John Rector | Frost

Syl war tot und der Schnee war tief.
Es würde lange dauern, bis sie ihn fanden. Mit etwas Glück waren die Schneepflüge auf dem Highway schon unterwegs, und wir würden am Nachmittag schon wieder auf dem Weg sein.
Wir mussten nur abwarten.
Als ich in der Rezeption ankam, hatten meine Hände aufgehört zu zittern. Ich brachte es fertig, mich davon zu überzeugen, dass ich das Richtige getan hatte für Sara und das Baby und dass alles gut werden würde. Ich blieb einen Moment vor der Tür stehen und lauschte, ob man schon das kratzende Brummen der Schneepflüge hören konnte.
Aber ich hörte nur das dünne, kalte Pfeifen des Windes, der über den Schnee fegte. (Auszug Seiten 103 – 104)

Das junge Pärchen Sara und Nate sind unterwegs mit dem Auto von Minnesota nach Nevada quer durch den Mittleren Westen. Das Winterwetter ist unangenehm, ein Blizzard ist angesagt. An einer Raststätte werden sie von einem offenbar kranken Mann angesprochen, ob sie ihn gegen Bezahlung mitnehmen können. Sie willigen ein, obwohl Nate ahnt, dass dies ein Fehler sein könnte.

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Miron Zownir & Nico Anfuso | Pommerenke

Eine halbe Stunde später beobachtete Heinrich im Wirtshaus Südstern eine Kellnerin bei der Abrechnung. Draußen standen noch Leute herum, und er fragte sich ungeduldig, was ihm die Kellnerin einbringen konnte. Sex und Geld, aber das genügte ihm nicht. Er hatte immer Liebe gewollt. Liebe um jeden Preis. Aber Amor war der Teufel im Schafspelz. Heinrich hatte ihm alles geopfert, und er hatte ihm alles genommen. Dass der Preis zu hoch war, bezahlten jetzt andere. Nach langen Jahren der Demütigung und Qualen war Hass die einzige Empfindung, die ihn mit seiner Vergangenheit versöhnte, seine Gegenwart rechtfertigte und seine Zukunft bestimmte. Er hatte die Liebe aus seinem Leben gelöscht und seine Seele mit Hass aus einem Eisberg geschmolzen. Er fühlte sich so vogelfrei und gesetzlos wie ein entlassener Sträfling, den man mit einem Hirschfänger im Dschungel ausgesetzt hatte… (Auszug Seite 235)

Anfang unseres Jahrtausends verfolgt die junge Journalistin Billie ein ehrgeiziges Projekt: Sie recherchiert den Fall des Serienmörders Heinrich Pommerenke, sucht Kontakt zum immer noch Inhaftierten, weil sie seine Biografie schreiben will. Dabei gerät das Leben von Billie immer mehr aus den Fugen. Je länger sie schreibt, je tiefer sie in Pommerenkes Leben eindringt, desto mehr verliert sie den Bezug zur Realität und gleitet in die Paranoia.

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Eric Ambler | Der Fall Deltschev

Die Wahrheit über meine Rolle im Fall Deltschev ist nicht erfreulich. Ich bin nicht einmal in die Gefahr hineingestolpert, ich bin hineinspaziert. Ich bin dahingeschlendert, so wie man durch das faszinierende Gewirr von Straßen und Gassen der Altstadt schlendert. Man hatte mich gewarnt, mir gesagt, dass sie gefährlich seien, gewiss: aber ich hatte gedacht, sie seinen gefährlich für die Warner, nicht für mich. Und als ich sah, dass ich mich verirrt hatte, und herauszukommen versuchte, sah ich auch, dass ich verloren war. So ungefähr empfand ich es. (Auszug Seiten 217-218)

In einem sowjetisch beeinflussten Balkanstaat kurz nach dem zweiten Weltkrieg wird der ehemalige Regierungschef und Oppositionspolitiker Jordan Deltschev angeklagt, ein Verräter und Verschwörer zu sein, der in Attentatspläne gegen den amtierenden Staatschef Vukaschin der kommunistischen Volkspartei verwickelt ist. Der Schauprozess wird auch von der ausländischen Presse verfolgt. Der britische Dramatiker Foster soll für eine amerikanische Zeitung Beiträge zum Prozess liefern. Doch Foster ist mit der ihm zugedachten Beobachterrolle nicht einverstanden und begibt sich in gefährliche Hintergrundrecherchen.

