Michel Bussi | Fremde Tochter

„Sie müssen leben, Mademoiselle!“, hatte ein junger Polizist zu ihr gesagt, als er ihr eine silberfarbene Rettungsdecke um die Schultern legte. „Sie müssen für sie leben. Damit sie nicht vergessen werden.“ (Auszug Seite 14)

Am 23. August 1989 verunglückt eine Familie in Korsika während des Urlaub. Nur die 15-jährige Tochter Clotilde überlebt. 27 Jahre später kehrt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter an den Unglücksort zurück, um sich zu erinnern. Während des Aufenthalts kommt es allerdings zu Situationen, die Clotilde daran zweifeln lassen, dass es sich damals tatsächlich um einen Unfall gehandelt hat. Kann es Mord gewesen sein? Außerdem bekommt Clotilde kleine Nachrichten geschrieben, die allem Anschein nur von ihrer Mutter Palma stammen können, die ja aber ebenfalls bei dem Unfall ums Leben gekommen ist. Was verbirgt sich dahinter?

Aufbau der Geschichte

Fremde Tochter von Michel Bussi ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt. In dem einen Strang liest jemand in dem Tagebuch, das Clotilde in den Ferien 1989, an den Tagen vor dem Unfall, geschrieben hat. Der zweite Handlungsstrang ist Clotilde siebenundzwanzig Jahre später, 2006, während sie mit ihrer eigenen kleinen Familie auf dem gleichen Campingplatz Urlaub macht, wie in dem Sommer 1989. Außerdem ist die Geschichte noch in vier Teile untergliedert. Der letzte Teil gibt einen Ausblick in erneut siebenundzwanzig Jahre später, also 2043. Vorne im Buch ist noch eine Karte abgedruckt, zu besseren Orientierung. Die Geschichte hat im Übrigen echte Schauplätze.

Spannung bis zum Schluss

Das Buch war für mich durchgängig spannend. Interessant wird es zum einen dadurch, dass ich gewusst habe, dass die Tagebucheinträge jemand liest und er nichts Gutes vorhat, es wird aber eben nicht verraten, wer. Dann bekommt Clotilde einen Brief von ihrer Mutter, was ja gar nicht sein kann. Außerdem erhält sie Informationen und macht Beobachtungen, die sie an einen Unfall damals zweifeln lassen. Clotilde macht sich dann ihre eigenen Gedanken dazu und befragt Leute, die zu der Zeit schon auf der korsischen Halbinsel waren. Als Leser habe ich mitgerätselt und wurde dabei aufs Glatteis geführt. Zum Ende hin spitzt sich die Situation zu und Clotildes Tochter Valentine gerät in Gefahr.

Clotilde damals und heute

Der Roman liest sich flüssig, allerdings haben mein Lesevergnügen etwas die französischen Namen, Bezeichnungen und Textpassagen gestört. Zudem hätte ich mir zu allen französischen Zeilen eine Übersetzung gewünscht, das war leider nur bei einigen der Fall. Das Buch hat über fünfhundert Seiten und mitunter wird es recht unbequem und schwer in der Hand. Ich möchte trotzdem keine Seite missen. Clotilde war mir sympathisch, ich mochte ihr gern folgen. Vor allem in den Tagebucheinträgen spricht sie den zukünftigen Leser direkt an und berichtet sehr detailliert und humorvoll. Auch in der jetzigen Zeit ist Clotilde sehr ehrlich mit sich und ihrem Leben, ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und mitfühlen.

Michel Bussi wurde 1965 geboren und ist ein französischer Autor, der Kriminalromane schreibt. Vier von zehn veröffentlichten Büchern wurden auch ins Deutsche übersetzt. Der Autor ist Politologe und Geograph und lehrt an der Universität Rouen.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Fremde Tochter | Erschienen am 15. September 2017 bei Rütten & Loening im Aufbau Verlag
ISBN 978-3-352-00901-3
528 Seiten | 14,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

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