Petra Johann | Schatten der Schuld

Drei Jahre ist es her, seit Kriminalkommissarin Charly Rumor ihren besten Freund und ehemaligen Kollegen Mick das letzte Mal gesehen hat. Damals jagten sie den sogenannten Axtmörder, der drei Frauen ermordet hatte. Die Ermittlungen endeten traumatisch, Mick musste den Polizeidienst quittieren.

Als im Stadtwald eine Frauenleiche gefunden wird, ist Charly sicher: Der Axtmörder hat wieder zugeschlagen. Sie ahnt, dass sie ihn nur mit Micks Hilfe enttarnen kann, doch sie hatte gute Gründe, seinerzeit den Kontakt abzubrechen. Wäre da nicht die Chance, vergangenes Unrecht wieder gutzumachen.

Bereits zum vierten Mal hat es Hauptkommissarin Charlotte Rumor in Schatten der Schuld mit einem Axtmörder zu tun, der im Verlauf der letzten Jahre im Umkreis Aachen im wahrsten Sinne des Wortes zugeschlagen hat. Die Tote wird diesmal in einem Waldstück bei Aachen gefunden, die Tatumstände gleichen drei Fällen, mit denen Charlotte es bereits zu tun hatte, die aber bisher nicht aufgeklärt werden konnten. Allerdings ist die Tote im Gegensatz zu den bisherigen Opfern zunächst unbekannt.

Bei der ersten Toten handelte es sich um die Schwester von Chris Danner, einem Kinderarzt.
Die Schwester, alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern, wurde von diesen im Garten ihres etwas einsam stehenden Hauses in der Eifel aufgefunden, erschlagen mit einer Axt. Eine Befragung der Schwestern bringt Charlotte und ihren Kollegen, Kriminaloberkommissar Michael Harting, nicht weiter. Die ältere, Alexa, kann auch keinerlei Hinweise auf einen möglichen Täter geben, die jüngere, Nellie, spricht schon seit Jahren nur mit den engsten Familienangehörigen. Chris Danner, der seine Nichten anschließend bei sich aufnimmt, gerät in Verdacht, nachdem bekannt wird, dass er des öfteren Streit mit seiner Schwester hatte, weil er mit deren Erziehungsstil und Umgang mit ihren Töchtern nicht einverstanden war. Allerdings gibt es keine Beweise, der Fall bleibt vorerst ungeklärt.

Auch der zweite Mord ereignet sich im Umfeld von Chris Danner. Die Getötete, Bettina Kersthoff, war Danners Freundin und Mitglied in einer Theatergruppe, die „Improprinten“, bei der ebenfalls Chris sowie Alexa, seine ältere Nichte, mitmachen. Im Probenraum des Theaters wird Bettina aufgefunden, die Mordwaffe augenscheinlich wiederum eine Axt. Wie im ersten Mordfall wurden auch Bettina die Haare abgeschnitten. Etwas, das in den Medien bei der Berichterstattung über den ersten Fall nicht zur Sprache gekommen war. Wieder wird Danner verdächtigt, allerdings ergeben sich bei der Befragung auch gegen andere Mitglieder der Theatergruppe Verdachtsmomente – auch dieser Fall bleibt zunächst ungelöst.

Die dritte Tote ist die Frau von Kommissar Harting, auch genannt Mad Mick. Wie sich herausstellt, hatte sie ein Verhältnis mit Chris Danner und war kurz vor dem Mord von einem Schäferstündchen mit ihm aus einem Hotel in Bad Münstereifel zurückgekehrt. Tatwaffe: wiederum eine Axt, der Toten wurden ebenfalls die Haare abgeschnitten. Diesmal fällt Danner als Täter aus, in Verdacht gerät nun als Nachahmungstäter der Ehemann der Toten, Michael Harting. Wie Charlotte beteuert, war dieser jedoch zum Zeitpunkt der Tat noch mit ihr am Flughafen in Frankfurt, wo er sie hingebracht hatte. Merkwürdig ist allerdings, dass Mick, der seine Frau bei seiner Rückkehr ermordet auffindet, sich an die Zeit zwischen Abfahrt vom Flughafen und Auffinden der Toten nicht mehr erinnern kann.

Autorin Petra Johann deutet bereits zu Beginn an, dass zwischen Charlotte und Mick eine besondere Freundschaft bestand, die allerdings nach dem dritten Mord – unerklärlich für die anderen Kollegen der beiden – in die Brüche gegangen war. Mick hatte mittlerweile seinen Dienst quittiert, seine Versuche der Kontaktaufnahme mit Charlotte hatte diese regelmäßig ohne weitere Erklärung abgeblockt.

Der vierte Mord, ausgeführt augenscheinlich vom gleichen Täter wie bisher, ist nun das Tüpfelchen auf dem i; die Ermittlungen rücken die bisherigen Fälle in ein ganz anderes Licht und schaffen endlich Klarheit.

Die Auflösung, war überraschend und für den Leser vorab nicht unbedingt zu vermuten, auch wenn bereits ziemlich zu Anfang ganz kurz ein Hinweis aufblitzt. Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft, einigermaßen spannend ist der Roman auch, allerdings im Hinblick auf das Verhalten von Charlotte ihrem Kollegen gegenüber nicht so ganz realistisch. Auch das Verhalten des vierten Opfers in den Jahren vor der Tat kann ich nicht so ganz nachvollziehen, ist aber für die Handlung anscheinend genau so erforderlich. Leicht gestört hat mich, dass die einzelnen Handlungsstränge des Romans, der als Rückblick auf die bisherigen Fälle aufgebaut wurde (im Grunde ja nicht ungewöhnlich), ein bisschen in die Länge gezogen waren. Etwas weniger umfangreiche Erklärungen hätten mir besser gefallen.

Fazit: Insgesamt ein guter Kriminalroman, vom Spannungsaufbau her könnte es aber meiner Meinung nach etwas mehr sein.

 

Rezension von Monika Röhrig.

 

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Schatten der Schuld | Erschienen am 16. November 2015 bei Blanvalet
ISBN 978-3-73410-203-5
544 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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