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Dave Zeltserman | Small Crimes

„Du bist nicht auf den Kopf gefallen. Denk dir was aus. Wenn dir das nicht gelingt, dann bring zu Ende, was du bei deinem Kumpel von der Staatsanwaltschaft begonnen hast. Nachdem du das mit seinem Gesicht angestellt hast, würdest du ihm einen Gefallen tun. Entweder der oder der, Joe. Mir egal, welcher.“ Dan kratzte sich hinter dem Ohr. „Ich geb dir ein paar Tage Zeit. Drei, maximal. Sollte es dann nicht erledigt sein, gehe ich zu Plan B über. Eins will ich dir noch sagen, Joe, mir gefällt Plan B genauso wenig wie Plan A, aber ich garantiere dir, dir würde er überhaupt nicht gefallen.“ (Auszug Seiten 32-33)

Nach sieben Jahre Knast kommt Ex-Cop Joe Denton wieder frei. Er war damals ins Büro des Staatsanwalts Phil Coakley eingedrungen, hatte das Büro in Brand gesteckt, um Beweise gegen ihn und weitere korrupte Cops zu vernichten. Zudem hatte er den eintreffenden Coakley attackiert, schwer verletzt und dessen Gesicht entstellt. Nun ist Joe draußen und muss feststellen, dass die Situation ähnlich brisant ist wie damals.

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Viet Thanh Nguyen | Der Sympathisant

Nein, nein, schluchzte die Agentin. Sie brauchte eine gute Geschichte, aber ihr fiel keine ein, allerdings hätte nichts die Polizisten umstimmen können. Also dann, sagte der mittlere Polizist, öffnete den Gürtel und den Reißverschluss seiner Hose. […]
Wir fangen ganz leicht an, sagte der mittlere Polizist und kletterte ungelenk auf den Tisch und zwischen ihre Beine. Wie heißt du? Sie sagte nichts, aber als er die Frage wiederholte, erwachte etwas Animalisches in ihr. Sie öffnete die Augen, schaute den Polizisten an und sagte: Mein Nachname ist Viet, und mein Vorname ist Nam.“ (Auszug Seiten 480-481)

April 1975: Die revolutionären Truppen Nordvietnams erobern den Süden. Die Amerikaner ziehen sich überhastet zurück und gewähren einer kleinen Zahl privilegierter Einheimischer ebenfalls die Flucht. Mit dabei ist auch der Ich-Erzähler, Adjutant eines südvietnamesisichen Generals, aber in Wahrheit ein kommunistischer Spion. Er war ein wichtiger Informationsträger im Stab des Generals und nun soll er auch in den Vereinigten Staaten Augen und Ohren offen halten.

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Antonin Varenne | Die Treibjagd

Der Alte fuhr einen uralten verbeulten und schmutzigen Citroën C15. Er stieg aus und richtete sich langsam auf. Schon ein halbes Jahrhundert trug er diese kakibraune Kunststoffhose, wasserdichte Stiefel und dieselbe Arbeitsjacke. […] Dennoch wussten diejenigen, die ihn kannten, Bescheid: Paul Courbier war der schlauste und durchtriebenste Geschäftsmann der Region, vergleichbar nur mit dem alten Messenet. Die beiden Alten hatten die Hälfte der kleinen Höfe der Gegend aufgekauft. Paul Corbiers Wort, so hieß es, war nur in einem einzigen Fall von Wert: wenn er geschworen hatte, jemandem den Garaus zu machen. (Auszug Seite 85)

Eine kleine Stadt im Zentralmassiv: Zwei rivalisierende Familienclans kontrollieren das Gemeinwesen. Nur wenige sind nicht einer der beiden Seiten zuzuordnen, unter anderem der Revierjäger Rémi Parrot. Mit dem Verschwinden eines Umweltschützers und Freund Parrots kurz vor der jährlichen Treibjagd wird eine Kette an Ereignissen in Gang gesetzt, die den Ort bis in die Grundfesten erschüttern werden.

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