Simon Beckett | Voyeur

„Ich verlor mich zwischen den Bildern, verweilte manchmal vor einem besonderen Werk, hielt manchmal nur kurz inne, bevor ich mich dem nächsten widmete. Eines zog mich jedoch immer wieder zurück, sodass ich nach einer Weile einen Stuhl davorstellte und mich hinsetzte, um es bequemer betrachten zu können. Es zeigt ein Paar, das sich vor einem Feuer liebt, während hinter einer Leinwand ein Mann versteckt ist und ihnen zuschaut. Allmählich vergaß ich die anderen Bilder.“ (Auszug Seite 129)

Donald Ramsey ist Kunsthändler mit einer eigenen Galerie in London. In der Galerie beschäftigt er Anna als seine Assistentin. Anna nimmt er erst richtig wahr, als er sie eines Abends aus Versehen beobachtet, wie sie sich in seinem Büro umzieht. Seitdem ist er fasziniert von ihr und kann es gar nicht verstehen, warum eine so bezaubernde Frau einen so gnomenhaften Freund hat. Aus dem anfänglichen Gedanken, dass sie einfach etwas Besseres verdient hat, entwickelt sich mehr… und da Donald sich selbst realistisch einschätzen kann, engagiert er Zeppo, damit er ihm hilft, Annas Freund loszuwerden.

Donald Ramsey spürt selbst keine Leidenschaft. Er hat schon mit Frauen geschlafen, aber es hat in ihm keine Gefühle ausgelöst. Stattdessen guckt er sich lieber erotische Kunstwerke an. Er will auch nicht mit Anna schlafen, diesen Auftrag bekommt Zeppo von ihm. Wenn Anna erst einmal erkennt, welche Männer sie noch haben kann, wird sie sich bestimmt von ihrem Freund trennen. So sind die ersten Überlegungen von Donald, aber diese laufe nicht ganz nach Plan.

Voyeur von Simon Beckett hat mir nur mittelmäßig gefallen, muss ich zugeben. Die Geschichte ist nicht sehr komplex, es geht das ganze Buch über darum, dass Zeppo Anna verführen soll und ihr Freund Marty dabei im Weg ist. Donalds Überlegungen sind für mich nachvollziehbar und er geht bei seinem Vorhaben behutsam vor, ohne etwas überstürzen wollen. Auch Anna spricht mich an. Sie ist eine fleißige und freundliche Assistentin, hat Freundinnen und trifft sich mit Menschen, oft in Begleitung von Marty, den sie seit knapp einem Jahr kennt und mit dem sie in einigen Monaten in sein Heimatland Amerika ziehen will. Zeppo ist ein Schönling, der als Dressman arbeitet und nebenbei alles macht, was Geld einbringt. Er hat ein hohes Selbstbewusstsein und weiß, wie er auf Frauen wirkt. In Gesprächen mit Donald spricht er oft derb, vor allem aber um ihn zu ärgern. Wenn es darauf ankommt, also in Gegenwart von Anna, ist er der perfekte Gentleman.

Die Geschichte wird in Ich-Form aus Sicht von Donald geschrieben, sie liest sich flüssig, aber nicht sonderlich spannend. In dem Buch gibt es ein Vorwort des Autors, in dem er vor den sexuellen Beschreibungen warnt, aber diese fand ich weder zu häufig noch theatralisch. Das Ende des Buches hatte ich anders erhofft. Bei Thrillern kommt zum Schluss ja oft die große Wendung, hier aber läuft es seicht aus. Der Plan kann vollendet werden, was jetzt nicht die große Überraschung ist, aber ich hatte gehofft, dass wenigstens der Mord aufgeklärt wird, von dem auch schon auf dem Buchrücken die Rede ist. Denn so ist es Donald und Zeppo gelungen, das perfekte Verbrechen zu begehen.

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Bevor er sich der Schriftstellerei widmete, arbeitete er unter anderem als freier Journalist und schrieb für britische Zeitschriften und Magazine. Bei den Recherchen für seine Reportagen begleitete er die Polizei bei Razzien im Drogenmilieu und in Bordellen. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield. Der Autor hat bereits neun Triller veröffentlicht, unter anderem die vierteilige Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter. (Quelle: www.simon-beckett.de)

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Voyeur | Erschienen am 1. April 2010 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-49924-917-4
384 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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2 Gedanken zu “Simon Beckett | Voyeur

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