James Lee Burke | Schmierige Geschäfte

„Wollen Sie damit zum FBI in Lafayette gehen?“, sagte der Sheriff.
„Vielleicht.“
„Für Drohbriefe, die mit der Post zugestellt werden, sind die Bundesbehörden zuständig. Warum nicht denen die Sache überlassen?“
Ich schaute ihn an, ohne zu antworten.
„Warum habe ich nur immer das Gefühl, dass sie ein Mann sind, der nicht das geringste Vertrauen in unser Rechtssystem hat?“
„Wahrscheinlich weil ich zu lange drin gearbeitet habe.“ (Auszug Seite 93-94)

Eines Nachts begegnet Dave Robicheaux in einer Bar einem alten Bekannten aus der Studentenzeit. Dixie Lee Pugh hatte damals aber schnell die Uni verlassen und es zu einigem Erfolg als Rock n‘ Roller gebracht. Seitdem ging es aber stetig bergab mit ihm. Inzwischen arbeitet er für eine Ölfirma in Montana, die sich durchaus unrühmlicher Methoden und zwielichtige Männer bedient. Pugh bittet Dave um Hilfe, da er gehört haben will, wie diese Männer, Vidrine und Mapes, sich über einen Doppelmord unterhalten haben, den sie begangen haben.

Dieser lässt ihn erstmal abblitzen, doch als kurz darauf Pugh bei einem Feuer schwer verletzt wird, fängt Dave an, erste Nachforschungen anzustellen. Kurz darauf erhält er einen Drohbrief, in dem seine Adoptivtochter Alafair bedroht wird. Dave sieht rot und will Vidrine und Mapes eine Lektion erteilen. Doch wenig später wird er festgenommen, Vidrine ist mit Daves Messer ermordet worden, Mapes ist der Belastungszeuge. Dave steckt in ernsten Schwierigkeiten, kommt aber auf Kaution frei und sieht nur eine Chance: Er muss in Montana die Hintergründe aufdecken.

Über James Lee Burke habe ich ja schon so einige Lobhudeleien verfasst, daher hier nur noch mal die Erinnerung, dass dieser Mann einfach großartig ist, was Setting, Landschaftsbeschreibung und Figurenzeichnungen betrifft. Schmierige Geschäfte ist Band 3 des Robicheaux-Katalogs, erschien erstmals 1989 unter den Titel „Black Cherry Blues“, unter dem es bislang auch in Deutschland verlegt wurde. Auch dieser Teil ist ein hartgesottener Krimi mit dem angeschlagenen, aber immer unbeugsamen Dave Robicheaux. Was an diesem Titel auch besonders ist: Es gibt ein Wiedersehen mit Daves altem Partner und Kumpel Cletus Purcel, der sich unter Mordanklage stehend in Neonregen aus dem Staub gemacht hatte. Nun knirscht es zwischen beiden weiter gewaltig, denn Purcel hat sich inzwischen einem Mafioso als Handlanger angedient, doch im Laufe des Buches finden beide wieder zueinander. Außerdem verlässt Robicheaux erstmals die Bayous Louisianas und begibt sich in die Bergwelt Montanas, ebenfalls eine reizvolle Gegend und übrigens die zweite Heimat des Autors. Und ganz unterschwellig und etwas verhaltener als in anderen Bänden lässt Burke auch gesellschaftskritische Dinge einfließen.

Ich war schon in einigen Indianerreservaten gewesen oder zumindest hindurch gefahren, und keins davon war ein angenehmer Ort. Dieses stellte keine Ausnahme dar. Ernest Hemingway schrieb einmal, für ein Volk gebe es kein schlimmeres Schicksal, als einen Krieg zu verlieren. Falls einer seiner Leser dies bezweifeln sollte, braucht er nur einen der Orte aufzusuchen, an denen die Regierung der Vereinigten Staaten die Ureinwohner ihres Landes verwahrt. Alles, was sie besaßen, haben wir ihnen gestohlen, und bekommen haben sie dafür Pocken, Whiskey, Sozialhilfe, staatlich verwaltete Schulen und Gefängnisse. (Seiten 200-201)

Nun habe ich schon fünf Robicheaux-Krimis gelesen und muss ehrlicherweise zugeben, dass Burke eine bestimmte Plotidee schon häufig wiederverwendet: Entweder gerät Dave durch einen Zufall, oder weil er jemandem zur Hilfe kommt, an irgendwelche miesen Typen, die dann meistens seine Familie bedrohen, was der gute Dave dann natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. Aber ich muss für mich konstatieren, dass dieser Dave Robicheaux inzwischen sowas wie ein guter Bekannter für mich geworden ist, von dem man einfach gerne liest und sich fragt, wie es mit ihm weitergeht. Davon abgesehen kommen des Autors Fähigkeiten (siehe oben) immer zum Tragen. Und somit hat mich auch dieser Krimi gut unterhalten. Die James Lee Burke-Festspiele in Deutschland gehen übrigens weiter mit dem vierten Robicheaux-Band Flamingo (bei Pendragon) und Zeit der Ernte (bei Heyne Hardcore), dem ersten Band der Hachberry-Holland-Reihe. Beide Romane sind vor kurzem erschienen.

 

Rezension und Foto von Gunnar Wolters.

 

Schmierige Geschäfte (Black Cherry Blues) | Erstmals erschienen 1987
Die aktuelle Ausgabe erschien am 20. Mai 2017 im Pendragon Verlag
ISBN 978-3-86532-574-7
480 Seiten | 17.- Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Gunnars Rezensionen zu den James Lee Burke-Romanen Neonregen, Mississippi Jam, Glut und Asche sowie Sturm über New Orleans.

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3 Gedanken zu “James Lee Burke | Schmierige Geschäfte

  1. „Black Cherry Blues“ hat mich damals endgültig zum Burke-Jünger bekehrt. Einer der besten Bände der Robicheaux-Reihe und ja auch einer der wenigen, in der „Streak“ mal sein geliebtes Louisiana verlässt. Vor Jahren war noch nicht damit zu rechnen, dass dieser Titel mal wieder aufgelegt wird und wurde zu Mondpreisen im Antiquariat gehandelt. Die Zeiten sind dank Pendragon gottseidank vorbei.

    1. Da hast du recht. Man kommt momentan kaum dazu, den einen Burke zu beenden, da kommt schon ein neuer oder zumindest eine Neuauflage. Habe mir letzte Woche „Zeit der Ernte“ besorgt…;-)

    2. Habe mir am Samstag gleich vier Burkes bestellt. ;-) Mal sehen, wie lange Heyne und vor allem Pendragon dieses Pensum halten können. Es wäre ärgerlich, wenn wieder am Ende die Hälfte unübersetzt bleiben würde.

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