Rennie Airth | Totengedenken

England 1947. Die Wunden des Zweiten Weltkriegs sind kaum verheilt, als eine erschreckende Mordserie der Polizei Rätsel aufgibt: Wer tötet anscheinend unbescholtene Männer, die keine erkennbare Verbindung zueinander hatten? Und warum hat sich ein Opfer kurz vor seinem Tod nach dem ehemaligen Scotland-Yard-Inspector John Madden erkundigt? Der pensionierte Madden nimmt an der Seite seines früheren Protegés Detective Inspector Billy Styles die Ermittlungen auf und stößt auf eine alte Rechnung, die noch lange nicht beglichen ist …

Ein Angler wird an einem Flüsschen bei Lewes, einem kleinen Ort in Sussex, ermordet aufgefunden, getötet durch einen Genickschuss. Inspector Billy Styles, der aus London zum Tatort geholt wird, erfährt von dem dort zuständigen Chef der Kriminalpolizei, Vic Chivers, dass sich Scotland Yard eingeschaltet hat. Einen Monat zuvor gab es einen ähnlichen Mordfall in Schottland, auch hier wurde das Opfer durch einen Genickschuss getötet, die Art der Morde erinnert an Hinrichtungen.

Allerdings lassen sich keine Verbindungen zwischen den beiden Getöteten herstellen, der eine war stellvertretender Bankdirektor in Lewes, während der andere Arzt war. Der Bruder des Opfers, Edward Gibson, ist auch nicht in der Lage, der Polizei weiterzuhelfen. Seiner Aussage nach war der Tote ein sehr friedfertiger und freundlicher Mensch, eventuelle Feinde sind ihm nicht bekannt. Allerdings berichtet die Putzfrau, dass der Tote einige Zeit zuvor Besuch hatte, der ihn anscheinend verstört hatte. Kurz danach sah sie ihn am Schreibtisch, wo er dabei war, einen Brief zu verfassen. Gibson findet diesen Brief später in den Unterlagen seines Bruders, Adressat ist der Polizeipräsident von Scotland Yard. Leider ist der Brief unvollendet, er beinhaltet jedoch die Bitte um Kontaktaufnahme mit einem Mann namens Madden, der vor langer Zeit bei Scotland Yard gearbeitet hat.

Da sowohl Billy Styles als auch Vic Chivers früher unter John Madden, damals Chief Inspector, gearbeitet haben, nehmen sie mit ihm Kontakt auf. Weil er in dem Brief des Opfers erwähnt wird, hoffen sie auf Unterstützung bei ihren Ermittlungen. Leider ist dies zunächst nicht der Fall, erst das Tagebuch, das Gibson später noch in den Unterlagen seines getöteten Bruders findet, gibt Hinweise auf den Hintergrund der Morde, wenn auch sehr verklausuliert.

Madden erkennt so nach und nach, dass er mehr mit den Fällen zu tun hat, als ihm lieb sein kann. Nachdem weitere Morde nach gleichem Muster verübt werden, ergibt sich langsam ein Bild der Verbindung, die zwischen den Getöteten besteht. Alles verweist auf Geschehnisse aus dem Ersten Weltkrieg, an denen diese als Militärangehörige beteiligt waren. Bevor der Mörder gefasst wird, gerät auch Madden noch in Gefahr.

In Rennie Airths Roman Totengedenken, der in England im Jahr 1947 angesiedelt ist, schildert der Autor anschaulich, wie manipulierbar einfache Soldaten während des Krieges durch Militärobere waren und wie Menschen verachtend es in Kriegszeiten zugehen kann. Durch die bildhafte Schilderung bringt er uns diese Zeit nahe und zur Erkenntnis, dass die Verhaltensweise der Beteiligten durchaus auch die von „normalen“ Leuten der heutigen Zeit sein könnten, wenn der Druck von oben zu groß ist.

Psychologisch gut aufgebaut birgt der Roman jede Menge Spannung. Obwohl es immer wieder scheint, als ob die Enttarnung des Mörders kurz bevor steht, ergeben sich neue Fragen. Die endgültige Auflösung ist gut gemacht; trotz allem hat man fast Mitleid mit ihm.

Fazit: Ein wunderbar einfühlsamer, spannender aber auch in einigen Passagen humorvoller Roman.

 

Rezension von Monika Röhrig.

 

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Totengedenken | Erschienen am 18. Mai 2015 bei Goldmann
ISBN 978-3-442-48263-4
416 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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