Wendy Walker | Kalte Seele, dunkles Herz

„Man stelle sich das kleine Kind vor, das an einem Tag schreit und gefüttert wird und am nächsten Tag schreit und hungrig bleibt. An einem Tag lächelt es und wird geküsst und liebkost. Am nächsten Tag lächelt es und wird ignoriert. (…) In einem Moment Liebe, im nächsten Missachtung. Zuneigung, die grundlos und im Überfluss gewährt und dann ohne Erklärung verweigert wird. (…) Die Narzisstin liebt ihr Kind in erster Linie als Erweiterung ihrer selbst und dann als ein loyales Subjekt. Also wird sie sich nur um ihr Kind kümmern, wenn ihr das ein gutes Gefühl vermittelt.“ (Auszug Seiten 102 und 103)

Vor drei Jahren sind die Schwestern Emma und Cass eines Nachts verschwunden. Die damaligen Ermittlungen konnten nicht aufklären, was den beiden zugestoßen ist und sie wurden nicht gefunden. Schon damals hat Abby Winter bei den Ermittlungen geholfen. Jetzt, als Cass plötzlich wieder vor ihrem Elternhaus auftaucht, wird sie sofort angerufen. Cass berichtet, was passiert ist und dass Emma unbedingt gefunden werden muss. Alle verfügbaren Beamten werden dafür eingesetzt. Kann Emma gefunden werden?

Die Psychologin Abby Winter

Abby ist Psychologin und hat ihre Doktorarbeit über narzisstische Mütter geschrieben, da sie selbst eine hatte. Deshalb ist ihr bei den Ermittlungen vor drei Jahren auch aufgefallen, dass die Mutter der beiden verschwundenen Mädchen ebenfalls narzisstische Züge hat. Es hat Abby fast in den Wahnsinn getrieben, dass sie nicht herausfinden konnten, wie die Cass und Emma verschwunden sind, und auch nach dieser langen Zeit ist sie kaum darüber hinweg. In beiden Ermittlungen, vor drei Jahren und heute, leitet die Ermittlung Leo Strauss.

Narzissmus

In Kalte Seele, dunkles Herz von Wendy Walker geht es also um Narzissmus. Dieses Thema finde ich sehr interessant, da ich bisher, außer durch kurze Erwähnungen in Büchern, damit noch nicht in Berührung gekommen bin. Nachdenklich hat mich gemacht, dass diese Art der Persönlichkeitsstörung nur sehr schwer für die Öffentlichkeit erkennbar, für die Familie, vor allem für Kinder, aber anstrengend und teilweise grausam ist.

Die Geschichte wird in sich abwechselnden Kapiteln von Cass und Abby erzählt. Die beiden verschiedenen Einsichten bringen zusätzliche Spannung. Gut gelungen fand ich auch die Erklärungen zu dem Verhalten der Mutter, um es für den Laien verständlicher zu machen. Insgesamt ließ sich das Buch flüssig lesen und es wurde an keiner Stelle langatmig. Abby und Leo arbeiten gut miteinander und ergänzen sich. Dabei konnte ich jeden ihrer Schritte nachvollziehen. Abby nimmt der Fall sehr mit, sie kann nächtelang nicht schlafen und denkt viel über alles nach, gerade weil sie sich ein bisschen in Cass wiedererkennt.

Lüge?

Dem Leser wird schon auf dem Buchrücken verraten, dass Cass‘ Geschichte nicht ganz der Wahrheit entspricht. Diese Tatsache hat mich während der gesamten Geschichte miträtseln lassen, wie es denn wohl wirklich war. Die Zitate auf dem Buchrücken versprechen ein schockierendes Ende, ich empfand es aber nicht so. Die Auflösung dieses Falls ist verstrickt und auch anders, als ich vermutet habe, aber es hat mich nicht völlig schockiert. Besonders auffällig und einzigartig ist das Cover des Romans, meiner Meinung nach.

Wendy Walker ist Anwältin für Familienrecht und Autorin und lebt mit ihrer Familie in Connecticut. Ihr Debütroman Nichts ist je vergessen erschien in über 20 Ländern und wird derzeit in Hollywood verfilmt. Der Psychothriller Kalte Seele, dunkles Herz ist ihr zweites Buch.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Kalte Seele, dunkles Herz | Erschienen am 7. September 2017 bei Fischer Scherz
ISBN 978-3-651-02557-8
384 Seiten | 14,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Andreas Rezension zu Wendy Walkers Thriller Nichts ist je vergessen

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2 Gedanken zu “Wendy Walker | Kalte Seele, dunkles Herz

  1. Das Cover finde ich auch besonders und liebäugle schon länger mit dem Titel. Ha ich es überlesen?-Wie hast du den Mittelteil empfunden? habe nun schon mehrfach gelesen das es sich doch in die Länge zieht…

    1. Hallo Janna! Ich empfand den Mittelteil nicht als langatmig. Für mich hat sich das gesamte Buch flüssig gelesen. VG, Andrea

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