James Lee Burke | Mississippi Jam

Doch der Prediger hatte auf der Schotterstraße in der Nähe meines Hauses etwas zu mir gesagt, das mich nicht mehr losließ, das am Rande meines Bewusstseins lauerte wie ein kariöser Zahn, der dumpf pochte, während man schlief.
Was, wenn wir es statt mit einem konkreten Verbrechen tatsächlich mit Menschen oder Mächten zu tun hätten, die eine Situation herbeiführen wollten, die es erlauben würde, politische Kriminalität, Tyrannei maskiert als Recht und Ordnung, als Daseinsform zu etablieren?
War das so schwer vorstellbar? Alle dazu erforderlichen Voraussetzungen waren bereits vorhanden. (Auszug Seite 407)

In New Orleans treibt ein Killer in der Drogendealerszene sein Unwesen. Unglücklicherweise gerät Dave Robicheaux‘ Freund Batist ins Visier der Ermittler. Um die Kaution für Batist bezahlen zu können, lässt sich Dave Robicheaux vom Geschäftsmann Hippo Bimstine engagieren, um vor der Küste Louisianas ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes deutsches U-Boot zu finden. Doch das Nazi-U-Boot ruft noch weitere Gestalten auf den Plan. Der Psychopath Buchalter hegt großes Interesse und beginnt, Robicheaux‘ Familie zu terrorisieren.

James Lee Burkes legendärer Protagonist Dave Robicheaux bekommt es in diesem knallharten Krimi mit üblen Neonazis, korrupten Polizisten, irren Gangsterclans und weiteren merkwürdigen Gestalten zu tun. Robicheaux und sein bester Kumpel Cletus Purcel waren früher ein Team im New Orleans Police Department. Inzwischen ist der trockene Alkoholiker Robicheaux Polizist in New Iberia vor den Toren New Orleans, Purcel ein Privatschnüffler. Dennoch haben beide noch so ihre alten Kämpfe in New Orleans auszutragen, sowohl im Gangstermilieu als auch bei den ehemaligen Kollegen. Dabei ist Robicheaux zwar auch nicht zimperlich, aber Purcel ist ein echter Heißsporn. Ihr Gegner dieses Mal ist aber äußerst gefährlich und gewissenlos. Will Buchalter ist ein übler Rassist und Neonazi, gleichzeitig ein gerissener Psychopath, der sich bewusst Robicheaux‘ Frau Bootsie als dessen Schwachpunkt aussucht.

„Aber mein Zynismus war billig, geboren aus der gleichen Machtlosigkeit gegenüber dem Bösen, die den Sheriff dazu veranlasst hatte, mir seinen typisch urban-amerikanischen Fleischzerleger der Firma Colt Industries zum Geschenk zu machen.“ (Seite 324-325)

Der Roman spielt in einer Atmosphäre von Rassismus und roher Gewalt. Wie bei Burke üblich entwickelt sich ein harter und komplexer Plot mit einigen großartigen Einzelszenen und einer starken Beschreibung der Atmosphäre in der schwülen Hitze im Süden Louisianas. Ebenfalls ein wiederkehrendes Element ist, wie schon im ersten neu erschienenen Robicheaux-Krimi Sturm über New Orleans aus dem letzten Jahr, die Bedrohung von Robicheaux‘ Familie durch einen Psychopathen. Will Buchalter hat dabei aber erheblich mehr Format als Ronald Bledsoe.

Mississippi Jam ist der siebte Roman der Robicheaux-Reihe, erschien im Original 1994, wurde aber bislang nicht ins Deutsche übersetzt. Der Pendragon Verlag will die Reihe fortsetzen, hat sich aber für den nächsten Band keines der unübersetzten Werke ausgesucht, sondern bringt im Juli den seit langem vergriffenen Auftakt der Reihe, Neonregen, heraus. Das ist für Fans, und zu denen muss ich mich inzwischen auch zählen, Pflichtprogramm. Bis dahin ist der vorliegende Roman aber mehr als nur ein Lückenfüller. Mississippi Jam bietet die von Burke gewohnt gute Krimiunterhaltung mit interessanten, teilweise exzentrischen Charakteren, harten und actionreichen Szenen und starken Dialogen.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

 

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Mississippi Jam | Erschienen am 22. Februar 2016 im Pendragon Verlag
ISBN 978-3-86532-527-3
588 Seiten | 17,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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4 Gedanken zu “James Lee Burke | Mississippi Jam

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