Ursula Poznanski & Arno Strobel | Anonym

„Eigentlich ist er es ja gar nicht, der die Leute umbringt. Es sind diese perversen Typen zu Hause vor den Computern. Die bestimmen doch, wer sterben muss und wer weiterleben darf. Anonym und feige.“
„Aber sie töten niemanden. Das tut er.“
„Doch, sie töten. Wenn niemand von denen abstimmen würde, könnte es keinen Gewinner geben, also müsste Trajan auch niemanden umbringen.“ (Auszug Seite 329)

Durch mehrere anonyme Anrufer wird das Landeskriminalamt auf eine Leiche in einem Industriegebiet in Hamburg hingewiesen. Der Mord wurde in einem Forum des Darknet angekündigt. Schlimmer noch: die User konnten aus vier Kandidaten wählen, wer sterben soll. Die Vorschläge kommen sogar von ihnen selbst. Für die Ermittlung zuständig sind Daniel Buchholz und seine neue Partnerin Nina Salomon. Das Forum ist schnell ausfindig gemacht und schon bald wird es eine neue Abstimmung geben.

Das Team um Daniel und Nina arbeitet mit Hochdruck, aber es lassen sich keine Spuren finden. Auch das Forum aus dem Verkehr zu nehmen gelingt nicht. Sie ziehen alle verfügbaren Computer-Spezialisten zu Rate, kommen aber keinen Schritt vorwärts. Dann ist die zweite Abstimmung beendet, der „Gewinner“ steht fest. Ein Video vom Mord wird ins Forum geladen und die Ermittler können nur zusehen, nichts unternehmen. Um die Ausführung einer weiteren Abstimmung zu verhindern, unternimmt Nina etwas, das gegen alle Dienstvorschriften verstößt und auf einmal wird die Kandidaten-Liste persönlich.

Nina Salomon ist Anfang 30, Oberkommissarin und erst vor kurzem von Bremen nach Hamburg versetzt worden. Ihr neuer Partner ist Daniel Buchholz. Dieses ist ihr erster gemeinsamer Fall. Die beiden verstehen sich erst nicht besonders gut, da sie ziemlich unterschiedlich sind. Daniel ist sehr korrekt, achtet auf sein Erscheinungsbild, hält alle Dienstvorschriften ein und schätzt eine saubere Umgebung. Nina hingegen kommt zum ersten Tatort in verschwitzter Sportkleidung und gibt sich beim Kennenlernen selbstbewusst und etwas frech. Der Verlauf der Ermittlungen geht Nina ungewöhnlich nahe und Daniel vermutet, dass sie ein Geheimnis mit sich trägt, welches vielleicht auch der Grund für ihre Versetzung ist.

Anonym von Ursula Poznanski und Arno Strobel hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung ist spannend und flüssig geschildert. Es wird abwechselnd aus der Sicht von Daniel und Nina erzählt, beides in Ich-Form. Manchmal bekommt der Täter ein Kapitel. Ab und zu musste ich überlegen, aus welcher Sicht denn jetzt gerade geschrieben wird, denn es gibt keine optischen Unterscheidungen der Kapitel. Beide Ermittler finde ich sympathisch, trotz ihrer unterschiedlichen Art. Zusammen sind sie nach anfänglichen Schwierigkeiten ein gutes Team, das sich gegenseitig ergänzt. Gerade dieser nicht so harmonische Umgang macht die Jagd nach dem Täter so interessant.

In der Geschichte werden die Todesursachen der Opfer recht detailliert beschrieben, oft auch blutig. Interessant finde ich das Thema, zu welchen Handlungen Menschen fähig sind, wenn sie glauben, sie bleiben anonym und ihnen kann keiner etwas. Und wegen welchen Lappalien Kandidaten zum Mord vorgeschlagen werden. Das Ende nimmt dann eine Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte.

Ursula Poznanski wurde 1968 geboren und lebt zusammen mit ihrer Familie im Süden von Wien. Sie pflegt dort neben der Leidenschaft zum Schreiben auch die Tradition des Kaffeehausbesuches. Die Autorin ist im Jahr 2000 bei einem Drehbuchwettbewerb zum Schreiben gekommen und hat seitdem 20 Bücher veröffentlicht. Darunter befinden sich nicht nur Thriller, sondern auch Kinderbücher und Jugendthriller.

Arno Strobel wurde 1962 geboren und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in der Nähe von Trier. Mit Anfang 40 veröffentlichte Arno Strobel seine ersten Kurzgeschichten in Internetforen. Sein erster Roman wurde im selbst gegründeten Verlag gedruckt und erst nach Verkauf der Startauflage wurden namhafte Verlage auf ihn aufmerksam. Seitdem hat der Autor dreizehn Bücher veröffentlicht, darunter zwei Jugendbücher.

Anonym ist nach Fremd der zweite gemeinsame Thriller der beiden Autoren.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

anonym

Anonym | Erschienen am 21. September 2016 bei Wunderlich im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-80525-085-6
384 Seiten | 19,95 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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3 Gedanken zu “Ursula Poznanski & Arno Strobel | Anonym

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