Tess Gerritsen | Abendruh

Vor diesem Killer ist man nirgends sicher …

Sie sind die einzigen Überlebenden schrecklicher Familientragödien. Erst wurden ihre Eltern und dann obendrein die Pflegefamilien brutal ermordet. In Abendruh, einem Internat in der Abgeschiedenheit Maines, sollen sie ihre Sicherheit wiedergewinnen und in ein normales Leben zurückfinden.

Doch obwohl die Schule hermetisch gesichert ist, kommt es zu höchst beunruhigenden Vorfällen, und drei Jugendliche bangen um ihr Leben. Maura Isles, die eine persönliche Verbindung zu Abendruh hat, ist vor Ort, als die Bedrohung eskaliert …

Es ist eine Weile her, dass ich einen Tess Gerritsen gelesen habe. Dazwischen kam die TV-Serie Rizzoli & Isles ins deutsche Fernsehen, die sich doch sehr von der literarischen Vorlage unterscheidet. Ich muss sagen, mir sind die Bücher in der Regel lieber. Kein Beste-Freundinnen-Geschmalze, keine Maura Isles als lebensuntüchtiges, aber hochgebildetes Modepüppchen, kein devoter kleiner Bruder Frankie. Nein, ich lese meine Gerritsen-Thriller lieber. Daher habe ich mich sehr auf „Abendruh“ gefreut und musste feststellen, dass die TV-Serie doch offenbar auf die Bücher abgefärbt hat. Plötzlich wundert sich Jane Rizzoli darüber, dass Maura Isles eine pfirsichfarbene Bluse trägt und irgendwie ist die Freundinnen-Beziehung auch enger als sie es vorher war. Immerhin hat man sich vor einigen Bänden noch gesiezt!

Wie dem auch sei. Wir treffen Figuren aus früheren Thrillern dieser Reihe wieder, beispielsweise Rat aus „Totengrund“ und Anthony Sansone aus „Blutmale“. Das finde ich persönlich meist sehr charmant. Ich mag es, wenn ich alte Bekannte aus Vorgängerromanen wiedersehe, es gibt mir das Gefühl, dazuzugehören, die Illusion, dass man sich genauso darüber gefreut hat, mir ein Buch zu schreiben wie ich mich freue, es lesen zu dürfen. Allerdings ist das sicher nichts für diejenigen, die erst später in eine Reihe einsteigen, aber dafür hat der liebe Gott ja die Rückblenden erschaffen. Damit geizt Frau Geritsen auch in diesem Thriller nicht.

Zur Story selber kann ich nur sagen, dass ich mir mehr versprochen habe. Die Idee fand ich ganz hervorragend: Ein Jugendlicher überlebt das Massaker an der eigenen Familie SOWIE das an der anschließenden Pflegefamilie. Hiervon haben wir gleich drei Fälle in einem Internat und irgendwie müssen die zusammenhängen, denn der geneigte Krimileser glaubt nicht an Zufälle.

Das erste Drittel ist hervorragend geplant und geschrieben, danach wird es eigenartig. Zuweilen fühlte ich mich in meine Kindheit und zu den Fünf Freunden zurückversetzt. Drei Jungen, ein Mädchen – und nicht einmal den Hund hat die Autorin vergessen – spielen Detektiv. Das war mir insgesamt zu flach und zu anspruchslos. Die Jugendlichen waren zu klischeehaft „anders“, aus dem ungemein sympathischen Rat wurde plötzlich eine unerträgliche sich selbst wichtig nehmende Intelligenzbestie und eigentlich mochte ich nur den Hund. Der Hund war in Ordnung.

Ich würde mir wünschen, dass Tess Gerritsen mit ihrem nächsten Thriller wieder zu alter Hochform aufläuft. Für „Abendruh“ kann ich mit viel gutem Willen drei Sterne vergeben.

 

Rezension von Dani Nimz.

 

Abendruh von Tess GerritsenAbendruh | Erschienen am 26. April 2003 bei Limes
416 Seiten | 19,99 Euro
Leseprobe

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