werke durchaus häufiger mein Lesestoff. Thriller mit geheimen Verschwörungen, Geheimbünden oder etwas ähnlichem. Dan Brown oder sowas. Die Akademiemorde knüpft an diese Tradition an, allerdings bedient sich Autor Martin Olczak nicht in der Kirchen-, sondern in der Literaturgeschichte. Dieser Aspekt war für auch Hauptgrund für die Lektüre und da konnte das Buch durchaus bei mir punkten. Dass der Autor jedes Kapitel mit einem Literaturnobelpreisträger und der Begründung der Akademie für dessen Auszeichnung beginnt, kann man noch als (netten) Schnickschnack abhandeln. Aber der Autor gibt ein paar Einblicke in die Arbeit der Akademie und er macht vor allem neugierig auf den Mann, der – soviel darf ich verraten – das Motiv für die Morde hervorbringt: August Strindberg. Der große schwedische Schriftsteller war zeitlebens ein umstrittener Mann, sozialkritisch, radikal, exzentrisch, psychisch labil. Strindberg rieb sich in zahlreichen persönlichen Fehden auf und war insbesondere darüber erbost, nicht den Literaturnobelpreis erhalten zu haben.

Und da wären wir auch schon bei meinem Problem mit dieser Art Thrillern: Dass die Ereignisse von damals einen Geheimbund und einen Serienmörder auf den Plan rufen, ist natürlich arg an den Haaren herbeigezogen. Darüber hinaus gibt es auch weitere Dinge, die mich nicht richtig überzeugt haben: Die ziemliche Eindimensionalität der meisten Figuren und die überspitzt und grobschlächtig dargestellten Machtkämpfe innerhalb der Polizeibehörde.

Die Akadamiemorde bietet andererseits solide Spannung, Action und zwei sympathische Protagonisten (hier ist es Olczak hoch anzurechnen, dass er die zwangsläufig wieder aufflammenden Emotionen zwischen beiden äußerst zurückhaltend einsetzt). Es unterhält ganz passabel, nicht weniger, aber auch nicht mehr – und das ist der Grund, warum ich nur noch selten zu dieser Art Thrillern greife.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

 

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Die Akademiemorde | Erschienen 9. Juni 2014 im btb Verlag
ISBN 978-3-44274-729-5
480 Seiten | 14,99 Euro
Die Taschenbuchausgabe erschien am 8. Februar 2016 und kostet 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe (TB 978-3-442-71365-3)

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